Moving-Target.de

Dies ist ein privates Blog und dies istdie vermaledeite Datenschutzerklärung.

Navigation

Aktuell | Rubriken | Archiv seit 1996

Blogosphärisches | Blogroll | Über ...

Aktuellste Einträge:



Letzte Kommentare:

Linn in Von Arschlöchern lernen: War das auf Facebook? Als ich den Anfang des Artikels las, wollte ich auch auf jeden Fall ...

Britta in Norwegen in Der vierte Wunsch: Vielen lieben Dank für die letzten Einträge - und den Elfen. Hmpf, ich weiß nicht wie ich es ...

Graugrüngelb in Es gibt da einen Haken. Jetzt.: Das ist ja ‘ne nette Idee. Ich fahre ja in den urlaub immer mit diesen Handtuchhaken, die man über ...

Thomas Arbs in Mittwochs im Düsseldorf: Das ist phantastisch. Es ist schwer zu schlucken, aber es soll ja auch nicht leicht sein. ...

melody in Mittwochs im Düsseldorf: (Ich weiß, dass der liebe echte Löwenherz gegen Muslime in den Krieg gezogen ist, aber die ...

Kontakt

Impressum

Datenschutzerklärung

powered by ExpressionEngine






Schreiben für Suchmaschinen « | » Neulich, an der Haltestelle

Kunst am Bau

Man stelle sich einen Tag vor, der noch keine Richtung genommen hat und eine fast noch schlafende Frau, die sich trotzdem in die Küche begibt. An ihrem linken Bein hängt tief ein ganz kleines Mädchen mit rosa Brille - erwartungsvoll und sicherheitshalber ordentlich festgekrallt, krähend und quietschend in der begründeten Hoffnung auf ein Getränk und ein Marmeladenbrot.

Über die nun anliegenden Aufgaben herrscht Klarheit. Die Frau möchte Wasser in den Wasserkocher schütten, quietschmindernd mit dem Kind sprechen, einen Trinkbehälter finden und währenddessen das Wasser kochen lassen und schließlich Flüssigkeit und frisches Brot in das Kind einfüllen.

Doch zwischen Kocher und Hahn befindet sich ein um diese Tageszeit fast unüberwindliches Hindernis: Eine auf dem schmalen Mittelsteg zwischen den beiden Spülbecken sorgfältig ausbalancierte riesengroße schmutzige Bratpfanne. Randvoll mit Seifenlauge, zum Einweichen.

Die Frau steht vor der Spüle, in der Hand einen leeren Wasserkocher, während das Kind die Fingernägel in ihre Waden gräbt und um ein Frühstück kräht. Um die große Pfanne zu bewegen, ohne die Spüle und alles Drumherum mit Lauge zu tränken, bräuchte sie freie Hände und einen sicheren Stand. Zwei Sekunden Ruhe vielleicht auch noch.

Während sie das Einweichkunstwerk betrachtet, zittert die Oberfläche des Seifenwassers leicht, denn ein Bus ist am Haus vorbeigefahren.

Warum balanciert das überfüllte Hindernis mittig kippelnd auf den Rändern des Beckens, statt einfach sicher 40cm daneben auf der Arbeitsfläche zu stehen? Was ist der Sinn hinter wackeligen Einweichkunstwerken bei ausreichend Platz?

Das fragt sich die Frau, während sie das lauter werdende Kind beruhigt, den Wasserkocher wieder abstellt, die große Pfanne anzuheben versucht und prompt den Rand des Spülbeckens mit schmierigem Seifengemisch flutet.

Genau wie beim letzten Mal, als es ein sehr großer Edelstahltopf war, der auf dem schmalen Grat zwischen Alltag und Wahnsinn auf der Spüle stand.

Die Frau wischt die überflüssige Lauge weg, tränkt und füttert das Kind und ignoriert den brummenden Laptop, der beim Rumräumen zwischen Karotten und Küchentüchern auftaucht. Die Tochter massiert ihr Marmeladenbrot liebevoll unter die Tischplatte. Der Kater darf auch abbeißen.

Den Mann nach seinen Konstruktionen zu fragen hat keinen Zweck.

Er hat ein grünes und ein braunes Auge. Wenn die Frau sich über die Spülkunstwerke beklagt, leuchten grüne Funken im braunen Auge auf und sie weiß, dass er sie auslacht, auch wenn er nicht mit der Wimper zuckt. So wie er lächelt, wenn sie fragt, wie er immer wieder zu einzelnen Socken kommt, obwohl sie mindestens einmal im Jahr 15 identische schwarze Paare kaufen.

Der Tag wirft Sonne durchs Fenster, weil die Frau gelacht hat. Das Kind gähnt und stellt ein Glas millimetergenau an die Tischkante, um dann eine Bananenhälfte darauf zu legen. Sorgfältig ausbalanciert.

Freitag, 20. März 2009 um 09:05 AM
On TargetLinkDrucken

*

(danke)

Simone  am  20. März 2009

Ich wär gerne dabei gewesen :-)

Petra  am  20. März 2009

Schön. :)

Chronistin  am  20. März 2009

Ich glaube, der Mann ruft nach mehr Risiko im Leben. Stell doch mal seinen Laptop nur halb auf den Tisch und lasse das kleine Mädchen mal fünf Minuten mit dem Rechner alleine im Zimmer … ,-)

Marmeladenbrot?* Du gibst dem Kind Marmeladenbrot zum Frühstück in dem Alter? Ja, Mutter, willst Du es denn zu einem diabetesgefährdeten noch vor dem ersten Kinobesuch bereits Karies habendes Kind machen?

*Ich dachte, ich echauffiere mich schon mal prophylaktisch dummblöddreist für die, die das ernsthaft tun möchten. ,-)

creezy  am  21. März 2009

Wunderbar :-) Was für eine schöne Geschichte und wie beruhigend, dass es auch in anderen Haushalten für Frauen schwer verständliche Einweichkunstwerke gibt. lol

Marion  am  21. März 2009

“Er hat ein grünes und ein braunes Auge. Wenn die Frau sich über die Spülkunstwerke beklagt, leuchten grüne Funken im braunen Auge auf und sie weiß, dass er sie auslacht, auch wenn er nicht mit der Wimper zuckt.”

Deine Phantasie möchte ich haben.
Trotzdem, toll geschrieben.

jens  am  22. März 2009

Jens, der Mann hat aber tatsächlich zweifarbige Augen :-)))

Petra  am  23. März 2009

Ja, Jens. Der Mann hat tatsächlich ein grünes und ein braunes Auge. Und meine Fantasie kannst du nicht haben, aber lesen :-)

melody  am  08. April 2009

Es ist eine Freude, deine Geschichten zu lesen, melody, danke!!

antje  am  09. April 2009
Seite 1 von 1 Seiten

Es hat keinen Sinn, hier in den Comments kommerzielle URLs abzulegen - SPAM-Adressen werden grundsätzlich entfernt.

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.