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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Donnerstag, 31. August 2006

Titellos.

Die Interessenten an unserer jetzigen Wohnung beschweren sich fast alle darüber, dass sie die Räume so schlecht beurteilen können, wenn noch unsere Sachen darin stehen. Sie hätten es nahezu als Selbstverständlichkeit empfunden, wenn ich angeboten hätte, mal eben den Hausrat von 9 Jahren in den Garten zu räumen, damit sie in Ruhe schauen können, da bin ich mir leider ziemlich sicher.

Zwei zogen eine schlechtgelaunte Fleppe, als wir erklärten, dass wir zwar schon vieles ausräumen, aber trotzdem erst zum 30.09. gekündigt haben. Der Hinweis, dass wir gerne gegen einen halben Monat Miete einen halben Monat Wohnung abtreten, wurde mit tatsächlich sehr großem Erstaunen quittiert. Man erwartet von uns, dass wir uns so schnell wie möglich verziehen, wenn man die Wohnung nehmen möchte, schon klar. Die Frage ist aber, ob ich schon wieder so freundlich und zuvorkommend sein muss, wenn ich dazu mal gar keine Lust habe. Hab ich nämlich neuerdings nicht mehr. Warum soll ich spontan drei Wochen Miete verschenken an völlig Fremde, die sich unangenehm verhalten?

Mit interessiertem Abstand beobachte ich unter den Interessenten eine ganz neue Art von Arschloch, die sich aber wohl schon länger gesellschaftlich etabliert, obwohl sie bisher bis auf eine Ausnahme an mir vorbeigegangen ist: Charmante und höfliche Spacken, die gerade so lange mit dir reden, wie es ihren konkreten Interessen dient, und deren Maske übergangslos abtropft, wenn sie sich mit anderen Dingen beschäftigen. Man hat es heutzutage eilig und konzentriert sich gerne auf das Wesentliche. Andere Menschen sind nur interessant, wenn sie gerade nützlich sind.

Mit potenziellen Nachmietern und deren Allüren hatte ich noch nie zu tun, aber es liegt nicht nur daran.

# 31. August 2006 um 07:15 PM
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Ekel, aufgewärmt

Es gab einmal vor ziemlich langer Internet-Zeit eine Frau, die in den Gästebüchern aller Tagebücher unterwegs war, die damals noch nicht Blogs hießen und noch keine Comment-Funktion hatten.

Sie war geschwätzig, oft belehrend und betulich und dafür bekannt, die Blogger, welche sich damals noch Diaristen nannten, herablassend zurechtzuweisen. Wurde diskutiert, passten ihre Lebensumstände zufällig immer genau auf die Argumente, aber so was kommt vor.

Dann waren da die Kinder mit eigenen Webseiten. Alles war sehr übersichtlich damals, jeder kannte und erlebte jeden, und diese Frau kümmerte sich sichtlich und aufopfernd um die ganz jungen Mädchen. Ständig, sozusagen. Sie kommunizierte ja unter Klarnamen und so kam es fast selbstverständlich, dass sie wie eine sorgende Omi ständig um die Kids herumhing und vieles von ihnen erfuhr.

Was ja auch nicht weiter besonders gewesen wäre. Wenn diese Frau sich dann nicht als Mann mittleren Alters entpuppt hätte, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Ein Mann, der seine gefakete Identität nicht aufgab und das wie folgt begründete »Aber ich gebe mich seit Jahren als Frau aus und habe viele Beziehungen zu anderen, ich kann mein Fake nicht aufgeben, einem Mann hätten sie sich nie so anvertraut und ich verliere meine Bekannten, wenn ich die Wahrheit sage!«

Es wird sich nie herausfinden lassen, was daraus nun letzten Endes geworden wäre, wenn “sie” nicht aufgeflogen wäre. Den Tonfall dieses Mannes vergesse ich nie. Neulich hat hier wieder jemand kommentiert – unter dem Namen seines Fakes. Ob er immer noch die Blogs ganz junger Menschen abgrast und sich als nette Omi ausgibt, ist mir nicht bekannt.

Aber der anmaßende, belehrende und unverschämte Tonfall spült eine uralte Wut nach oben und auch wenn ich es nicht beweisen kann oder will, erkenne ich so einen Tonfall doch sofort, sobald er die Maske fallen lässt. Besonders der eine ist nämlich nicht sehr originell und wiederholt seine Muster immer wieder.

Kontakte verblassen, Freundschaften entwickeln sich auseinander - aber miese Spacken und anonyme Kommentarverpester bleiben erhalten. Früher war nicht alles besser, die Spanner und Stalker haben immer noch dieselbe Qualität.

# 31. August 2006 um 01:58 PM
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Dienstag, 29. August 2006

Obenauf

Keine Spur von Herrn Schmidt, während die Handwerker die Heizungen anbrachten, Fenster geputzt wurden und die Heiztherme an ihren Platz gebracht wurde. Zuerst dachte ich, dass die frisch tapezierten Räume ihm einfach nicht behagen würden und er sich nun verabschiedet hatte.

Dann hörte ich das Rumpeln und mir fiel wieder ein, wie wir uns zuerst gefragt hatten, warum er so lange auf so engem Raum gelebt hatte - und kurz darauf auf dem großen Dachboden Möbel und ein Waschbecken fanden.

# 29. August 2006 um 09:57 PM
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Freitag, 25. August 2006

In den Wänden

Herr Schmidt hatte wenigstens genug Anstand, betreten zu Boden zu blicken, als der Malermeister uns zeigte, wo das Nikotin von Jahrzehnten und eine weitere Kaminversottung später nochmals durch die Wände suppen könnten, wenn wir Pech haben. Er lehnte an seinem früheren Wäschetrockner, der hinten im Flur gestanden hatte – dort, wo wir die Wand angeglichen, den Flur isoliert und um ein ganzes Stück verengt hatten. Der Ellenbogen mit der Bierhaltehand steckte folgerichtig ein ganzes Stück weit im Putz, aber das kann einen frischen Hausgeist in der Einarbeitungsphase offensichtlich nicht erschüttern.

Mit verhaltenem Stolz sagte er »Mein Leben lang habe ich geraucht wie ein Schlot und jeden Tag meine Bierchen getrunken und bin doch über achtzig Jahre alt geworden!« Mein nicht zu unterdrückendes verächtliches Schnauben landete leider beim Maler, der sofort verkündete, auf der Rechnung würde dann auch ein Vermerk stehen, dass man für Versottung und Versuppung dieser alten Wände keine Haftung übernehmen könne.

Auch Schmidtchen sah nicht so aus, als ob er sich eben mal überstreichen lassen würde, um dann spurlos zu verschwinden. Jede seiner Zigaretten der letzten fast vier Jahrzehnte steckte in der Wand, jedes Röcheln im Lüftungsschacht, der Fußboden musste durchtränkt gewesen sein von Alkohol und um die Kamine hatte er sich auch nicht gekümmert.

Was mich anging, so konnte er verdampfen. Wir hatten genug Erinnerungen an ihn, die wir so schnell nicht loswerden konnten.

»Wirst du jetzt hier bleiben?« fragte ich ihn lautlos in der Gewissheit, dass er mich hören würde. Er zuckte die Schultern und meinte »Sie ist noch hier.« Dann marschierte der Azubi des Malers durch ihn hindurch und Herr Schmidt zerbröselte mal wieder, ohne eine brauchbare Antwort zu geben auf eine Frage, die zu stellen ich keine Gelegenheit mehr hatte.

# 25. August 2006 um 10:23 PM
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Kitchen Talk

Meine erste Küche bestand aus einer Doppelkochplatte auf einem Kühlschrank, der wiederum im sechsten Stock vor der Tür zu meinem Studentenzimmerchen stand. Daheim hatte meine Mutter eine 5x6m Küche, aber ich vermisste nichts.

Meine zweite Küche wäre groß genug gewesen, um einen winzigen Tisch hineinzuquetschen, und zeigte auf einen grauen Hinterhof. Aber ich kam nie dazu, dort zu sitzen, denn man musste durch das Zimmer meiner WG-Genossin, um zur Küche zu gelangen. Was bedeutete, dass ich täglich einen neuen halbnackten Typen traf, den ich nicht mit der Kneifzange angefasst hätte wegen Bäh-Faktor. Und auch, dass in der Küche sowieso nur noch selten irgendwas von meinen Sachen übrig war.

Die nächste Küche gehörte zu einer Firmenwohnung und muss einen klassischen Esszimmerbereich auf dem halben Weg zum Wohnzimmer in Eiche rustikal gehabt haben, an dem Francoise und ich vor Erschöpfung manchmal einschliefen. Meine erste richtige Wohnung, in der ich dann von 1989 bis 1997 lebte, hatte einen schmalen Küchenschlauch, wieder mit zusammengewürfelten Erbstücken und sogar mit offenen Regalen vollgestellt.

Als ich in dieses Häuschen einzog, zunächst alleine, hatte ich das Glück, von der Vormieterin günstig ihre weiße sehr hochwertige Einbauküche kaufen zu können. Die muss ursprünglich ein Vermögen gekostet haben und war fast neu. Wie ihr aktueller Lover, der schon eine Küche hatte, gut für mich. Glücklicherweise hatte sie alle Oberschränke irgendwie reingequetscht, notfalls ums Eck. Denn auch die Häuschenküche ist ein schmaler Schlauch, der keinen Tisch erlaubt.

Im Laufe der Jahre und mit Olivers Einzug und Verbleiben weitete der Küchenbereich sich auf ein Tee- und Edelstahlregal im Flur aus und kroch schließlich (die großen Pastaschüsseln!) bis neben die Hausbar im Wohnzimmer. Dabei mag ich das gar nicht, ich habe gerne alles verstaut und unter Dach und Staubschutz. Aber es half ja nichts, Küchenkrempel vermehrt sich eigenständig, sobald man nur einmal nicht hinschaut.

Offene Wohn-Essbereiche mag ich nicht so, höchstens bei Häusern - auf keinen Fall in “meiner” Wohnung. Mein Traum war immer eine Küche, in der man mit vier bis acht Leuten sitzen kann, ohne dafür groß umbauen zu müssen. Endlich erfüllt er sich: Die neue Küche ist ca. 16qm groß und ist bereits leuchtend orange. Das wird herrlich. Oder wie der frischgebackene vierjährige Nachbar bestätigte: »Ganzwunderbaaar!«

# 25. August 2006 um 09:42 PM
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