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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Freitag, 30. September 2005

Lange nach Mitternacht

Nandi ist wieder hier und unglaublich froh darüber. Ich auch. Er wackelt immer noch ein bisschen beim Herumlaufen, aber es geht ihm sehr viel besser als vor der Infusionstherapie. Oliver - der das Abendessen jagen ging - brachte eine Zwiebel-Thunfisch-Pizza mit, obwohl seine Lieblingspizza eindeutig Salami-Peperoni ist. Schon klar, was das sollte :-) Nandi hat dann auch wonnevoll einen Happen frischen Fisch gegessen.

Eure Mails erzählen mir viele herzbeschwerende Geschichten von treuen kleinen Gefährten, die ihr gehen lassen musstet und ich danke euch nochmals für die lieben Gedanken, Comments, Mails und sogar eine E-Card, die zwar an Nandi gerichtet war (aber der goldene kleine Kerl hat ja zeitweise schon sowieso mehr Post bekommen als einige Menschen, die hier wohnen).

Wie ich nun damit umgehe, wenn Nandi schwächer wird, weiß ich nicht.

Der Nachbar, auf den ich aufpassen soll, verweigerte jedenfalls heute meinen Himbeer-Griess-Kuchen, den ich extra frisch und saftig gebacken hatte. Das lag nicht am Kuchen, den hat er nicht mal gesehen - er wollte einfach keinen. Dabei war das gruseligerweise das allererste Mal, dass ich etwas gebacken habe, was exakt genau so wie auf dem Rezeptfoto aussah. Oder sogar besser. Und auch noch so schmeckte, wie es aussah!

Aussah. Dann kam der Mann nach Hause und seitdem sieht der Kuchen ständig weniger so aus wie auf einem Griesskuchen-Porträtfoto.

Nandi sitzt auf dem Kratzbaum und wenn ich vor ihm stehenbleibe, schnurrt er zufrieden. Er hat sich diesmal sehr schnell wieder eingelebt hier, nach wenigen Minuten schon schrie er mir entgegen, dass er nun wieder da sei und freute sich, als er daraufhin vorsichtig getätschelt wurde. Elend sieht er aus, wie ein kleiner blonder Sack Knochen. Die Vorderpfoten sind bandagiert, die eine Bandage ist blutig. Es muss Horror gewesen sein, mehrere Tage am Tropf zu hängen. Aber er wirkt erstaunlich fit für seine Diagnose. Ich möchte aber nicht anfangen zu hoffen und dann tief abstürzen - ich lebe jetzt Tag für Tag mit dem kleinen Kerl und freue mich über jeden Moment, in dem er keine Schmerzen hat und ich die Entscheidung noch nicht treffen muss.

# 30. September 2005 um 10:39 PM
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Donnerstag, 29. September 2005

Ein Tag, der keinen Titel verdient hat

Nandi wird erst morgen aus der Tierklinik kommen, die Stunden bis dahin sind lang. Unter anderem auch deswegen, weil Miss Peppermint ihren Kummer herausschreit und es sich nur sehr langsam arbeiten lässt, wenn man ein proppedickes Katzenmädchen auf dem Arm halten muss.

Zu allem Überfluss ist meine Freundin und Nachbarin im Urlaub und hat mir statt zu gießender Blumen ihren Mann zurückgelassen, der letztes Jahr mehrere Schlaganfälle hatte, mir aber soeben - sehr leise und mit zittriger Stimme, während er vor und zurück schwankte und sich im Stehen am Stuhl festhielt - erklärte, er würde keine Hilfe oder Pflege brauchen, wir sollten bitte nicht so tun, als sei er schwerkrank. Ah ja. Na dann.

Ich hab ihm erklärt, dass er mich sowieso nicht loswird, ich würde morgens und abends nach ihm sehen und wenn er irgendwas braucht, soll er bitte seine Klingel drücken. Er hat nämlich schon seit einem Jahr eine dieser elektronischen Funktürklingeln, bzw. ich habe die und er hat den Knopf dazu, in 3 cm großen Buchstaben mit CAROLA beschriftet. Krankenkassen und ambulante Dienste bieten natürlich ähnliche, weit erprobtere und umfangreichere Notfall-Services an, aber die wollten sie wohl irgendwie nicht haben (seufz).

Ab und zu testen wir gemeinsam am Telefon die Batterie, dann erschallt eine sehr laute Gongmelodie direkt über meinem Kopf, denn Oliver hat das Biest irgendwo über meinem Arbeitsplatz im Regal festgemacht. Gefüttert werden will Herr Nachbar nicht, zum Essen ausgeführt werden auch nicht, etwas mitgebracht bekommen auch nicht und außerdem möchte er »Reich und schön« gucken und ansonsten Premiere und dann erklärte er mir noch, eine alte Freundin käme später zu Besuch, ich müsste da nicht nachgucken kommen. So ist das.

Ich komme mir trotzdem nicht überflüssig vor.

# 29. September 2005 um 10:18 AM
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9 Leben und noch ein paar Wochen

Eure vielen mitfühlenden Comments und lieben Mails haben mich zum Weinen gebracht, bei jeder einzelnen Nachricht aufs Neue. Danke dafür, es musste wohl so sein und es hat auch geholfen. Der Tag gestern war furchtbar, ich bin irgendwann einfach ins Bett gegangen und habe mich ausgeweint.

Nandi im Mai

Dieser Sommer hat ihm gut gefallen, weil er kahl geschoren sein durfte (das liebt er so sehr – er ist so gerne nackig wie niemand sonst, den ich kenne) und auch jetzt ist es ein Glück, dass die Haare noch nicht wieder lang sind, sonst müsste man ihn kämmen, damit er nicht verfilzt und würde ihn damit nur quälen. Zahnweh hat er auch keins mehr, da er jetzt nur noch zwei Zähne hat.

Das wird nun in den nächsten Wochen alles nicht sehr einfach werden, aber ich bin trotzdem sehr froh, dass wir ihn noch mal zurückbekommen.

Heute denke ich, dass die Entscheidung für eine letzte Infusionstherapie richtig gewesen ist, weil wir diesen Abschied brauchen und er ihn verdient hat - außerdem wäre es blödsinnig, von für den Therapieerfolg benötigten vier Tagen jetzt den letzten auszulassen, den schafft der kleine Kerl jetzt auch noch, auch wenn wir ihn sehr vermissen. Jetzt wird es ihm noch einmal besser gehen.

Morgen darf er nach Hause und ich hoffe sehr, dass seine letzten Wochen so verlaufen wie geplant.

# 29. September 2005 um 10:12 AM
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Mittwoch, 28. September 2005

Neun Leben.

Als Nandi klein war, sagten die Leute zu mir, dass ich mir das gut überlegen soll, mir eine Katze zu halten. Es waren dieselben Leute, denen es wichtig ist, was die Nachbarn denken, die bei der Auswahl eines Partners auf seinen Kontostand und gesellschaftsfähige Coolness achten und wissen, was man so tut und was keinesfalls.

Die Leute sind im Grunde gut und edel oder im Grunde schlecht und ein Mob, je nach Wetterlage. Einige sind verwandt und andere nur Nachbarn oder Kollegen, manche auch Freunde oder Verwandte, die an den Kanten bereits zu schimmeln beginnen, was man aber gern für Edelreif hält.

Die Leute berücksichtigten keineswegs die Tatsache, dass Nandi und seine Schwester bereits bei mir wohnten und hielten mir viele Wochen lang nadelstichartige kleine Vorträge. Wenn ich weniger Textplatz hätte, um die Leute zu beschreiben, würde ich sagen: Es lindert ihnen ihre eigene Gegenwart, wenn sie anderen etwas von ihrem Glanz nehmen können. Ihr kennt sie sowieso, diese Leute. Einige von euch treffen sie täglich, manche tun das im eigenen Bad.

Die Leute also sagten: Alleinlebende Frauen mit mehreren Katzen, warum machst du nicht gleich ein Schild »Alte Jungfer« an die Klingel, haha. Kein vernünftiger Mann nimmt eine Frau mit gleich mehreren Katzen. Was ist mit Allergien? Sie werden dein Sofa zerkratzen und schlimmer. Du kannst ab jetzt nicht mehr in Urlaub fahren, nun bist du ans Haus gebunden, wie furchtbar. Ich finde ja, Katzen sind falsch,  Hunde sind viel bessere Tiere. Und denk daran, Katzen können über 20 Jahre alt werden!.

Wenn ich daran dachte, dass Katzen über 20 Jahre alt werden können, wurde mein Herz ganz warm und schwoll aufs Angenehmste an. Der kleine Kater und ich, wir mussten uns nur ansehen und schon schlossen wir beide halb die Augen und begannen zu schnurren, ohne uns auch nur berühren zu müssen. Seine goldene kleine Stirn passt perfekt in meine rechte Hand. Wir hatten es von Anfang an gut miteinander, wir passen zusammen.

Von Anfang an versprach ich dem pubertierenden Katerbaby, dass ich ihn nie im Stich lassen würde und er sagte zu, dass er sein Bestes geben würde bei dem Versuch, ganz alt zu werden, woraufhin ich bereitwillig versicherte, ihn auch als inkontinenten und grantelnden kleinen Opa immer noch zu lieben und zu wollen und für ihn da zu sein, wenn er eines Tages gehen musste. Ich verzichtete auf das warnende Schild an der Türklingel und auf Allergien und Männer, die mir in einem ziemlich frühen Stadium der Bekanntschaft verkündeten, dass sie lieber ohne Katzen leben würden. Das Sofa wurde zerkratzt und schlimmer, aber ich bin trotzdem gelegentlich in Urlaub gefahren und stellte dort oft fest, dass ich lieber zuhause geblieben wäre, wo es neben mir schnurrte und schnaufelnd atmete.

Vierzehn Jahre und drei Monate.

-
In der Tierklinik war man gestern Abend der Meinung, dass eine Infusionstherapie sich nicht mehr lohnt, weil sie nur vorübergehende Linderung bringen wird, und hat vorgeschlagen, das Tierchen zu erlösen. Ich hatte es befürchtet und bin deswegen nicht mitgefahren. Denn wenn ich nicht dabei bin, kann so eine Entscheidung nun mal nicht sofort getroffen oder gar umgesetzt werden - es ist zwar unser Kater, aber es ist auch mein goldener kleiner Nandi. Es kommt nicht in Frage, dass er an einem Tag noch hüpft und rennt und frisst und schnurrt … am nächsten herumwackelt und abends einfach mal eben so eingeschläfert wird, das kann so nicht stattfinden.

Nandi hat einen Abschied verdient und wir auch.

Mit oder ohne Infusionen, er hat nur noch ein paar (wenige) Wochen, sagt die Ärztin. Mit Infusionen geht es ihm noch mal eine kurze Weile relativ gut. Ob das nun also ‘finanziell sinnvoll’ ist oder nicht, wir haben Nandi bis Freitag in der Tierklinik gelassen für eine Infusionstherapie, so dass es ihm hoffentlich noch einmal wesentlich besser gehen wird. Länger lassen wir ihn auf keinen Fall dort.

Hoffentlich ist es die richtige Entscheidung gewesen, es bricht mir fast das Herz und nicht nur mir. Er ist zwar jetzt leider noch einmal ein paar Tage von zuhause weg, aber danach wird dann alles so gut, wie wir es hinbekommen. Es kann nur falsch sein, eine geliebte kleine Katze einfach in einer Klinik abzugeben und wegwerfen zu lassen wie ein gebrauchtes Taschentuch, also muss es doch irgendwie richtig sein. Hoffe ich.

In der durch diese Behandlung gekauften Zeit kann er dann bei uns sein und wir bei ihm. Er wird vieles essen dürfen, wovon er sich sonst nur ein paar Fitzel klauen konnte - das wird ihm gefallen, Essen ist immer sehr wichtig für so ein Katerchen. Ich plane Huhn und Lachssteak und Sprühsahne, drei ganz große Leidenschaften – wir haben nur alle paar Jahre für einen bestimmten Gast mal dieses grausame Sprühsahnezeugs im Haus, aber Nandi hat das Geräusch zur Sahne niemals vergessen und wurde immer sehr aufgeregt.

Er wird die Stirn gekrault bekommen, ohne in den Hintern gezwackt zu werden. Nandi wird auf der Heizdecke schlafen dürfen und wir werden ihm seinen geliebten Jazz vorspielen und ein bisschen indisches Gejaule ab und zu, das mochte er immer so gerne und tanzte mit hoch erhobenem Schwanz dazu herum, vor allem, wenn sein Name darin vorkam. Ich werde den weltbesten Katzenaufbewahrungskarton oder zwölf davon besorgen.


Vor allem aber kann ich in der verbleibenden Zeit einen Tierarzt finden, der ihn dann am Ende bei uns zuhause einschlafen lässt, in seiner gewohnten Umgebung.


Ich wusste es gestern, als das abgemagerte kleine Kerlchen beim Hochspringen vom Kratzbaum fiel und dann zu mir kam, um schwankend aufs Sofa zu springen und trotz allem zu schnurren. Ich wusste es, obwohl er am Tag vorher noch richtig fit war. Und wir lassen ihn jetzt nicht im Stich, nur weil sein neuntes Leben aufgebraucht ist.

Nandi von Chera, Pedigree Goldbärchen

# 28. September 2005 um 07:52 AM
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Dienstag, 27. September 2005

Bleiherz.

Das dicke kleine Katzenmädchen auf meinem Arm und ich horchen immer noch stumm dem Schlagen der Tür hinterher, das schon vor Ewigkeiten verhallt ist. Der blonde Kater stolperte und wackelte heute den ganzen Tag in der Gegend herum wie ein kleiner Schlaganfallpatient, es war herzzerreißend und gegen Abend kam es mir dann auch noch so vor, als hätte er Schmerzen. Nun ist er mit Oliver unterwegs in die Tierklinik, um Infusionen zu bekommen, die hoffentlich helfen. Eigentlich sollten wir uns erst Ende nächster Woche melden, aber es ist offensichtlich, dass es dem Tier nicht gut geht.

Edit: das ist alles gar nicht gut.

# 27. September 2005 um 05:07 PM
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