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Was ich kurz mal sagen wollte. « | » Erwartungshaltungen.

Blogging down Memory Lane

Ein Telefonat und ein Trigger, die Überlegung, ob Kinder Computer brauchen … und da war ich wieder mit meiner sehr großen und noch schwereren elektrischen Schreibmaschine. Tippte Seite um Seite und heftete alles in einen großen DinA4-Ordner ab. Lyrik, Geschichten, gehässige Nachbarschaftsreports, Liebeskummer, Tagesbilanzen, Klagen über die Eltern und den blöden Bruder, seitenweise Überlegungen, was und wer man denn nun werden will und warum ausgerechnet meine Eltern das niemals von mir wissen wollten.

Als ich 12 war, sagte mein Vater im Scherz zu mir: »Du kannst hier wohnen, bis du 18 bist, danach musst du selbst schauen, wie du klarkommst.«

War es ein Scherz?

Er selbst hat schon im Alter von 6 Jahren eigenes Geld verdient. Nicht dass er eine Wahl gehabt hätte. Ich war 12, und ich bekam Angst. Nur noch sechs Jahre, und ich würde alleine klarkommen müssen. Was macht man da? Keine Ahnung, was andere machen. Ich jedenfalls begann, meinen Auszug systematisch vorzubereiten. Als erstes suchte und fand ich einen Job.

Vom Verkauf vollbusiger Krippenfiguren mag man eventuell irgendwo leben können, in einer emsländischen Kleinstadt sorgen sie für Aufruhr. Salzteigpuppen füllten mein Sparbuch schon eher, Tonfiguren (sehr gefragt war meine “kniende Geisha”), und später konnte und durfte ich auch babysitten. Ich sparte eisern. Noch vier Jahre.

Einmal wurde ich schwach und kaufte mir von einem Teil des Geldes einen Rattan-Schaukelstuhl. Das setzte eine verhängnisvolle Kopflawine in Gang, denn man konnte ja nicht nur Geld auf Vorrat stapeln, sondern auch Geschirr, Wäsche … und IKEA-Möbel.

Ich erkundigte mich unauffällig, was eine Dame im Alltag so an Glaswaren benötigen würde und erhielt zur Antwort, dass man 12 brauche. Zwölf? Zwölf Teile von allem für eine gedeckte Tafel. Das fand ich nicht weniger kryptisch als die Zahl allein stehend, aber es hielt mich nicht davon ab, erst mal 12 tiefe Teller zu kaufen. Ich hatte Erwachsene gefragt, und die mussten es wissen. Also auch noch 12 hohe Beilagenteller. Und 12 flache Teller. Und 12 kleine flache. Und 12 große flache. Und 12 flache Dessertschalen, und 12 tiefe Dessertschalen, und 12 kleine Salatschüsseln, 12 mittelgroße und leider auch 12 große (anfangs).

Immer, wenn ich Geld hatte, kaufte ich ein. 12 Tassen mit Untertasse, 12 große Wassergläser. Noch 3 Jahre. 4 mittelgroße Servierplatten, 4 große, 4 ganz große. Weingläser wollte ich nicht, Wein schmeckte mir fies.

Ich weiß, dass unsere Bekannten und Freunde jetzt lachend auf den Tasten liegen, denn sie werden unschwer erraten haben, dass wir immer noch mit und von dieser jugendlichen Anschaffung leben, der Vorrat an diesem schlichtschönen Glasgeschirr ist unerschöpflich und wird mich lebenslang daran erinnern, Erwachsenen nicht grundsätzlich zu glauben. (Ich besitze auch anderes Geschirr, aber das ist teils eingelagert, teils wegverstaut. Das Glas gefällt mir immer noch.)

Natürlich war die Hölle los, als ich kurz nach 18 dann pünktlich wie geplant und vorbereitet auszog. Wie es anderen Leuten geht, weiß ich nicht, aber wenn mein Kind sich freiwillig tonnenweise Haushaltswaren kauft, Zusatzmöbel in den Ecken stapelt und mit dem frischen Führerschein gleich am ersten Tag zu IKEA fährt, hätte mich das zumindest nicht mehr sehr überrascht. Meine Eltern aber waren völlig verblüfft und meine Mutter auch alles andere als erfreut.

Mindestens 20 vollgetippte DinA4-Seiten in diesem alten Ordner müssen davon gehandelt haben. Ich frage mich, wo der wohl ist.

Ach ja: Ob Kinder wirklich eigene Computer brauchen, kommt sehr auf das Kind an.

Was Kinder jedoch auf keinen Fall brauchen, sind dumme Scherze über wichtige Dinge, die sie nicht einschätzen können.

Montag, 27. September 2004 um 04:48 PM
diary styleLinkDrucken

Wie immer die Frage nach dem Anteil Autobiographie ... ;-)

Davon ab: eine einfache Nachfrage innerhalb der sechs Jahre hätte wohl gereicht, oder?

p.s.: sechs, von allem. Gläser ausgenommen.

Weltentummler  am  27. September 2004

Das ist autobiographisch.

Und fragen kannst du als Kind nur, wenn du weißt, dass etwas unklar ist. Ich hatte in unserem Haus mit Haushaltstätigkeiten nie etwas zu tun ... und wenn ich einmal ein Ziel habe, ziehe ich das durch :-)

Melody  am  27. September 2004

du erstaunst mich immer wieder :o))

damaris  am  27. September 2004

Hut ab vor Ihnen!!
Hat Papa seine Lektion gelernt?

zyme  am  27. September 2004

Ich wünsche dir, dass du den Ordner wieder findest.
Ich habe vor nicht allzu langer Zeit mein Tagebuch (handgeschrieben) aus jener Zeit wieder gefunden. Auch ohne derartige Existenzängste frage ich mich heute, wie ich diese Zeit überstanden habe ...

Angel  am  27. September 2004

Zyme: Ich glaube nicht, dass mein Vater das je wirklich gesehen hat, wie das für eine 12jährige (und wir waren viel jünger als die 12jährigen heute) so war. Macht aber auch nix.

Schon komisch manchmal, da schreibt man einfach mal so in 8 Minuten was runter und hat eine stärkere Resonanz als bei netten, aufwändigen Anstrengungen.

Angel: Die Tagebücher hab ich alle. Nur meine AKTEN .... wo sind die? *g* Übrigens habe ich nicht ein einziges Stück Besteck gekauft. Daran habe ich überhaupt nicht gedacht, und das Geschirr hatte ich mit 14 dann auch voll - etwas älter hätte ich die Mengen sicherlich hinterfragt.

Aber hey - es ist nur eine Geschichte. Sie ist zufällig wahr. Aber doch nur eine Geschichte :)

Melody  am  27. September 2004

im grunde hast du dich damit verhalten wie eine frau alter schule, die auch schon früh auf ihre aussteuer sparte… ich muss da an meine oma denken. aber hut ab, dass du das so konsequent durchgezogen hast…

limone  am  27. September 2004

ich hab übrigens alles nur 6-fach (zzgl. 2-3 reservestücken, falls mal was kaputt geht)... mir wurde gesagt, 6 reiche. wird gut sein, sonst wüsste ich gar nicht mehr, wohin mit dem ganzen zeug, ist jetzt schon ein problem. ;-)

limone  am  27. September 2004

Mich würde mal interessieren, ob Dein Vater sich noch an seine Äußerung erinnern kann und wie er heute darüber denkt.

Auch, wenn es nur eine Geschichte ist - es ist eine tolle GEschichte. Respekt!

Akki  am  27. September 2004

Akki: Mein Vater würde vermutlich denken, dass ich ihm einen Vorwurf mache, wenn ich ihn das fragen würde. Aber es ist kein Vorwurf, denn ich kann nicht sagen, dass ich darunter GELITTEN habe.

Ich hatte kurz Angst. Überlegte mir eine Lösung, die mir im Alter von 12 Jahren plausibel erschien: Vorbereitet sein. Jetzt habe ich immer noch drei Dutzend Teller und Schüsseln, die gut zu allem passen im Alltag. Es ist keine Geschichte der Aufarbeitung eines frühkindlichen Traumas, es ist einfach nur eine Facette von vielen.

Jedes Kind hat Sätze erlebt, die sich ihm unauslöschlich einbrannten. Jedes.

Melody  am  28. September 2004

Ich hab Jahre lang daran geglaubt, dass man einen Hasen fangen kann, wenn man ihm Pfeffer auf den Schwanz streut. Andere Sachen hab ich dann für meine ersten Kurzgeschichten glücklicherweise recherchiert. Ich bin dann mit 19 quais und mit 22 völlig ausgezogen; Geschirr hatte mein Mutter gesammelt. Angeblich für mich, aber sie ist Oberschlesierin - Menschen, die nicht aus dieser Gegend stammen und nur halb soviel Krempel sammeln, werden zwangsläufig zum Messie. Oberschlesier haben, wenn was kauputt geht, immer noch eins oder zwei im Keller.

VolkerK  am  28. September 2004

Hasen kann man fangen indem man ihen Pfeffer auf den Schwanz streut…...LOL greez to Nise….

Hp_Pfefferhase  am  22. November 2005

hallo volker…
also ich glaube sowohl salz und pfeffer ist möglich… sollen wir uns darauf einigen?

Gisela, Kern  am  22. November 2005
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