Dr. Seuss: "You have brains in your head. You have feet in your shoes. You can steer yourself, any direction you choose..."

Mittwoch, 03. Januar 2007

Briefe ins Nichts

Lieber Herr Gesangsverein,

Sie schreiben mir sehr viele Mails. Die Absicht hinter dieser Lawine aus Dringlichkeiten liegt zweifellos in einer gewünschten Beschleunigung der Abläufe in diesem kleinen Paralleluniversum: Sie denken, dass Sie nur genug Druck ausüben müssen, um schneller, höher, weiter zu kommen und Ihre Wünsche zügig durchzusetzen. Soeben kam Mail Nr. 17 zu diesem Projekt, wobei ich nur noch die Mails zähle, bei denen ich es noch nicht geschafft habe zu antworten.

Mein lieber Herr Gesangsverein, eben gerade diese Tonnage an sich widerverhakenden Nachrichten verhindert, dass ich überhaupt vorankomme bei Ihren Anliegen, denn Sie mischen ständig neue Wünsche mit unter, die ich dann erst aus dem eigentlichen Auftrag heraussortieren und diskutieren muss. Sie können nicht eine einzige Antwort einfach mal abwarten und rufen dann auch noch an, um sicher zu gehen, dass Sie sich ganz vorne in der stehenden Schlange an den Schalter drängen können.

Bloß: Hier ist ja gar kein Schalter. Hier ist auch keine Schlange, obwohl Projekte anstehen. Wenn ein Gesangsverein wie Sie aus einer klar abgezirkelten Aufgabe einen Medusenkopf an Kommunikation und Widerhaken erschafft, aus dem dann jeweils dreizehn Schlangen nachwachsen, wenn man einen zischelnden Zopf abschlägt, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn das Entwirren dieser Frau Medusa dann auch genau so lange benötigt, wie das Kämmen eines zerstrubbelten giftigen Schlangenbündels nun mal dauert.

Anders ausgedrückt, mein lieber Herr Gesangsverein: Hätten Sie mich einfach mal in Ruhe gelassen, als ich signalisierte, dass ich mich wieder melde, sobald ich weiter bin, hätten Sie schon längst alles, was Sie nun auf Biegen und Erbrechen herbeierzwingen möchten. Was nicht funktioniert, weil so viele Mails im Weg liegen, die Sie selbst geschrieben haben und die nun laut herumschreien, dass sie allesamt ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Jetzt muss der Medusenbatzen warten, bis lauter Angelegenheiten mit einem festen Termin fertig sind, damit man überhaupt vorwärtskommt.

Genug geschubst und gedrängelt, wir machen das ab jetzt einfach ganz normal. Da guckste, was?
Ein schönes neues Jahr allen Sängern plus Orchester
und bis bald.



Montag, 24. Oktober 2005

Verteidigung

»Faxgeräte die hinter Geschäftstelefonnummern geschaltet sind, sind Verteidigungswaffen.« schreibt Martin Röll und bringt mich auf ganz neue Ideen. Wo es doch Leute gibt, die völlig hysterisch 28mal nacheinander den AB anrufen, während ich zufällig mal kurz im Bad weile.

Ich könnte dazu übergehen, das Fax einzustöpseln, wenn die Keramik ruft. Vielleicht hilft das ja. Mit einer anderen Art von Ungeduld - unterschwellig fordernden Mails - kann ich inzwischen gut umgehen: Sobald eine solche Mail kommt, wandert das Anliegen dieser Person einfach nach ganz unten unter den Stapel.

Und hey, ich freue mich schon an dem Tag, an dem ich alles schreddern werde, was dann noch auf dem Stapel liegt. Man muss mich nur genug nerven, dann wird man mich schon los und alles, was ich blöderweise freundlich angeboten habe zu erledigen.



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