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Ich [herz] Käsebrötchen « | » Einfach nicht flexibel (ich)

Kratzschrank adieu

»Hab geträumt« murmelte der halbwache Mann, »wir wären nachts bei IKEA gewesen. Furchtbar.« Das war dann der Moment, in dem ich beschloss, kompensierenden frisch gemahlenen frisch gebrühten Starbucks Christmas Blend zuzubereiten. Denn wir sind nachts bei IKEA gewesen. Und es war furchtbar.

Als wir im Frühjahr die erste Wohnung kauften, wussten wir: Die Mieter bauen ein Haus, und wir ziehen eben dann ein, wenn es fertig ist und die Wohnung saniert werden kann. Als wir einen Monat später das kleine Appartement nebenan noch dazukauften, um später beides zusammenzulegen, war klar: Wir zahlen nicht weiter Miete, da ziehen wir jetzt ‘einfach’ übergangsweise ein, auch wenn das bedeutet, Küche und Bad mit einem Wohnschlafbüro von 10 Quadratmetern zu haben. Die Küche ist schön groß und hat enorm viel Stauraum, das Bad ist noch größer und hat noch viel mehr Stauschränke/Wäscheschränke, und es sollte für uns ja kein Problem darstellen, die andere Hälfte des kleinen Zimmers auch noch so zu füllen, dass man übergangswohnen konnte. Als das Bett drinstand, war es nämlich schon zur Hälfte voll.

Wir hämmerten sämtliche kleinen Wandschränke aus der alten Wohnung an eine Wand, hängten den Fernseher unter die Decke und verwandelten den ehemaligen Esstisch in einen 2-Personen-Computerarbeitsplatz mit Drucker an der Wand, indem wir den ehemaligen Doppelbett-Frühstückstisch einkürzten und die Monitore darauf stellten. Erstaunlich, wie gut wir so nah zusammenarbeiten können. Mein altes neues Gerümpelregal ist mein neues altes Gerümpelregal und für die Kleidung kauften wir einen niedlichen blau-weiß-gestreiften Stoffschrank pro Person. Fertig.

Das war alles gar nicht mal so eng wie man annehmen würde, sah sogar noch richtig nett aus und passte prima.

Dann zogen die Katzen mit ein und Kenzo entdeckte die niedlichen neuen Stoffschränke sofort. Als Thron, als Klettermöbel, als Kratzbaumersatz. Um senkrecht daran hoch zu laufen, sich Spielzeug mit rauf zu nehmen, sie gründlich zuzuhaaren und überhaupt. Jede seiner freien Minuten verbrachte er damit, die Schränke zu zerlegen, und er hat viele freie Minuten.

Das Ergebnis war dann nicht mehr so schön.

Faustgroße Kratzlöcher sind nicht Geschmackssache, sondern untragbar, jedenfalls für mich. Sobald aus den Ritzen richtige Reißlöcher mit Einblick auf die Wintergarderobe wurden, war es aus. Wir wohnen, schlafen und ich arbeite noch mindestens vier Monate in diesem Zimmer, vielleicht auch sechs. Sich auflösende Möbel passen absolut nicht ins Konzept. Also sind wir tatsächlich gestern Nacht zu IKEA gefahren, das jetzt samstags bis 22 Uhr auf hat, und haben Schränke gekauft. Furchtbar, tatsächlich.

Zwei eher »kleine« Schränke. Einer passte ins Auto, der andere wird morgen geliefert (IKEA liefert ohne Aufpreis in jedes Stockwerk/Zimmer). Der superbillige Sonderangebots-Schrottschrank im Fast-Holz-Look, den wir vernünftigerweise genommen hätten (denn wir haben ja einen Kleiderschrank … er passt bloß nicht ins Übergangszimmer, jedenfalls nicht, wenn dort noch was anderes stehen soll zusätzlich), der war glücklicherweise ausverkauft.

Das Erlebnis wurde dominiert von einem gewaltigen Berg großer Stofftiere für 4,99 Euro, die jeder und alle außer uns durch die Gegend zu schleppen schienen: Eisbären, Elche und weiße Hunde mit schwarzen Flecken. Wir tranken einen Kaffee, um das Erlebnis durchstehen zu können. Das Restaurant war voll von Erwachsenen, die sich Köttbullar-Kinderteller holten und sich dann beschwerten, der Preisselbeerenklecks würde fehlen, der gar nicht zum Kinderteller gehört, was die Thekendame nicht müde wurde zu erklären. Fordernd den Teller hingestreckt blieben sie stehen, die ach so schlau sparenden Erwachsenen mit dem Essen zum Kindertellerpreis, und beharrten. Arme Service-Kräfte.

Der Mann hat den ersten Schrank größtenteils zusammengebaut und in den Flur gestellt. Der Flur ist schmal, der Schrank füllt ihn aus. Jetzt ist der Mann verschwunden, keine Ahnung warum und wohin, und ich sitze im Zimmer mit dem Stück Flur hinter dem Schrank, sauber getrennt von Toilette, Küche und Ausgang. Hallo? Ob er jemals wiederkommt?

Sonntag, 10. Dezember 2006 um 04:52 PM
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Tja, IKEA hat halt keine Keuschheitsgürtel. Da muss dann aushilfsweise auch mal ein Schrank im Flur herhalten ;)

Ralf  am  10. Dezember 2006

Nachdem ich da nun so oft war und immer neue Abgründe entdeckte, würde ich gar nicht mal darauf wetten, dass Ikea nicht auch irgendwo Keuschheitsgürtel hat. Nyxda und Föngerklemm in der Spielwarenabteilung oder so :-)

(Der Mann ist wiedergekommen, der eine Schrank steht und das Zimmer hat jetzt eine Tür. Puh. Vielleicht wird doch noch alles fertig hier.)

melody  am  10. Dezember 2006

Denkt eingentlich noch einer in dieser Wohnung an den <strike>schwedischen</strike> norwegischen Waldkater? Wo soll er jetzt bitte schön in Zukunft thronieren? Was soll er zuhaaren? Wo soll er Löcher hinein reissen?

creezy  am  12. Dezember 2006

Der Kleine ist allerdings recht geknickt und vermisst den Kratzschrank sehr. Er sitzt alleine in einem Katzenkörbchen in der Küche und schmollt :-)

melody  am  12. Dezember 2006
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