Dr. Seuss: "You have brains in your head. You have feet in your shoes. You can steer yourself, any direction you choose..."

Dienstag, 25. August 2009

Die ersten Tage sind die ... was immer.

Wir gehen jetzt in die Kita, genauer gesagt fangen wir damit an. Diese erste Phase dient meiner Eingewöhnung, damit ich die Trennung tagsüber später besser verkrafte.

Das Vor- und Zubereiten von Mitnehmfrühstücken macht mich fertig. Mal habe ich Käsewürfel, Weintrauben, Apfel, Banane, kleine Brote und Würstchen dabei ... und einige der anderen ein Butterbrot in der Tüte. Wenn ich ein schlichtes Butterbrot in der Tüte mitnehme, begeistert von diesem Prinzip des einfachen Lebens (für Mütter), bekommen andere Kinder natürlich viergängige Gemüseplatten mit Joghurt und handgeklöppeltem Dinkelkeks serviert. Verdammt.

Heute morgen dann war ich so erschöpft, dass ich die verdammte Übergangs-Butterbrotdose* vom Kind mit Tesafilm versiegelt habe, nur damit das Ding endlich zublieb. Das klappte. Auf dem Weg zur Kita wollte ich mir überlegen, wann ich das Klebeband schnell und heimlich wieder abmache, zum Beispiel bevor ich die Dose auf den Rollwagen lege, der später zum gemeinsamen Frühstück gefahren wird.

Da das Kind aber schon um 7 Uhr früh im Nachthemd mit Rucksack von innen an der Wohnungstür kratzte und “Kita! Kita!” brüllte, vergass ich die Mac-Guyver-Dose wieder und musste sie dann mitsamt der gründlichen Tesa-Versiegelung entsetzt anstarren, als die Erzieherin sie mir fröhlich aus der Hand nahm.

Waaa!

Glücklicherweise gab es mindestens eine noch weit verantwortungslosere Mutter als mich. Die hatte nämlich fünf Möhrenschnitze und drei Prinzenrollenkekse als Frühstück komponiert und warf mich also mit dem bisschen Klebeband mühelos aus dem Rennen, denn sofort begann eine ernst verhaltene Diskussion über Vitamine und wie man abwesenden Müttern von ihrer Existenz erzählt. Anwesende Mütter und Tesafilm waren kein Thema.

Puh.

Das Klebeband konnte ich abpulen und heimlich in die Rocktasche stecken. Natürlich war dann die Dose offen und später die ganze Kindstasche voller Dinkelbananennutellamuffinkrümel, aber das war die Kitaküche schließlich auch.

*Eine gut schließende richtige Kita-Butterbrotdose befindet sich bereits im Anflug. Ist sogar ein Bär drauf.



Samstag, 08. August 2009

Im Eimer

Als ich merkte, dass Kind und Kinderfrau (das ist eine andere Person als das Kindermädchen) einen anderen blauen Eimer vom Spielplatz mitgebracht hatten, war meine Reaktion: Ach, unserer war zwar deutlich schöner - aber was soll’ s.

Dann fiel mir ein, wie seltsam andere Menschen oft sind. Sie besaufen sich in Rudeln, treffen Vereinbarungen für einheitliche Gartenzäune in Kleinstadtsiedlungen, heiraten den ersten Penis in ihrem näheren Bekanntenkreis oder lassen sich die Haare mit Säure in nudelartige Wellen legen, die dann langsam herunterwachsen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich alle Rituale rund um vertauschte Eimer korrekt einschätzen kann, liegt bei unter 20 Prozent.

Besser also, man geht auf Nummer Sicher.

Zufällig - und ich meine das sehr wörtlich - zufällig klemmt die Telefonnummer der Eimertauschermutter an unserer Magnetwand und ich habe angerufen, um mich für den vertauschten Plastikkübel zu entschuldigen, dessen Wert ich übrigens auf 80 Cent schätze. Unseren. (Der andere hat sicher etwa 50 Cent gekostet, keinesfalls mehr.) ABER ich weiß, dass es darum nicht geht, sondern viel zu oft im Leben ums Prinzip.

Drei Dinge stellten sich heraus: Es ist der Opa gewesen, der so viel eimerliche Nachlässigkeit bewiesen hatte - ich hatte auf den Vater getippt. Mütter wissen es einfach besser, als sich ganze Vormittag mit diplomatischen Fastverwicklungen um ein Nichtproblem zu versauen.

Obwohl die Dame sichtlich erleichtert klang, dass sich diese Sache nun klärte, versicherte sie, es sei ihr natürlich vollkommen egal, welcher Eimer. (Klar, sie haben ja jetzt den schöneren.)

Und drittens ist sie schon wieder schwanger und zieht jetzt sowieso bald weg, so dass die Chancen auf unseren Originaleimer und einen Rücktausch dramatisch sinken.

Ich horche in mich hinein, ob mich das stört. Sitzt da irgendwo ein Gruppenkuschler-Harmoniegen, ein inneres Schrebergärtnerle, das jetzt wider besseres Wissen theatralisch auftrumpft und insgeheim ein bisschen wütend ist, weil der blaue Eimer .... und so?

Fest steht, dass ich mich in den nächsten Jahren zwangsläufig noch mit viel dümmeren Angelegenheiten auseinandersetzen muss.

Das weiß ich, seit ich mal fast daneben stand, als ein Dreijähriger ein YuGiOh-Tauschbildchen gegessen hat, auf dem scheinbar ein unersetzliches Bild war. Diese mit den Flügeln schlagende und keifende Mutter des YuGiOh-Sammlerkinds hat sich unauslöschlich in meine Hirnhaut eingebrannt und hat dort ihren Platz neben der Mutter des unfehlbaren Teenagers, der blanker Hass aus den umnebelten Augen sprühte, als sie die Blödheiten ihres Dummdummgeschosses verteidigte.

Deswegen weiß ich ja, dass kein Anlass nichtig genug ist, um solchen Aussetzern nicht doch lieber von vornherein aus dem Weg zu gehen. Wohl wissend, dass man nicht allen ausweichen kann.

Noch ein Tipp: Wer sich mal richtig amüsieren und dabei ganz viel über Angriffstaktiken, psychologische Kriegsführung und Darwinismus im Alltag lernen will, erzählt in einer größeren gemischten Müttergruppe, dass Stillen beim heutigen Stand der Medizin doch eigentlich völlig überflüssig ist*.

*Das ist nicht meine Meinung, aber der schnellste Weg, einen nuklearen Minikrieg zu entfachen.



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