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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

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Donnerstag, 30. Juli 2009

Die unsichtbaren Frauen

Eine meiner Angewohnheiten ist das Fotografieren von weiblichen Personen, die zwar fest zu einer aktuellen Situation gehören, aber sich eher im optischen Hintergrund aufhalten und garantiert nicht oft geknipst werden. Schon gar nicht für sich alleine. Natürlich mache ich diese Bilder nicht für mich, ich schenke sie ihnen.

Die Leiterin der Krabbelgruppe, eine Krankenschwester, Mitmütter bei der Arbeit oder eine nette Nachbarin. Zum Beispiel.

Es ist ganz erstaunlich, was alles passieren kann, wenn man einer Frau einen Stapel Fotos in die Hand drückt, auf denen nur sie selbst zu sehen ist. In Großaufnahme. Lächelnd. Oder entspannt, oder mitten in Aktion.

Von Wut bis Weinen ist alles drin.

Meistens blättern sie eilig im Stapel weiter und schauen erst mal hinten nach, ob noch andere Bilder dabei sind. Abbildungen anderer Personen, genau gesagt. So, wie sie es gewohnt sind und erwarten.

Dann schaut die Beschenkte unweigerlich noch einmal auf ihren Stapel und fragt, warum es denn jedes Bild gleich dreimal (oder viermal, oder fünfmal) gibt. Ich antworte: Damit du deinen Kindern eins geben kannst, deinem Mann, deiner Mutter. Und trotzdem noch selbst eins von dir hast, auf dem du so nett lachst.

Manchmal ergänze ich noch: Frauen denken oft gar nicht daran, Fotos von sich selbst zu machen oder machen zu lassen, und die Kinder (der Mann, die Mutter) finden es bestimmt schön, mal ein aktuelles Bild von dir zu kriegen. Später irgendwann bist du froh, dass es ein paar Bilder mehr gibt von dir - diese Freude, deswegen mache ich das.

Meistens sehen sie dann verlegen auf das Bild und freuen sich still ein bisschen. Ich lasse grundsätzlich nur wirklich schöne Porträtaufnahmen abziehen, leuchtende Augen, lachende Gesichter oder einen sehr gut getroffenen Ausdruck.

Lieber kein Bild als eins, das nur so lala ist.

Später, sehr viel später irgendwann an einem ganz anderen Termin frage ich dann vielleicht sogar mal nach, ob die Kinder, der Mann oder die Mutter sich gefreut haben.

Viel zu oft lautet die Antwort: Total gefreut - sie haben sich nur sehr darüber gewundert, dass ich tatsächlich alleine auf dem Bild war.

Vor fünf Jahren fotografierte ich ein Schulfreundinnentreffen, als eine von den Damen 70 wurde. Ich ging einfach mit der Kamera hin, als ich das Geschenk abgab. Sie wehrten sich alle während der Aufnahmen vehement gegen jedes Bild, freuten sich aber später überschwenglich über die Abzüge mit den lachenden feiernden Freundinnen und den Einzelaufnahmen, zwei baten sogar um stark vergrößerte Abzüge.

Heute morgen war ich sehr schockiert, weil die mit einem Foto bedachten Kinder sich beschwert haben, dass ja nur die Mutter auf dem Bild zu sehen sei, wie langweilig. Wo denn die anderen Leute alle seien?

Die Fotografierte blinzelte selbst ein bisschen empört, so hatte sie sich die Reaktion wohl eher nicht vorgestellt.

Manchmal ist es das erste Bild seit zehn oder zwanzig Jahren, das die Frau von sich allein bekommt.

Einmal war es das erste in ihrem ganzen Leben.

# 30. Juli 2009 um 01:19 PM
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Mittwoch, 29. Juli 2009

Ambitionen

hoch hinaus

»Ohje!« Meine Mutter gibt gern kreißsägenartige panische Töne von sich, wenn es um ihre Enkelin geht: »Darf deine Tochter das?!«

Kann man getrost übersetzen mit: ‘Warum waltest du nicht deiner Aufsichtspflicht, mein kleines Enkelkind klettert auf zweieinhalb Meter hohe Spieltürme!’

»Meine Tochter darf das, was sie kann.« antwortete ich prompt, wenn auch nicht ganz wahrheitsgemäß. Aber wozu die Feinheiten diskutieren, wenn es doch im Grunde nur darum geht, dass die Omas insgeheim die ganze Zeit denken, sie könnten es ja doch besser. Alles. Vor allem die Erziehung. Wenn sie denn bloß dürften.

Wenn ich meine Mutter bitte, dem Kind ein Brot zu machen, bekomme ich als Seitenhieb serviert » ... und wir haben dann auch noch abwechselnd immer ein Stückchen vom Apfel gegessen, denn Vitamine sind wichtig.«

Gut, das wusste ich noch nicht. Wir haben bisher Obst und Gemüse sorgfältig vermieden, ernähren uns von tiefgefrorenem und nicht aufgetautem Weißbrot und Marshmallows, ab und zu bringt der Mann ein Bison mit - das essen wir dann roh. Jetzt, da ich aus offizieller Quelle weiß, dass auch Vitamine irgendwie wichtig sind, besorge ich natürlich ein paar Pillen mit so Vitaminzeugs drin.

Vielleicht warte ich auch einfach ab, bis das Tochterkind sich artikulieren kann und sich nicht mehr so freundlich am Händchen mitziehen lässt. Vieles dürfte sich dann von selbst erledigen.

# 29. Juli 2009 um 06:15 AM
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Samstag, 25. Juli 2009

Der Adel stirbt aus.

Die Tochter, konfrontiert mit einer vollen Verkleidungskiste, ignoriert rosa Krönchen und pinkfarbenen Glitter. Räumt Spitzenkleidchen und Glimmer energisch zur Seite und steigt dann höchst zufrieden in orange-weiß geringelte Stulpen und setzt sich einen Wikingerhelm auf.

Wir sind also bestens vorbereitet darauf, irgendwann auch fernzusehen und dann dem transsexuellen Wikingerkind Wicki zu begegnen - der Mann behauptet immer noch, das sei ein Junge. Ich dagegen weiß, dass Wicki vielleicht irrtümlicherweise in einem männlichen Körper geboren wurde, aber auf jeden Fall eine Frau ist.

Was Glitter und Glimmer angeht: Manchmal glaube ich, dass ich hier die einzige bin mit Prinzessinnensyndrom. Nein, nicht für mich selbst, danke. Dabei habe ich es gar nicht wirklich so mit Rosa, ich war nur einfach von vornherein softgespült auf Toleranz und hätte bereitwillig mitgemacht. Denn nerviger als rosa Träume sind oft sich verweigernde Mädchenmuttis, die über solchen Phänomenen stehen (möchten).

Nun macht man mal mit, aber das Kind nicht. Auch gut.

Sind ja eh alles nur Phasen.

P.S.
Eben reichte das Kind mir mein Portemonnaie. Randvoll gefüllt mit Knete. Leider war sie schleimgrün und sprichwörtlich.

# 25. Juli 2009 um 03:58 PM
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Donnerstag, 23. Juli 2009

Man kann eben nicht alles haben.

Ein ausgesprochen hübsches Männchen hat mir soeben die Tageslaune gerettet.

Getarnt als Angestellter eines Telekommunikationsunternehmens, stapfte dieses zart an griechische Skulpturkunstwerke erinnernde 195cm lange Leckerli statt einem 5-Minuten-Check gut anderthalb Stunden durch unsere Räume und erwärmte sich sichtlich im Gespräch.

Die funkelnden Augen, anerkennenden Äußerungen, spontanen Gesten und das leidenschaftliche Interesse galten aber wohl eher unserem Projekt, ein ganzes Altbaugeschoss auszukernen und die leicht verrückten Ideen umzusetzen, die uns so vorschweben. Flurdecke raushauen, Dachterrasse und so.

Immerhin, auch der ziemlich hübsche Babysitter begann unauffällig sanfte Hintergrundgeräusche zu gurren und auch sie war eindeutig nicht gemeint.

[An dieser Stelle bitte den Postingtitel wiederholen.]

# 23. Juli 2009 um 04:10 PM
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Mittwoch, 22. Juli 2009

Surreality strikes. Again.

In der modernen großen Apotheke.

Darsteller: Frau mit Geldbörse in der Hand und der Bereitschaft, schnell zu kaufen und noch schneller wieder zu gehen (Ich).
Junge Apothekenfachverkäuferin, sehr eifrig (JAFV)

Ich: Eine Zeckenkarte bitte.
JAFV: Oh! Da muss ich mal eben ....
Ich: OK
JAFV: So, da hätten wir es ja schon.
Ich: (strecke ergebnislos die Hand danach aus)
JAVF: Sehen Sie, das ist nur so groß wie eine Kreditkarte, aber hier ist eine Lupe und da so ein Hebelchen, damit kann man ganz toll eine Zecke ...
Ich: (freundlich) Ja. Weiß ich. Deswegen kaufe ich die ja.
JAVF: Oh. Oh!
Ich: (strecke ergebnislos die Hand nach der Karte aus)
JAVF: Aber ... schauen Sie, ich hab hier noch was, auch sehr gut!

Sie zeigt mir einen Kugelschreiber, der vorne keinen Stift hat, sondern eine Drahtschlaufe, die man zuziehen kann.

Ich: (freundlich, aber in Eile) Sieht auch praktisch aus. Aber die Ka…
JAVF: Gucken Sie mal, so geht das!

Sie angelt mit dem Draht nach einer kleinen weißen Perle, die auf einem Samtkissen festgesteckt als Demo dient.

Die kleine Perle springt aus dem Samt und kollert auf dem Boden davon.

JAVF: Oh! Oh. Immer passiert mir das.
Ich: Ihre Demo-Zecke liegt da vorn, ich komm nicht dran.

Im Hintergrund bricht eine blondierte Enddreißigerin ob des Wortes “Demo-Zecke” hysterisch kichernd zusammen.

Am Ende haben wir dann alle gemeinsam nach der kleinen Plastikperle gesucht, die Demo-Zecke wieder installiert und ich konnte meine Zeckenkarte bezahlen und mitnehmen. Magnesiumkügelchen hab ich auch noch gekauft, irgendwie musste ich dem Zeckenkugelschreiber ja ausweichen.

Wenn jetzt mal eine Zecke vorbeikommt, bin ich bestens vorbereitet. Und unechte Perlen werden mich ein Leben lang an Zeckenkugelschreiber erinnern.

# 22. Juli 2009 um 04:14 AM
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