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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Freitag, 30. Juli 2010

Counting my Blessings.

Wieder im Sattel und hoffentlich bereits auf dem Weg durch den Tunnel, an dessen Ende zumindest Logik ein Licht verspricht.

Zwischendrin immer wieder: Atem anhalten und darüber staunen, wie viele Menschen uns geholfen haben und helfen.

*

Wo wären wir in dieser Privatkatastrophe ohne euch?

Wo anfangen zu danken und wie sicher stellen, dass ich niemanden vergesse beim Aufschreiben? Eine Aufgabe, die mich total überfordert.

*

Das Kind begrüsst alle Menschen mit der Information “Mein Haus hat debrannt!” und wir sprechen gerade sehr viel über die Feuerwehr, das segensreiche Geräusch von Rettungswagensirenen und verlorene Gegenstände, die aber doch gar nicht so wichtig sind.

Ich brachte ihr drei kleine schwedische Stoffmäuse mit. Grau, braun und weiß.

Gab ihr die erste und sagte: “Sie heißt Eins. Wie heißen die anderen?”

Die Tochter antwortete ohne Zögern: “Null und Neun.”

*

Das Bein mit der Thrombose wird irgendwie schlechter statt besser. Heute Blutbild, nach sieben Versuchen endlich eine Vene - ich warte schon immer, dass das getrunkene Mineralwasser mir aus den zerlöcherten Handrücken sprudelt.

Der Mann hat Schmerzen und ich kann nur ahnen, was Brandwunden dritten Grades bedeuten. Ein Horror: Geschmolzene Dachfolie auf dem Rücken. Brandblasen unter den Füssen.

*

Heute morgen in der Fußgängerzone gestolpert und eine Frau in meinem Alter mit einem verkniffenen Gesicht meinte mich darüber aufklären zu müssen, dass mein Thrombose-Notstrumpf in den halbkaputten Sandalen doch ungepflegt und ein bisschen unordentlich aussehen würde.

Was nur los sei mit mir, fragte diese Dame mit dem überzogenen Ordnungssinn mich dann herablassend zickig. Klare Antwort:

“Ich bin am Leben. Und Sie scheinbar nicht.”

# 30. Juli 2010 um 03:20 PM
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Montag, 26. Juli 2010

19 Tage später.

Artikel in der Rheinischen Post* von heute - Korrektur lesen durfte ich ja nur meine eigenen Aussagen, daher stimmt einiges nicht so hundertprozentig - den Texttreff habe ich zB nicht aufgebaut, sondern Oliver und ich erstellten nur die Technik/Internetseite mit Community-Bereich - während noch immens viele andere wie Gründerin Susi und ganz viele ehrenamtliche Moderatorinnen und nicht zuletzt die interaktiven Teilnehmerinnen dieses Netzwerk mit aufgebaut haben.

Biggi schreibt sich mit zwei G :-)) Rosi heißt Keppler und die Mohrenapotheke hat sich dankenswerterweise darauf verlassen, dass ich noch bezahlen komme, was ich dann natürlich auch so bald wie möglich getan habe.

Aber das sind nur winzige Dinge, vor allem bedanke ich mich bei Herrn Pankratz für diese Möglichkeit, zumindest schon mal einigen der Helfer zu danken!

*
Die Thrombose ist noch da, und auch die Termine und zu erledigenden Angelegenheiten nehmen kein Ende.

Heute haben wir aber immerhin erfahren, dass die schönen alten Kamine in der Wohnung höchstwahrscheinlich stehen bleiben oder wieder exakt wie bisher aufgebaut werden, was uns besonders freut. Wir hatten nämlich von einem Kostensparmodell anderswo gehört, da war beim Neuaufbau der Dachetage einfach vieles von dem plattgemacht worden, was den Charakter einer solchen Wohnung ausmacht.

“Höchstwahrscheinlich” schreibe ich über die Kamine, weil es sich heute danach anhörte, nicht weil ich es sicher weiß. Man darf ja noch mal hoffen, auch in solchen Umbruchszeiten wie diesen. Wenn die Kamine erhalten bleiben, ist das ja nur ein kleines Detail - ich weiß nicht warum, aber es gibt mir ein bisschen Hoffnung und zum ersten Mal das Gefühl, dort wieder einzuziehen “irgendwann”.

*
Später mehr, falls ich es schaffe.

*Dem Artikel haben wir zugestimmt, weil wir den Helfern danken wollten und ausdrücklich dazu gesagt, dass es sich bitte nicht um einen Spendenaufruf handeln sollte.

*
p.s. was ich um ein Haar ganz vergessen habe: Über 720 Mails habe ich, die ich noch in Ruhe beantworten möchte nach und nach! Es wird ein bisschen dauern, noch gibt es so furchtbar viel anderes zu tun, das nicht warten kann.

# 26. Juli 2010 um 05:06 PM
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Freitag, 23. Juli 2010

Entwurzelt.

Wir haben darum gebeten, die Spendenaktion nun zu stoppen.

Eure spontane Hilfe bedeutet uns unendlich viel und wir sind sehr dankbar dafür. In den ersten Tagen hatten wir gar keine Zeit, auch nur die Seite zu lesen und als wir dann bewusst mitbekamen, was diese Menschen für uns getan haben, war daraus schon eine richtig große Sache geworden.

Viele, viele Menschen aus dem Netz, dem Texttreff, dem Freundeskreis und der Nachbarschaft haben uns geholfen, und zwar so sehr, dass wir völlig überwältigt waren und sind.

Danke.

+

Die letzten zwei Wochen waren anstrengend, kompliziert und emotional schwierig. Die Ereignisse überstürzen sich immer noch täglich. Es gibt Hunderte von sehr dringlichen Dingen zu erledigen und diese Umstände werden leider oft auch begleitet von Menschen, denen es locker gleich dreimal egal ist, ob sie es mit einer komplett traumatisierten Familie zu tun haben.

Andere wiederum sind großartig, und nur an diese guten Menschen wollen wir überhaupt zurückdenken.

Ich habe gelernt, dass ich besser nur noch über Angelegenheiten schreibe/spreche, die vollständig abgeschlossen sind, denn es finden hier ununterbrochen ganz unglaubliche Kehrtwendungen (gut und schlecht) statt, die sich dann auch wieder umkehren und nochmals wieder ändern und nochmals, so dass man ganz viel Kraft vergeudet, wenn man auf Aussagen vom Anfang festgenagelt wird.

Die ganze Kraft brauchen wir aber gerade anderswo.

+

Oliver hat noch Schmerzen, ist aber auf dem Wege der Besserung. Unserer Tochter geht es gut. Wir haben von der ersten Sekunde an alles uns Mögliche getan dafür und es scheint funktioniert zu haben, auch wieder dank toller Freunde und großartiger Hilfe.


Danke.

Sobald ich es schaffe, schreibe ich mehr.

# 23. Juli 2010 um 07:21 AM
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Samstag, 17. Juli 2010

Erst mal wieder offline

Was immer kommt, wohlmeinend oder übel, muss warten.

Kommentare habe ich wieder auf Moderation gestellt und jemanden gebeten, ab und zu einen Schwung freizulassen.

# 17. Juli 2010 um 09:38 AM
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Kein Wort

“... kein Wort über den Säuglingsvater, der dreimal !!! bis oben gerannt ist, um sicher zu sein, dass die drei heil runterkommen. Der versteht übrigens was vom Entwurzeltsein - er ist 94 aus dem Kosovo geflüchtet. Kein Wort über unseren Ghanaer, der sich hier eine kleine Existenz aufgebaut hat und seinem Vater jeden verfügbaren Cent schickt, damit der seinen Arzt bezahlen kann. Und auch kein Wort über den gegenüber wohnenden Rettungssanitäter, der aus seiner Freizeit heraus zielsicher in unseren Keller gerannt ist, um die Hauptgasleitung zu schließen.”

Weil wir nichts davon wussten.

Wir sind rausgestolpert und alles danach ist ein verschwommener Alptraum, der viele Stunden anhielt. Wir wussten das nicht.

Weil wir seit diesem Tag letzte Woche keine Sekunde Zeit hatten, uns darüber zu informieren, was im Haus sonst noch geschah und jedes Mal, wenn eine Sekunde Ruhe einkehrt, passieren neue Sachen, um die man sich kümmern musste, unter anderem zigtausend Dinge, eben damit möglichst schnell saniert werden kann.

Damit die anderen ihre Wohnungen wiederbekommen und nicht mehr durch uns “belästigt” werden, wir rotieren genau deswegen doch so, damit es schnellstens weitergeht.

Und wenn man uns aktiv behindert, geht es nicht schneller.

# 17. Juli 2010 um 08:29 AM
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