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Jetzt reicht' s « | » Immer noch "under construction"

Geschichten von Engeln

Bitte nicht lesen, wenn schwanger.

Zurzeit teilt man uns mehrmals täglich mit, dass unser Leben bald eine Hölle aus Schlaflosigkeit garniert mit verkackten Windeln und fehlendem Tagesrhythmus sein wird. Ganz so schlimm kann diese Sache mit dem Kinderkriegen aber trotzdem nicht sein, denn da ist auch noch dieser Glanz: Das Strahlen in den Gesichtern von Menschen mit Kindern, wenn sie den Babybauch begutachten und sich spontan freuen.

Jeder weiß, dass es anstrengend wird. Jeder kennt auch schlimme Geschichten über tote Kinder und erzählt die bereitwillig, unaufgefordert und vor allem unaufhaltsam.

Von Alexander, der 24 Stunden vor seiner Geburt an einem Plazenta-Infarkt verstarb. Von Miri, die nur 10 Minuten lebte und keiner weiß, warum. Von Zwillingsschwangerschaften, bei denen unterwegs eines der Kinder Abschied nehmen musste. Von Vierlingen, bei denen die Mutter entscheiden musste, welches der Babys zur Risikominderung ‘reduziert’ werden musste. Abtreibungen, immer mit ausführlicher Begründung. Kinder, die so krank waren, dass ihre Eltern sie schon in frühen Schwangerschaftsmonaten gehen lassen mussten, wiederholte Fehlgeburten, Geschichten von kerngesunden Babys, die dann plötzlich tot in der Wiege liegen, von eigenen und fremden Risikoschwangerschaften mit allen Komplikationen.

Alle brennen darauf, ihre Erzählungen mit sämtlichen interessanten Details loszuwerden. Jetzt. Nicht trotz, sondern weil ich schwanger bin.

Selbst Menschen, denen ich das Selbstverständliche trotzdem noch ins Gesicht sage: Damit belastet man eine Schwangere nicht, hör auf, mir das zu erzählen. Auch diese Personen, die mir darin natürlich dann sofort zustimmen, berichten fünf Minuten später wieder von der Nachbarin Sowieso, die ja leider durch drei Totgeburten musste. Bevor dann alles ‘doch noch gut ausging’, sprich: Ein funktionierendes Kind alles ‘gutmachte’.

Der übelste Kommentar zu dem Thema: ‘Wer weiß, ob das Baby XY überhaupt ein guter Mensch geworden wäre.’ Hauptsache irgendwas gelabert und sich darauf verlassen, dass einem als erwachsenem Hohlkörper die Existenzberechtigung nicht so schnell abgesprochen wird, auch wenn man sich nur in den eigenen mittelprächtigen Sprachausscheidungen wälzt.

So simpel ist die Welt für manche. So gnadenlos flach der Horizont.

Ich schwanke zwischen Entsetzen & Ekel und … irgendwas Undefinierbarem. Mitleid spielt auch eine Rolle.

Einige dieser Geschichten kommen aber nicht durch ein missgebildetes Mitteilungsbedürfnis zu mir. Sie fließen aus jemandem heraus, dem es hilft, sie endlich zu erzählen.

Eine aufdringliche Nachbarin, die ausgerechnet jetzt gynäkologische Details der Fehlgeburten ihrer Cousinen und ihrer eigenen schwierigen Schwangerschaften bei mir abladen will, ist für mich etwas völlig anderes als ein Vater, der sein Kinderzimmer wieder abbauen musste, bevor die Frau aus der Klinik kam, die gerade ein voll ausgewachsenes totes Baby zur Welt gebracht hat und der zum ersten Mal darüber spricht.

Ihn kann ich nicht einfach wegklicken, von ihm weggehen oder um Schweigen bitten. Das schaffe ich nicht. Nicht, wenn ich spüre, dass Zuhören wirklich hilft. Es ist so selten, dass man auch nur einen Hauch helfen kann bei solchen Dingen.

Der Preis ist hoch.

Jeden Morgen wache ich auf und frage mich, ob ich es merken würde, wenn das Baby in meinem Bauch nur noch kaltes Fleisch wäre.

Dann beruhige ich mich wieder. Es ist normal, dass meine Nerven auf der Zielgeraden schlechter werden. Trotzdem werde ich mir keine solchen Geschichten mehr anhören, Mails dazu nicht beantworten und mich aus Gesprächen verabschieden, die auf dieses gestalterische Element nicht verzichten können.

Der fremde Schmerz (auch der erzählte) reißt mir das Herz mitten durch, ich schaffe es einfach nicht, mich so weit wie nötig dagegen abzuschotten. Es geht nicht, dass ich jeden Tag in Tränen aufgelöst verbringe, ich brauche die Kraft.

Uns geht es gut. Es gibt Dinge zu klären, Entscheidungen zu treffen. Aber uns geht es gut. Wir warten auf die schlaflosen Nächte, auf die Kacke, die allgegenwärtige Spucke.

Und auf den Glanz.

Sonntag, 30. September 2007 um 10:05 AM
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P.S.
Nein, ich finde es nicht spannend oder gar beruhigend, dass irgendwo ein 300-Gramm-Baby geboren wurde und bisher überlebt hat und es ist nicht nötig, mir davon zu erzählen, das haben schon fünf andere an diesem Wochenende versucht.

Unser Babymädchen ist inzwischen längst schwer genug, außerdem haben alle diese fremden Geschichten nichts mit uns zu tun.

melody  am  30. September 2007

Ich kann Dich so gut verstehen.

Silke  am  30. September 2007

und ich hab es doch gelesen…mir geht es da genauso und ich frage mich auch, warum erzählen sie es mir jetzt gerade. Ich bin sonst auch ein sehr einfühlsamer Mensch, aber ich höre mir das jetzt nicht mehr an. Ich freue mich tierisch, wenn unser Kleiner mir in den Bauch tritt und mir sagt, dass er da ist und dass es ihm gut geht. Aber…auch ich habe mir in den letzten Tagen die Frage gestellt, ob ich es merken würde, wenn etwas nicht stimmen würde. Wahrscheinlich nicht und wahrscheinlich muss man gewisse Dinge in andere Hände geben. Interessant finde ich auch, dass diese Gedanken gerade auf der Zielgerade wieder so intensiv werden. Ich war die letzten Wochen echt gelassener.
In diesem Sinne einen wunderschönen gelassenen Tag!
Sanne

sanne  am  30. September 2007

Hab ich jemals von Dir einen solch gefühlsmäßigen Eintrag von Dir gelesen, der so viel von Deiner Gefühlswelt preisgibt? Ich lese viel Angst heraus.
Musst Du nicht haben! Fast möchte man Dir wünschen, dass der Tag der Tage bald da ist und Du Deine Sorgen hinter Dir lassen kannst. Es wird alles gut gehen, ob nun mit oder ohne Kaiserschnitt. Krame Deine Gelassenheit aus der untersten Schublade und mach Dich bitte, bitte nicht verrückt. Ich habe drei Kinder bekommen und keine Schwangerschaft und Geburt ist wie die andere - bereits da ist alles so individuell wie der kleine Mensch, der da auf die Welt kommt.
Und fahr den Leuten übers Maul wenn sie Dir Dinge erzählen, die Du nicht hören möchtest.

Conny  am  30. September 2007

Natürlich habe ich es trotzdem gelesen. *seufz*
Und ich freue mich, dass es Euch gut geht.
Und ich versichere Dir, dass auch schlaflose Näche, vollgekacktes Kindergwand und Spuckerei ohne Ende irgendwann irgendwie glänzen.
Ich bin gespannt und freue mich für Euch - die Zielgerade ist spannend und anstrengend und einmalig. Geniesse die Zeit! :-)

Lydia  am  30. September 2007

Ohoh.

Hat man einen eingegipsten Fuß, hört man garantiert mehrfach von amputierten Beinen, weggefaulten Zehen oder ewiger Beinsteifigkeit nach einem einfachen Bruch. “Sie mit Ihrem Bruch haben es ja sooooo gut. Mein Schwager, den hat es vielleicht erwischt, als er in der Nordkurve umgenickt ist…” Das steckt man weg, weil man emotional ja nicht so durchgeschüttelt ist wie in einer Schwangerschaft.

Und außerdem geht es nur um einen Fuß und nicht um ein Menschlein, für das man Verantwortung trägt, das man jetzt schon mehr liebt als das eigene Leben und auf das man so neugierig ist, weil es alles durcheinanderwirbeln und um unendliche Nuancen bereichen wird.

Holger hatte am Ende der Schwangerschaften nur einen Wunsch: “Ich möchte Euch beide gesund mit nach Hause nehmen.”

Ich weiß nicht, welche Horrorgeschichten er gehört hatte, ich hatte genug zu Ohren und Augen bekommen.

Aber lass das nicht zu nah an Dich ran. Das macht einen nur unnötig fertig, schließlich hat man die wildesten Gedankengänge auch ohne Phantasieanreger durch andere Leute.

Euch werden die vollen Windeln bald bis zur Unterkante Oberkiefer stehen und dennoch werdet Ihr jede einzelne mit Wonne vom Babypopo abfummeln!  Das wird soooooo toll! Freut Euch drauf!

tanja  am  30. September 2007

Es wird ganz bestimmt alles gut!
Ihr drei habt die Höhen und Tiefen der letzten Monate zusammen überstanden, das Mädel ist noch drin und die letzten Tage oder Wochen kriegt ihr schon noch gut rum.
Lass dir keine Panik machen, sondern geh davon aus, dass einfach alles gut wird.
Ich drücke euch die Daumen,

Nette Grüße, Britta

the-sun  am  30. September 2007

Ich glaube, es gibt kaum eine werdende Mutter, die diese Ängste nicht kennt, auch ohne dass ihr Gruselgeschichten erzählt werden.

Auf alle Fälle sind volle Windeln und mal eine etwas schlafverkürzte Nacht nichts, aber auch rein gar nichts gegen die Freude, das Glück, die Wonne, die ein Kind dir gibt.
Du hast Recht, dich nicht verrückt machen zu lassen, denn: ihr seid einzigartig. Und genau so einzigartig wird alles werden.
Sei gedrückt, wieder nicht zu dolle :-)

Martina  am  30. September 2007

Es gibt Dinge, die gehören sich einfach nicht! Gibt es keine Erzeihung mehr in die Richtung, schwangere Frauen an der Supermarktkasse vorzulassen und ihnen *mindestens* ein Lächeln abzuringen? Ach - meist wissen die noch nicht, wie sehr eine neue Liebe ihr Leben bestimmen wird!

chatts  am  30. September 2007

Ein Mal - ein einziges Mal - habe ich es in der letzten Schwangerschaft tatsächlich fertiggebracht, jemanden, der mit solchen Geschichten um die Ecke kam zu fragen, ob er einem Krebskranken auch die jeweilige Rückfallrate samt Lebenserwartung berechnen und unter die Nase reiben würde. Da hat man den Groschen tatsächlich fast fallen gehört…

Ute  am  30. September 2007

Furchtbar… Ich erinnere mich noch gut an die Zeit!

Aber glaub mir: Alles wird gut!
Und spätestens (aller-aller-spätestens) dann, wenn Dein Babymädchen zu Dir sagt “ich hab Dich auch lieb, Mama” dann… ;-)

LG
Martina

Martina  am  30. September 2007

Ja, das machen die, die Leute. Ich habe es auch gehasst. Aber du hast es bald geschafft und dann gibt es nur noch Windelnbabykotzeglücklichsein!

Karin  am  30. September 2007

Das Schlimme ist die Realität daran. Leben und Tod sind einfach viel zu eng miteinander verknüpft.

Ansonsten denke ich, würde ich nach der ersten schrägen Geschichte, die ich nicht brauche in diesem schönen Zustand, nur noch aggressiv rumbläken, damit sie auch ja schön merken, was für’n Sch … sie gerade bauen. Das ist doch das Schöne am Schwangersein – man kann alles so schön auf die Hormone schieben. ;-)

creezy  am  30. September 2007

Ich würde mich jeden Tag auf das bestehende Geburt freuen und es mir ausmalen, wie schön es sein wird, einem kleinen Mädchen hübsche Kleider zu kaufen, zusehen wie es wächst. Ich hatte viel Spaß daran für Babys meiner Freundinnen hübsche Kleidchen auszusuchen und zu kaufen. Meistens waren sie im victorianischen Blümchen Stil. Ich erinnenre mich noch wie eine Freundin besorgt bemerkte, dass ihre kleine Tochter mehr und mehr zu einer Anziehpuppe für mich wird:-))aber, Spaß hat es ihr doch bereitet. Diese Horror storys nehmen dir die Freude. Höre nicht zu!

Gwen  am  30. September 2007

Ach Carola,


Du warst und bist doch die gelassenste Schwangere der Welt.

Vielleicht darf ich dich daran erinnern, was du eigentlich glasklar weißt: Mit dem Babymädchen wird alles gutgehen. Mir ist unser Gespräch in der alten Mühle im Wendland noch gut in Erinnerung, deine felsenfeste Zuversicht und das tiefe Vertrauen. Vergiss es nicht!
Dieses Kind will euch geboren werden, es hat sich dich und Oliver als Eltern ausgewählt und dabei alle Widerstände locker überwunden. Dieses Kind ist schon vor der Geburt ein Wunderkind und wird jetzt nicht auf den letzten Metern Schwächen zeigen. Alles wird gut, ich weiß es ganz genau.


Ganz herzliche Grüße

Britta

Britta Janzen  am  01. Oktober 2007

einfach nur (( ))

Tina  am  01. Oktober 2007

Diese Geschichten sind natürlich schlimm, aber sie haben nichts mit dir zu tun. Vor allen Dingen furchtbar ist, dass es sich doch fast immer um mit voyeuristischem Eifer erzählte Geschichten handelt, die andere erlebt haben. Denn mit dem eigenen Schmerz geht man nicht so hausieren.

Liebe Carola, die Welt ist voller Idioten, die man aus Selbstschutz einfach vor die Pumpe laufen lassen sollte. Konzentriere dich auf die schöne Zeit, die vor euch dreien als Familie liegt und auf die vielen tollen Dinge, die ihr mit der Kleinen erleben werdet.

Marion  am  02. Oktober 2007

Ich danke euch. Irgendwie war der ganze Stress mit der Langzeit-Baustelle, den ständigen Arztterminen und obendrein den enttäuschenden Klinikterminen zu viel für mich - meine Nerven waren irgendwann nur noch papierdünn und diese ganzen Geschichten waren einfach nicht das, was ich auch noch brauchen konnte.

Nun haben wir etwas mehr Platz und ein Ende dieser Baustellenphase ist in Sicht, ich habe geschlafen wie im Koma und wenn jetzt jemand anfängt, sich mit solchen Erzählungen wichtig zu machen, werde ich einfach nur noch laut und wehre ab. (Reaktion: Eingeschnappt, beleidigt - na und?! Ich hör mir das nun nicht mehr an.)

Hormone sind echt die Hölle :-)

melody  am  02. Oktober 2007

Liebe Carola,
es gibt Zeiten im Leben, da fliegen einen solche Geschichten zu. Ich glaube das weißt du.
Ich war sehr angetan: vom Mann, der betroffen ist. Der das Kinderzimmer abbauen musste. Ich bin sehr angewiedert, von denen die nur aus Sensationsgeilheit drüber reden.
Und ich wurde sehr traurig und still, als ich in den vielen der Kommentare lesen musste: “Horrogeschichten, Gruselgeschichten”. Schön wäre es, wenn es Geschichten wäre. Leider ist es die eine Seite der Realität. Die Betroffen sind, erfahren kaum Hilfe. Außer, dass man sie als krank hinstellt, wenn sie nach 6 Wochen nicht wieder funktionieren. Sie bewegen sich in einer Grauzone, in einem Schweigegebot. ESgibt wenig ehrliche Worte. Wenig zu hören. Wenig Verständnis. Und sie - ich musste das - haben viel Kraft aufzuwenden sich gegen das für die Gesellschaft, ihr Umfeld einfachste nicht einzulassen:
Nicht normal zu sein, krank zu sein.
Und dennoch habe ich das Gefühl, das es richtig ist, dir einen Ausschnitt aus meiner Geschichte gemailt zu haben.
Es ist schön bei dir zu lesen. So klar. So offen. So ehrlich. Hoffentlicht passt du noch ne Weile vor den PC und wirst am Baustellenimprovisieren nicht dünnhäutig gerieben.

Viola  am  07. Oktober 2007
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