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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

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Norderney

Samstag, 06. November 2004

Norderney

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# 06. November 2004 um 04:55 PM
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Delayed Messenging

Lieber Hausgast,
wie gewünscht haben wir dir für den Abreisetag einen Aal als Mitbringsel bestellt. Lieber morgens ein bisschen Stress mit dem Abholen, als vorher schon mit dem Ding zusammenwohnen. Ich sagte es schon: Die Blechtrommel hätte ich nicht lesen sollen, jedenfalls nicht schon in so jungem Alter. Dem Mann macht das nichts aus, der wird eher noch mitessen, aber ich halte mich da raus. Nur küssen würde ich ihn dann erst mal nicht, bis der Aal uns wieder verlassen hat.

Unsere Ferienwohnung liegt in der Innenstadt mit Fenstern zum Hinterhof und wir haben es ruhig, wachen aber trotzdem auch ohne Wecker jeweils zwischen 8 und 9 Uhr auf. Die erste und vielleicht einzige Anschaffung neben ein paar Postkarten und einem Teigquirl waren große Kaffeetassen, denn die kleinen machen mich ungeduldig. Es ist schön, einfach jeden Tag in Freizeitklamotten durchhängen zu können. Hätte es nicht für nervlich machbar gehalten, in einer Sporthose ins Restaurant zu gehen, aber es geht wunderbar (und wenn die meisten anderen Touristen in angetrunkenen Gruppen unterwegs sind, müsste man sich schon wesentlich mehr einfallen lassen, um unangenehm aufzufallen).

Wir vermissen unser Häuschen, wir vermissen die Katzen und freuen uns auf das Wiedersehen mit dir. Auch wenn es hier schön ist.

P.S.: Das Meer ist noch da.

# 06. November 2004 um 08:43 AM
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Freitag, 05. November 2004

From the deep sea of a Cloud to the island of the Moon (WTF?)

Der Inselwind tut sein Bestes, um trotz blauem Himmel und sich immer wieder tapfer hochkämpfender Sonne als Sturm durchzugehen, die See spielt mit und schäumt wild dunkelgraugrün. Vermutlich bei jedem Wetter der schönste Ort auf der Insel ist und bleibt die Milchbar am Meer, die sonnendurchflutet und windumtost ist, in der es nach Zimt und Milchreis riecht und die mich zunächst reinlegte mit einem Stück von Vivaldi, um unerbittlich nur drei Minuten später wieder auf Enya im Loop umzuschalten.

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Vorn zur Straße hin sieht die Milchbar aus wie ein etwas edleres Eiscafé mit Barhockern an hohen Abstellflächen (ohne albern kleine Tischlein und blecherne Bistrostühlchen), zum Strand hin ist sie ein großer heller Raum mit freundlichem hellen Holzmobiliar, geräumigen Rattan-Sofas an der Rückwand und einer zweiseitigen Fensterfront mit Meerblick rundum. Sonnenübersprenkelt mit nur wenigen geschmackvollen Accessoires, die glücklicherweise nicht dem „maritimen Landhaus-Style“ angehören, der hier überall an die Touristen gebracht wird. Schön ist es hier, und es könnte zeitlos sein. Ohne die Dauermieterin Enya und ähnlich klingendes Dauerberieselungsgewinsele würde ich vielleicht morgens kommen und bis abends bleiben, aber dank dieser (sail away sail away sail away) Hausgeister ist eine XXL-Akku-Länge dann auch genug.

Ein kleines blondes Kind führt einen sorgfältigen Abgleich aller Nahrungsmittel auf dem Tisch der Familie durch: Sieht aus wie Kacka, sieht ein bisschen aus wie Kacka, sieht nicht aus wie Kacka. Sieht aus wie Pipi, nur wie Brei. (Das muss das Curry sein, Anmerkung der Redaktion) Ich will sagt ein dünnes kleines Mädchen nach ausgiebigem Beäugen meiner regenbogengeringelten Knöchel, Ich will auch selbstgestrickte Socken haben! Die Mutter blättert in ihrer Zeitung und macht eine abwehrende Geste, ohne aufzusehen. Das kann ich nicht, ich kann keine Socken stricken. Warte, bis ihr es in der Schule lernt. Ich bin froh, weil ich so viele geschenkte bunte Sockenpaare wie Inseltage habe, und das sind nicht wenig. Wolliger Reichtum, unbezahlbare Wärme bis hinauf zur Metaebene. Manchmal ziehe ich zwei verschiedene zusammen an, nur so. Weil ich kann.

Die Rattan-Sofas im Beinahe-Kolonialstil sind so tief, dass kleinere Menschen gar nicht mehr zu sehen sind, wenn sie sich reinsetzen. Ich kann über den Rand schauen, aber ich gucke lieber drauf: Was für ein Kratzmöbel! Alle Anwesenden haben rote Nasen, sehen entspannt und gut durchgepustet aus, meine Nase tropft anerkennend vor sich hin. Deswegen bin ich ans Meer gekommen: Damit ein paar Sachen mal wieder richtig funktionieren, und wenn es die Schleimhäute sind. Der Mann liest ein Buch über Fundamentalisten und ich versuche es sorgfältig zu vermeiden, den Text von ‚Orinoko flow’ zu erlernen. Die Sonne malt bunte Tupfen überall in den Raum und der Zimtgeruch wird durch Bockwurst und Erbsensuppe vom Nebentisch gekillt, an dem man sich nun laute lustige Geschichten zu erzählen beginnt.

Ich wäre jetzt gerne alleine.

In weichen großen Kreisen dreht die Insel sich ganz leicht um mich, wenn ich aufstehe. Seekrank, ohne auf dem Meer zu sein, wackelig auf den Beinen, ohne vorher auf dem Wasser unterwegs gewesen zu sein. Ich werde nicht fallen, so lange ich nicht zu sehr darauf achte, das weiß ich. Der tote Schmetterling in meinem Hals gibt ein Phantomklopfen von sich und ich ahne, dass meine Wangen glühen und meine Augen leuchten, als wäre ich außerordentlich gesund und frisch.

Sail away sail away sail away
carry me on the waves to the lands I’ve never seen

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# 05. November 2004 um 04:03 PM
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Montag, 01. November 2004

Notizen bloggen.

Wunderbar: Zugfahren. Bei Überschneidungsabteilen mit Kegelclubs vergeht sogar mir diese so oft fehlgeleitete Annahme, dass alle anderen zunächst mal klug, belesen und freundlich sind, nur weil sie eine Brille tragen oder nicht bösartig schielen. Alles ist heilbar. Yeah.

Typisch: Tasche mit Badezeugs zu Hause stehen lassen, aber vorfrankierten voradressierten wattierten Umschlag fürs Weiterschicken von einem Buch an Moe artig vorbereitet und sorgfältig eingepackt. That’s me.

Trolleys: Koffer sind Relikte.

Nahrung: Größtenteils Mittelmeerküche. Weil auch hier der Fisch erst angeliefert wird, hier hält gar kein Kutter und auf die Frischfischillusion muss man nicht eingehen. Herrlich ist das gute Wasser *gluck*

Lesen: Mehrere Stunden auf Lesen und eine Rezension verschwendet, die niemals das Web erblicken wird, weil zwischenzeitlich klargestellt wurde, wie sehr man doch seine Zeit mit dem Versuch einer fairen Beurteilung verschwenden kann.

Lesen II: Oh ja. Gerne und oft und viel und offline.

Internet: Ja, hier.

Kurz überlegt: Beim dritten Anruf des Hausgastes (“brauchen die Katzen nachts Licht? Dann lasse ich es uns an!”) überlegt, ob ich ihr sage, dass die Puschels jeden Abend eine halbstündige Ganzkörpermassage mit Thunfischöl erwarten. Ist zu riskant.

Handy aufräumen/entleeren:

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(Miss Peppermint, Nandi, die rote Lola im Kreise ihrer Familie und vor dem Umzug zu Indy, eine runde Nana-Schönheit beim Modeln, ein Jahresvorrat Plüsch.)

Neue Kategorie gemacht: Norderney

Lifestyle: Independance Days. Wir schalten zurück zum Geschehen in der Strandbar.

# 01. November 2004 um 01:35 PM
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Donnerstag, 21. Oktober 2004

Nutty as a Fruitcake

Nutty as a fruitcake, that’s me. Wahnsinnig, völlig besessen. Und dabei sehr vergnügt. Nachdem ich mich noch gut an das letzte Mal in einer Ferienwohnung erinnern kann, habe ich beschlossen, mir diesmal nicht den ersten halben Ferientag für einen Einkauf klauen zu lassen.

Aus Sicht der Betreiber von Ferienwohnungen ist es natürlich völlig normal, dass die Anreisenden den letzten Tropfen Spüli, die allerletzten 5 Blatt Klopapier, nur noch einen Kaffeefilter und ansonsten so wenig wie möglich vorfinden beim Einzug. Die regionale Wirtschaft muss angekurbelt werden, auch wenn es sich um eine der reichsten Gegenden Deutschlands handelt, in der alles absurd teuer ist. Mir persönlich wäre das ja zu blöd, von jedem Gast die Reste wegzusammeln, denn Reste muss es geben: Wer verbraucht in einer Woche eine Flasche Spülmittel oder schleppt 42 Kaffeefilter für 39 Cent wieder mit nach Hause? Scheinbar ist es aber sonst niemandem zu blöd.

Oliver und ich verbrachten einmal eine sehr romantische Woche direkt am Strand der Insel und lernten als Anreisende am Samstag schnell, in einem verbeulten Topf mit nur einer Gabel Nudeln zu kochen und diese direkt aus dem Sieb zu essen. Es war lustig, wir waren satt und den Rest der Zeit sowieso mit Meeresblick im Bett, also war es egal.

Diesmal aber will ich morgens aufwachen und einfach so zum Meer gehen können. Ohne den Gedanken im Hinterkopf, dass der Basiseinkauf noch aussteht – essen werde ich vermutlich die meiste Zeit in Restaurants oder mir eine frische fischige Kleinigkeit mitnehmen, shoppen würde ich also wirklich nur dieses Kaffeefilter-Mülltüten-Grundversorgungszeugs. Und deshalb habe ich (remember: nutty as a fruit cake) gerade eine kleine dicke Tasche mit ein paar Nur-das-Notwendigste-Sachen gepackt.

Klopapier, Kaffee, Kaffeefilter, Spüli, Küchenschwamm, Mülltüten, Suppe, Teelichter, Schokolade, Shampoo, Haarkur, Lakritz, Tee und Kondensmilch. Ich bin so irrational zufrieden, weil jetzt alles viel schneller passieren wird. 

# 21. Oktober 2004 um 03:22 PM
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