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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Mittwoch, 18. April 2018

Frühling und so

Auf der Bank vor meinem Haus sitzen Menschen und quatschen gemütlich. Bis an mein Lebensende werde ich mich daran erinnern, welche Slapstick Comedy die aktuellen Nebennachbarn aufgeführt haben, als ich mich zum ersten Mal auf eine solche Bank setzte (kurz nach dem Kaiserschnitt):

“Sie” presste aufgeregt eine Faust in ihren weit aufgerissenen Mund, dort am Fenster im ersten Stock, und winkte windmühlenartig eiligst mit dem anderen Arm “ihn” herbei, woraufhin beide vorgebeugt runterglotzten und hemmungslos die dicke Dame bestaunten, während sie aufgeregt miteinander sprachen, glotzten, sprachen und schließlich Kaffee tranken. Dort am Fenster.

So schön ist kein Drehbuch.

# 18. April 2018 um 09:43 AM
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Montag, 05. März 2018

Soap Operas, RL

Ich stehe im Drogeriemarkt (real life) und überlege, ob ich die Hausmarke für trockene Haut, reife Haut, sehr reife Haut, Champagnerperlen-irgendwas oder Wüste Gobi nehme, verflixte Heizungsluft.
Neben mir zwei männliche hydrantengroße Teenager im Stimmbruch, die ich ignoriere. Weil sie so laut sprechen wie Menschen, die möchten, dass man mithört.
Dann eine Stimme auf 158cm Barthöhe (seine): “Entschuldigen Sie bitte, hätten Sie vielleicht 93 Cent für mich?”
Ich, ohne hinzusehen: “Wofür?”
Er: “Es ist für diese Pickelcreme da. Die brauche ich.”
Ich, einmal hingesehen: “Stimmt. Moment.”
Ich reiche ihm zwei Euro.
Er fragt, ob ich den Euro und die 6 Cent haben will. Ich sage nein und greife beherzt zu einem Mix aus allen Feuchtigkeitscremes unter 4 Euro, am besten nehme ich alle auf einmal oder nacheinander, bis ich eine habe, die mir gefällt (verflixte Heizungsluft).
Er dankt und geht zur Kasse. Sehr angenehmer Transfer, von der Sinnhaftigkeit mal abgesehen.
Später höre ich, wie er dem Kumpel darüber klagt, dass die Nasenstreifen für 89 Cent nicht auf Lager sind. Dafür hätte er doch jetzt sogar noch Geld.
Ich erkläre im Vorbeigehen, dass Akne sich aus den Faktoren Bakterien, schlechte Abschuppung und zu viel Talg zusammensetzt und ein Waschpeeling auch geht.
Er checkt das mal mit Wiki, nickte aber so weit. Wie gesagt, angenehmer Transfer.
Draußen ist es zu mild und das Kind ist in den acht Minuten meiner Abwesenheit so alt geworden, dass sie es empörend findet, wenn man ihr Duschgel kauft: “Ich stinke nicht!”

# 05. März 2018 um 07:58 PM
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Mittwoch, 06. Dezember 2017

Malermitleid

Ich: Du musst zum Baumarkt. Der Maler versteht mich nicht. Er soll das Duschbad gar nicht streichen, aber er macht es trotzdem.
Der Mann: ...
Ich: Immerhin hat er verstanden, dass ich es nicht in Weiß haben möchte. Als ich sagte “Glitter”, hat er einen sehr verständnisvollen Blick aufgesetzt und milde gesagt “Ich kenne eine Frau, die das auch wollte.”
DM: ...
Ich: Deswegen kaufen wir jetzt eine dieser Schöner-Wohnen-Farben mit dem Namen “Waldnebel auf Drogen” oder so und werfen da den Glitter rein.
DM: ...
Ich: Da. Nebel im November, Feine Farben, Melancholisches Mittelgrau.
DM: *macht gurgelndes Geräusch
Ich: DAS DENKE ICH MIR NICHT AUS.
DM: * murmelt irgendwas wie “der fröhliche Fischverkäufer Frederick” im Tonfall (sein Zitat) der “Schwiegermutter gesucht Alliterationen” (und ich breche zusammen, weil er gleich noch ergänzt, dass es sich um eine neue Serienidee für RTL II handelt und anfängt mir zu erklären, dass man ja nie wirklich genug Schwiegermütter haben könne. Ich sehe das übrigens ein bisschen anders.)

Vielleicht war das Mitleid im Malerblick gar nicht für mich? Egal, da müssen wir jetzt alle durch.

# 06. Dezember 2017 um 08:26 AM
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Samstag, 23. September 2017

Was ich nachts um 3 Uhr ins Smartphone tippe

Die Liebe kommt nachts angeklettert und legt sich schwer auf deine Brust. Es ist unklar, ob sie durch Zuneigung oder Hunger angetrieben wird. Ob du nicht vielleicht einfach nur ein Ort bist, auf dem man herumliegen kann, wenn kein Fleckchen Herbstsonne zur Verfügung steht. Warm und weich legt sie sich ab und du kannst zuhören, wie dein zu schnell schlagendes Herz sich beruhigt. Seidenweich rammt sie die Erinnerung an tausend Nasenküsse und noch viel mehr Stupser zwischen deine Finger und schnurrt. Dicke Pfoten, die stets sehr sorgfältig darauf achten, dich niemals zu kratzen, öffnen und schließen sich genüsslich. Dann möchte die Liebe knapp außer Reichweite herumliegen und leicht vibrieren dabei. Das geht, denkst du, als hätte dich jemand gefragt. Und schläfst wieder ein.

# 23. September 2017 um 01:00 PM
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Donnerstag, 14. September 2017

Wünsch dir was (Geschichten vom Fee)

Der Fee hatte schon zweiundneunzig Jahre, sechs Wochen, drei Tage und neun Stunden nicht mehr geraucht. Diese zerdrückte Zigarette abzulehnen kam ihm trotzdem nicht in den Sinn. Vorsichtig nahm er sie aus den kurzen Fingerchen, an denen der halbe Waldspielplatz hing, und hängte sich den runden Schokoladenstreifen lässig in den Mundwinkel.

„Was machst du beruflich?“ nickte ihm das Mädchen in den gepunkteten Gummistiefeln zu. Sie war ungefähr zwanzig Jahre zu jung für diese beiläufige Frage, fand der Fee und runzelte die Stirn. Nur ganz leicht, die Entstehung von bleibenden Querfalten wollte er gerne vermeiden. Wahrscheinlich hatte sie Eltern, die ihr zu viel vorlasen. „Ich bin in der Erwartungsverwaltung tätig. Das heißt, ich erfülle Wünsche. Fast alles geht. Du kennst das Prinzip, von der Wunderlampe und aus Geschichten von anderen Feen. Allerdings können wir unseren Kunden aus organisatorischen Gründen schon lange keine drei pauschalen Wünsche mehr gewähren. Ab und zu bekommt ein besonderer Mensch einen. Das bist heute du.“

Es ist, so dachte er betrübt, leider auch sehr wichtig, dass du diesen Wunsch sofort verwendest. Noch bevor du heimgehst. Sonst wirst du eine Forderung äußern, die ich nicht erfüllen darf und danach niemals mehr an Magie glauben.

Die Kleine rammte sich den Daumen ins Nasenloch und überlegte. „Dann kann ich mir alles wünschen? Auch ein eigenes Eichhörnchen? Oder eine Badewanne voll Schleim mit Spinnen, die nicht ertrinken, sondern immer noch mehr grünen Schleim machen. Oder ein Fahrrad, das rückwärts fährt. Oder die ganzen langen Sommerferien bei Oma sein. Ja. Ja!“ Das runde kleine Gesicht leuchtete auf. „Geht das? Ein ganzer Sommer bei der Großmutter, bitte, bitte!“

Der Fee nickte traurig. „Das geht.“ Er beobachtete, wie das Kind nach Hause lief, erst jubelnd und dann langsamer angesichts der vielen Menschen vor der Tür.  Wie der Vater sie abfing, auf den Arm nahm und leise mit ihr sprach: Das kleine Mädchen in wilder Verzweiflung erst um sich schlagend, dann schluchzend.

Der Fee nahm einen tiefen Zug aus der Schokoladenzigarette, die daraufhin sofort aufglühte und einen Streifen Asche verlor. Er würde sich krankschreiben lassen und erst wieder zur Arbeit kommen, wenn eine idiotische Wunscherfüllung für pubertären Liebeskummer anlag.

# 14. September 2017 um 06:32 PM
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