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Schrottwichtelt es dieses Jahr? « | » Rollbraten

Der 14. November 1994 war ein Montag

Ein Montag, und das wusste auch der Kontoauszugsdrucker der Bank, der unerschütterlich ein leeres Blatt nach dem anderen ausgab. Nicht ohne bemühte Druckgeräusche zu simulieren. Frustration, als ich den dicken Stapel pseudobedrucktes Papier in der Hand hielt und mir die Sachbearbeiterin eiligst die Glastür zum Vorraum vor der schon fast eindringenden Nase zuschloss, weil die Filiale pünktlich in die beamtengleiche Siesta-Starre fallen wollte.

Die Mittagspause war eigentlich schon zu Ende. Zuhause warteten mindestens 25m frische Faxe, die meisten sicherlich wieder von neuen Mitgliedern, die unbedingt die Liste mit den anderen Fax-Friends haben wollten und daher nachfragten, ob ihr Unkostenbeitrag eingegangen war. In der Firma saß James und hoffte, dass ich pünktlich zurückkommen würde, weil ich ihm verraten hatte, dass ein regionaler Radiosender für ein kurzes Radio-Interview anrufen würde. Überstunden waren nicht drin, denn in einer Spätsendung würde ein anderer Sender ein weiteres Interview übers Telefon machen und am nächsten Tag wollte eine Frau von EinsLive vorbeikommen, also musste ich auch noch die Wohnung aufräumen, bis auf die Faxlawine, die abends oft schon fast die Wendeltreppe erreichte, bis ich die Thermoschlange zerteilte.

Die Faxclub-Zeitung hatte von Anfang an eingeschlagen wie eine Bombe, aber seit die Medien auf den Club aufmerksam geworden waren, fraß die Orga meine ganze Freizeit. Und dann war da immer dieser Mist mit dem Auszugsdrucker.

Schneematsch und Nieselregen in viel zu leichten Schuhen und einer sich bereits ankündigenden Grippe. Keine Kontoauszüge. Deswegen ist es dann wohl auch passiert. Drei Straßen weiter genau hinter meinem Zufallsparkplatz war ein Telekomladen, und die hatten keine Mittagspause. Dafür aber ich ein paar Minuten später ein funkelnagelneues lächerlich kleines BTX-Gerät namens Multikom S1, das es mir ermöglichen würde, zukünftig vom heimischen Schreibtisch aus jederzeit ins Clubkonto zu gucken.

Abends den kleinen Kasten an die Faxleitung anschließen, anmelden. Drin. DFÜ mit 9600 Baud. Banking-Demo anschauen, sich anmelden und ein Forum finden. Stundenlang lesen. Einen Bekannten fragen, was außerdem noch geht. IRC. Furchtbar spannend, weil so viel darüber gelesen! Einmal reingeschaut und ohne jede Verzögerung vom Channel-OP mit einem fetten Spruch wieder rückwärts zur Tür rausgeworfen, weil ich nur ein scheißdoofer BTX-User war - meine Kennung verriet der selbsternannten Internet-Elite ja sofort, dass ich Zugangs-Lepra hatte.

So war das, an diesem Abend vor 10 Jahren, als ich zum ersten Mal von zu Hause aus online ging. Technisch haben wir diese Zeit weit hinter uns gelassen, menschlich wohl eher nicht (möchte jemand ein Karma-Bonbon? Vielleicht kann ich die ja in die pMachine einbauen).

Es dauerte dann noch ein Jahr, bis ich den Faxclub aufgab, weil klar wurde, dass bald alle E-Mail haben würden, die jetzt noch faxten. Ein Jahr, in dem ich zum ersten Mal online jobbte, einen Roman schrieb, zwei Verlage fand, rund dreißig Interviews gab, einmal im Fernsehen war, fast ein Bein verlor, jeden Abend online ging, monatlich die magische 600er-Grenze bei der Telekomrechnung ausreizte und dann eines Tages ein Päckchen in der Post hatte, das ich nicht bestellt hatte: Ein Modem.

Ohne zu wissen, dass ich mich an einem Literaturwettbewerb beteiligte, hatte ich den »Forenbeitrag des Monats« gewonnen und besaß nun ein Modem. Zuerst noch keinen PC, aber ein damals höllisch schnelles 28.800er Creatix. Ich kaufte mir ein wenig später den passenden Computer, wechselte zu einem regionalen Provider, beta-testete nebenbei AOL und als klar war, wann mein Buch erscheinen würde, beschloss ich, mir eine kleine Website basteln. Nur eine ganz kleine.

Das alles wusste ich aber noch nicht, als ich zum ersten Mal vom Bett aus online ging. Heute vor 10 Jahren. Tja. Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich es bedaure -  mal schauen, was die nächsten Jahrzehnte bringen.

Samstag, 13. November 2004 um 11:18 PM
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Damals war ich weit davon entfernt, den PC meines Vaters auch nur in irgendeiner Weise zu nutzen ;)

Jetzt beneidet er mich um meinen Laptop… ;)

Anna  am  14. November 2004

ähm, aber… 1994 kann doch unmöglich 10 Jahre her sein, oder? oder kann es? 8-}

anyway, gratuliere zu 10 Jahren “on”! Ich war ja damals noch mit einem 1200er Modem im Fidonet unterwegs :)

Chronistin  am  14. November 2004

Anna: ich weiß noch, wie ich dich minderjährig zur eigenen Domain angestiftet hab :-) wir kennen uns 7 Jahre, oder?

Chronistin: Nach diesem Beweis, dass du wach bist, wollte ich kurz anrufen und fragen, was dein Bein macht - hoffentlich war das nun doch nicht ähm ...

Ja, zehn Jahre ist das her. Fidonet, hach ja. Ich gratulier zurück, bei dir ist es ja auch nicht weniger :-))

Melody  am  14. November 2004

Keine Sorge, ich bin nur woanders :) Das Bein heilt vor sich hin. gut Hatsch braucht Weile :) - gut, dass es das Netz gibt.

Chronistin  am  14. November 2004

ja. gut ist das.
:)
schlaf gut und grüße an lucas!

edit next morning:

oha ... ich glaube, ich sollte mal dazuschreiben, dass es sich keinesfalls um einen sentimentalen rückblick auf die guten alten zeiten handelt, als in meinem leben noch so richtig die post abging. vor dieser phase waren andere dinge sehr bewegend, seit der homepage ergibt sich ständig was neues und ich werde mal in 25 oder 30 jahren gemütlich zurückschauen.

wenn der eindruck entsteht, bei mir tut sich nicht viel, nur weil ich nicht bei jedem projektchen ein lautes gackern absondere und mich beloben lasse, muss ich meine strategien wohl mal überdenken.

oder eben gerade nicht :)

Melody  am  14. November 2004

Sind das echt schon sieben Jahre?

Könnte hinhauen, ja…

Du hast mich ja überhaupt erstmal zum Diary angestiftet, das mit der Domain kam dann ja erst!

Anna  am  14. November 2004

Ich hab gar keinen angestiftet, ihr wolltet alle selbst :)

Melody  am  14. November 2004

Nana, mich hast du auch angestiftet *g*. Aber natürlich wollte ich auch. Das schließt sich ja nicht aus.

Ingi  am  14. November 2004

Naja, du hast den Stein eben zum rollen gebracht ;)

Anna  am  15. November 2004

War ja keine Kunst. Damals, als man noch was können musste, um eine Website zu beschreiben, es keine 400 privaten Webseiten gab, die man auch kannte und dafür jeder jeden im virtuellen Dorf :-)

Melody  am  15. November 2004

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Auch, wenn Du ein Greenhorn bist (und gemessen an meinem 20. Jubiläum im kommenden Jahr) auch zeitlebens bleiben wirst ;-)
Aber die Zeit damals war wirklich eine Goldene. Neugierig durchsuchte man jede Woche web.de nach neuen Einträgen in der eigenen Heimatstadt, klickte mit fiebrigen Fingern auf die Links und war erstaunt, was im Pleistozän des Webdesigns schon alles erfunden war, um ein “will ich auch” röchelnd gierig den HTML-Quelltext zu verschlingen.
Aus Kostengründen hatte ich damals noch XPoint und hab meine Mails meistens über einen Zerberus-Account gelesen: Bei Fido hätte der Zugang zum Internet-Gateway Geld gekostet und per waren die Päckchen nicht so schön gezippt klein…

VolkerK  am  15. November 2004

Lies doch bitte richtig :-)) Da war ich von ZUHAUSE aus online. Nicht zum ersten Mal, ich habe schon lange an einer Sun Workstation online gearbeitet zu dem Zeitpunkt ;-)

Und nie werde ich den Tag vergessen, an dem ich versehentlich Webzugang in der Firma erhielt und es drei Jahre lang niemand merkte. Hehehe.

Melody  am  15. November 2004

Ah, das macht natürlich einen Unterschied. Ich hatte dafür 1985 die Gelegenheit, den Datex-P-Zugang meines späteren Arbeitgebers .... am Ende doch nicht geknackt zu kriegen ;-) Bei mir war’s also genau umgekehrt.

VolkerK  am  15. November 2004

Am witzigsten finde ich Cinema-DOS. Wenn in einem Film Computer vorkamen und die hatten immer diese 12 cm hohen ICONS und Mails wurden brutal bildlich dargestellt durch faustgroße hereinschwebende briefumschläge, die dann auch noch plärrten “sie haben mail”. aber das war schon in den 90ern ...

Sandra Bullock in The Net schickt eine Diskette mit einer Datei per Federal Express, während sie mit dem Empfänger chattet :-D

Melody  am  15. November 2004

Damals (The Net) war der Kurierdienst wohl auch der schnellere Weg, große Dateien zu verschicken.
Krass ist auch der Flugsimulator, mit dem das Mädchen in Jurassic Parc eine Datei sucht. Geradezu eine mete-metaphorische Potenzierung aller GUIs aller früheren und kommenden Zeiten.
Was mir bis heute keiner erklären konnte: Welche Kompressionverfahren verwenden die Systeme in War Games? Die haben die Landkarten etc. auf dem PC des Knaben fast in Echtzeit dargestellt - und das mit einem 300 Baud-Akustikkoppler ;-)

VolkerK  am  17. November 2004

Das war ein vom Kern her aufgebohrtes Solitaire, denke ich.

Melody  am  17. November 2004
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