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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Sonntag, 30. September 2007

Geschichten von Engeln

Bitte nicht lesen, wenn schwanger.

Zurzeit teilt man uns mehrmals täglich mit, dass unser Leben bald eine Hölle aus Schlaflosigkeit garniert mit verkackten Windeln und fehlendem Tagesrhythmus sein wird. Ganz so schlimm kann diese Sache mit dem Kinderkriegen aber trotzdem nicht sein, denn da ist auch noch dieser Glanz: Das Strahlen in den Gesichtern von Menschen mit Kindern, wenn sie den Babybauch begutachten und sich spontan freuen.

Jeder weiß, dass es anstrengend wird. Jeder kennt auch schlimme Geschichten über tote Kinder und erzählt die bereitwillig, unaufgefordert und vor allem unaufhaltsam.

Von Alexander, der 24 Stunden vor seiner Geburt an einem Plazenta-Infarkt verstarb. Von Miri, die nur 10 Minuten lebte und keiner weiß, warum. Von Zwillingsschwangerschaften, bei denen unterwegs eines der Kinder Abschied nehmen musste. Von Vierlingen, bei denen die Mutter entscheiden musste, welches der Babys zur Risikominderung ‘reduziert’ werden musste. Abtreibungen, immer mit ausführlicher Begründung. Kinder, die so krank waren, dass ihre Eltern sie schon in frühen Schwangerschaftsmonaten gehen lassen mussten, wiederholte Fehlgeburten, Geschichten von kerngesunden Babys, die dann plötzlich tot in der Wiege liegen, von eigenen und fremden Risikoschwangerschaften mit allen Komplikationen.

Alle brennen darauf, ihre Erzählungen mit sämtlichen interessanten Details loszuwerden. Jetzt. Nicht trotz, sondern weil ich schwanger bin.

Selbst Menschen, denen ich das Selbstverständliche trotzdem noch ins Gesicht sage: Damit belastet man eine Schwangere nicht, hör auf, mir das zu erzählen. Auch diese Personen, die mir darin natürlich dann sofort zustimmen, berichten fünf Minuten später wieder von der Nachbarin Sowieso, die ja leider durch drei Totgeburten musste. Bevor dann alles ‘doch noch gut ausging’, sprich: Ein funktionierendes Kind alles ‘gutmachte’.

Der übelste Kommentar zu dem Thema: ‘Wer weiß, ob das Baby XY überhaupt ein guter Mensch geworden wäre.’ Hauptsache irgendwas gelabert und sich darauf verlassen, dass einem als erwachsenem Hohlkörper die Existenzberechtigung nicht so schnell abgesprochen wird, auch wenn man sich nur in den eigenen mittelprächtigen Sprachausscheidungen wälzt.

So simpel ist die Welt für manche. So gnadenlos flach der Horizont.

Ich schwanke zwischen Entsetzen & Ekel und … irgendwas Undefinierbarem. Mitleid spielt auch eine Rolle.

Einige dieser Geschichten kommen aber nicht durch ein missgebildetes Mitteilungsbedürfnis zu mir. Sie fließen aus jemandem heraus, dem es hilft, sie endlich zu erzählen.

Eine aufdringliche Nachbarin, die ausgerechnet jetzt gynäkologische Details der Fehlgeburten ihrer Cousinen und ihrer eigenen schwierigen Schwangerschaften bei mir abladen will, ist für mich etwas völlig anderes als ein Vater, der sein Kinderzimmer wieder abbauen musste, bevor die Frau aus der Klinik kam, die gerade ein voll ausgewachsenes totes Baby zur Welt gebracht hat und der zum ersten Mal darüber spricht.

Ihn kann ich nicht einfach wegklicken, von ihm weggehen oder um Schweigen bitten. Das schaffe ich nicht. Nicht, wenn ich spüre, dass Zuhören wirklich hilft. Es ist so selten, dass man auch nur einen Hauch helfen kann bei solchen Dingen.

Der Preis ist hoch.

Jeden Morgen wache ich auf und frage mich, ob ich es merken würde, wenn das Baby in meinem Bauch nur noch kaltes Fleisch wäre.

Dann beruhige ich mich wieder. Es ist normal, dass meine Nerven auf der Zielgeraden schlechter werden. Trotzdem werde ich mir keine solchen Geschichten mehr anhören, Mails dazu nicht beantworten und mich aus Gesprächen verabschieden, die auf dieses gestalterische Element nicht verzichten können.

Der fremde Schmerz (auch der erzählte) reißt mir das Herz mitten durch, ich schaffe es einfach nicht, mich so weit wie nötig dagegen abzuschotten. Es geht nicht, dass ich jeden Tag in Tränen aufgelöst verbringe, ich brauche die Kraft.

Uns geht es gut. Es gibt Dinge zu klären, Entscheidungen zu treffen. Aber uns geht es gut. Wir warten auf die schlaflosen Nächte, auf die Kacke, die allgegenwärtige Spucke.

Und auf den Glanz.

# 30. September 2007 um 10:05 AM
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Freitag, 28. September 2007

Jetzt reicht’ s

Wir hatten uns also damit abgefunden, von allen Expertenseiten bestätigt zu bekommen, dass ein Terminkaiserschnitt in unserem Fall das Beste und Sicherste fürs Kind ist und sind zur Klinik getrabt, in der unsere Hebamme arbeitet, um dort nun endlich besagten Termin zu vereinbaren.

Statt Vorgespräch Hektik, statt beantworteter Fragen schon wieder ein CTG, schon wieder ein Ultraschall (das haben wir alles bereits mehrfach wöchentlich, danke sehr) und schon wieder eine allwissende und keine andere Meinung gelten lassende Medizinerin, die alles und jeden niederlaberte und nicht zuhörte. Diesmal auf dem Trip, dass nur eine naturbelassene Geburt in Frage käme.

Also alles wieder von vorn?
Nein.

Es gibt keine wirklich guten großen Kliniken. Es gibt nur diese Massenabfertigungsscheiße und ob man als Notfall überlebt, ist sowieso immer wie Lotto und man hat meistens nicht mal einen Schein zum Mitspielen.

Mir ging und geht es so verdammt schlecht nach dieser erneuten »Besprechung«, dass ich mich zuhause hingesetzt und ein Fax an Klinik, Arzt und Hebamme geschrieben und einen Haken unter dieses Thema gesetzt habe. Wir machen jetzt diesen Terminkaiserschnitt wie ausführlichst mit meinem Arzt besprochen und aus. Wir tun das, was das Sicherste fürs Kind ist.

Wenn jemand das weiter diskutieren möchte, soll er doch schauen, mit wem. Mit mir ganz sicher nicht. Wenn die eine Klinik nicht will, wird es eben die andere.

(Babymädchen macht alles perfekt. Was interessiert es mich, ob der Kaiserschnitt für mich gefährlich ist? Einen DRECK interessiert mich das, wenn er für sie sicherer ist als eine Spontangeburt.)

# 28. September 2007 um 04:09 PM
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Donnerstag, 27. September 2007

Abwaschbar

Die unerreichbaren Füße unter dem Babybauch ließen mir nur noch die Wahl zwischen Birkenstocks und Schuhen, die ich in Gegenwart und mit Hilfe des Gatten an- und ausziehen kann. Eine Abhängigkeit, die ich mit zunehmendem Herbstwetter und dem Bedürfnis, mich jederzeit schuhelos hinlegen zu können, nicht mehr hinnehmen wollte.

Außerdem brauche ich im Krankenhaus Schuhwerk, das ich selbst bewältigen kann.

Erst kaufte ich nur Hausschuhe. Leider die wärmsten, die ich finden konnte: Flauschige stiefelartige Wolldinger, denen der Mann wohlwollend das Fell kraulte, bevor er sie zu füttern versuchte – mir wurde schnell klar, dass ich damit wirke, als wäre ich aus einem Aufbewahrungs-Camp für schwer erziehbare Eskimos geflüchtet.

Mit den passenden Schneeschuhen bin ich nun für alles gerüstet, nur nicht für den Krankenhausaufenthalt (jedenfalls nicht auf der Station).

Dann suchte ich ein Schuhgeschäft heim, das zufällig gegenüber der Arztpraxis liegt. Ich konnte mich quasi einfach reinkollern lassen, sonst hätte ich den Weg nicht auf mich und die Bauchkugel genommen. Man kann dem netten Verkäufer dort gute Nerven attestieren, er hat nicht mit der Wimper gezuckt, als ich uns hineintransportierte und anklagend auf die geschwollenen Füße zeigte.

Vielleicht wusste er auch bloß schon in dem Moment, was ich erst noch mühsam herausfinden musste: Dass sich meine Auswahl am Ende auf weitere Sandalen oder Plastikschuhe beschränken würde, ganz egal wo ich den großen Zeh hineinstopfen wollte.

Am Ende war ich so traumatisiert, dass ich die absurd teuren und irgendwie sehr scheusslichen Crocs-Plastikschuhe kaufte, die in diesem Jahr angeblich so in Mode waren oder sind. In einer Nummer größer als meine Normalfüße. Und ich war auch noch erschöpft genug, dass er mir kleine Plastikblumen draufstopfen konnte. Mitverkaufen gar.

Das war’s dann wohl.

Jetzt kann ich mir genau so gut auch Nichtsport-Leggins besorgen, die Haare

unordentlich

nachlässig auf dem Hinterkopf zusammennudeln, ein Dinkelbackbuch kaufen und das Make-up entfallen lassen.

# 27. September 2007 um 08:30 AM
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Dienstag, 25. September 2007

Stop and go

Wehen, wenn man keine haben darf, sind nicht sehr lustig. Sind sie wahrscheinlich nie so richtig, aber so lange ein Baby dabei herauskommt, geht’s ja noch. Wenn sie einfach nur wieder aufhören müssen, finde ich sie einfach ... überflüssig. Frustrierend auch, denn es dürfte weitaus schöner sein, wenn man sich einfach darauf freuen darf, dass es irgendwann zu wehen anfängt.

Na ja. Man kann nicht alles haben, das sehe ich schon ein.

Für diesmal gab es jedenfalls Entwarnung und strikte Ruheanordnung (ab gleich, jaja). Mal schauen, für wie lange :-)

# 25. September 2007 um 11:50 AM
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Montag, 24. September 2007

Alle sind sich einig.

Der wenig einfühlsame Chefarzt der sowieso nicht mehr in Frage kommenden Klinik, die zweite ärztliche Meinung, die Hebamme und mein aus dem Urlaub zurückgekehrter vertrauter Arzt, wir und die teils reinquatschende Verwandtschaft sind sich so weit einig, dass ein Kaiserschnitt vor dem normalen Termin die sicherste Lösung fürs Baby und damit anzustreben ist.

Die Theorie steht. Der Termin stand auch, jedenfalls so ungefähr.

Der Rest lässt sich (offensichtlich) nicht planen.

# 24. September 2007 um 11:10 PM
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