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Mittwoch, 03. November 2004

Red Herring

Weil ich etwas schreiben und berichten soll, obwohl ich doch gar nicht will und den ganzen Kopf voll Meeresluft und angenehm salzigwarmer Müdigkeit habe, zeige ich euch statt dessen einfach einen meiner liebsten Links. Das eingelegte Drachenbaby: http://www.smh.com.au/articles/2004/01/28/1075088090949.html

“Mr Mitchell said: “The dragon is flawless, from the tiny teeth to the umbilical cord. It could be made from indiarubber, because Germany was the world’s leading manufacturer of it at the time, or it could be made of wax. It has to be fake. No one has ever proved scientifically that dragons exist. But everyone who sees it immediately asks, ‘Is it real?”

Das muss dann jetzt aber auch wirklich eine Weile reichen.

# 03. November 2004 um 05:57 PM
diary style • 0x FeedbackDrucken





Dienstag, 02. November 2004

High Noon in der Strandbar

Die Milchbar mit Meerblick wird von einem brüllenden Kleinkind terrorisiert und auch der Abtransport durch Mama auf die Außenterrasse geht nicht besonders geräuschlos ab. Aber das ist egal, ich kann das Kind und die verzweifelten Eltern sauber ausblenden, denn der Kaffee ist gut und hier direkt über dem Strand kann man sitzen und schreiben, wenn auch eigentlich ganz andere Themen anliegen würden als die Atmosphäre in einem schönen Café. Schräg links sitzen zwei wie Chefsekretärinnen aussehende Frauen Mitte 30, sachlich gestylt, bebrillt, sie gucken streng und teuer parfümiert. Ich weiß, wie man die bedient, ich könnte ein offenherziges Anlächeln über sie ausschütten und sie würden unverbindlich zurücklächeln und mich fortan freundlich gesinnt betrachten. Es amüsiert mich aber weit mehr, die strengen Blicke kühl zurückzugeben und von Kopf bis Fuß und wieder zurück kritisch gemustert zu werden. Wenn sie sich kurz und unauffällig eine Bemerkung zufallen lassen, und das geschieht bestimmt bald, denn sie beobachten das Getippe auf dem Laptop sehr genau, dann kann ich immer noch den fremden kalten Krähenblick in einen fastnachbarschaftlich anmutenden verwandeln. Lächeln ist so mächtig, auch wenn es ein getarntes Lachen ist über all das, was in der Welt geschieht.

Mein Handy gibt zu meinem haltlosen Entsetzen fröhlich dudelnde Fahrstuhlmusik von sich und da ich diese Nummer fast niemandem gegeben habe, dauert es ein paar Sekunden, bis ich begreife, dass es sich um einen Anruf handelt. Der erste überhaupt auf diesem Handy, wenn ich ehrlich bin (ich mag Mobiltelefone nicht wirklich), aber leider kann ich genau jetzt und hier nicht reden, denn neben dem Tobekind, dem geräuschvollen Zusammenräumen des für drei Kindergärten ausreichenden Spielzeugvorrats und Enyas „Only Time“ in der Dauerschleife geht es einfach nicht. Die Dame mit dem dunkelgrell pink übermalten Mund hat die hysterisch eng verschränkten Arme irgendwie vom Oberkörper abgelöst bekommen - irgendwer muss ihr geholfen haben, als ich nicht darauf geachtet habe - und wippt nun einen ungeduldigen Fuß in gekünstelter Nachlässigkeit auf und ab, das Kinn in charmant-neckischer Anmutung (denkt sie) auf eine merkwürdig in sich gespreizte Faust gelehnt. Details, die mir nicht auffallen würden, wäre sie nicht damit beschäftigt, mich zu mustern. Sie findet sich sehr stylish, das sieht man. Ich finde das eher nicht, aber extrem anstrengend sieht sie aus. In der Ecke sitzt ein kleines blondbezopftes Kind mit einem Teddy, das still ein Buch liest und fragend eine Hand hebt, wenn es der Mama eine Frage stellen möchte. Terrorkind gleichen Alters („Dirk-Jannis“) wälzt sich mitsamt Erziehungsberechtigten brüllend über die Terrasse mit Ausblick und eine schicke ältere Dame in elegantem weißem Mohair nickt mir freundlich zu, bevor sie sich mit ihrem Milchreis am Tisch gegenüber niederlässt.

Pinkbemalte Schnute und die andere Squaw kommen mir immer vertrauter vor, je länger sie mich bei ihren Dialogen (un)heimlich beäugen. Jetzt habe ich sie auch erkannt, es müssen dieselben Frauen sein, die frühmorgens im Doppelpack hoppelnd und quasselnd über den Trimmpfad im Wald joggen. Die Gesichter kann ich mir nicht merken, aber die Themen habe ich erkannt: Andere. Andere Frauen und dann noch, wie die eine einen Mann findet, denn die andere in einem typischen Zweiergespann hat meist einen festgenagelt und kann daher gute Tipps geben, Mut zusprechen und die interaktive Tussentherapie durchführen. Die TT besteht in einem andauernden gehässigen Abgleich von Figur, Frisur und Lebensumständen anderer Weibchen, bei dem man sich ununterbrochen gegenseitig bestätigt, dass man besser ist. Das tröstet und ersetzt kurzfristig die andere Option, etwas am eigenen Leben ändern nämlich. Das geht zwar auch, ist aber nicht so einfach. Zu zweit sind sie echt stark, irgendwie verdammt cool und halten sich für sehr witzig, weil Ablästern und Ratschen einen guten Orgasmusersatz abzugeben scheinen. Auch dieses ältere, in den Augenwinkeln angeschrumpelte Modell, nicht nur die unerfahrenen Twens. Man fühlt sich mehr allein als sonst, wenn man diese Symbiosen sieht – aber das dann so, als ob das Solo etwas richtig Gutes von anhaltendem Wert ist. Vielleicht kenne ich die zwei auch gar nicht vom Hoppeltrippeljoggen, sondern aus der Schulzeit oder früheren Kollegenkreisen? Ich weiß es nicht, aber ich habe Spaß an ihnen. Mehr als sie wissen dürfen, aber sie merken das auch gar nicht und mein stummes Getippse tut anders als das hörbare Rütteln ihrer Schwanzklappern auch keinem weh.

Eine unerwartete Wendung nimmt das Beäugen, als eine fröhliche junge Frau mit Apfelbacken mich quer über drei Tische anlacht, denn ich greife hinter dem aufgeklappten Laptop nach dem Wasserglas und muss herumtasten, weil ich mir nicht gemerkt habe, wo es steht. Ich grinse zurück und ein kurzes Gespräch über die beiden anderen hinweg entsteht. Pinkbemalte Schnute setzt ein distanziert süffisantes Gesicht auf und schaut aus dem Fenster, um zu demonstrieren, dass sie einfach sehr cool ist und nicht auf diese Art mit anderen kommunizieren muss oder einfach, weil das ihr Bürogesicht ist und sie die anderen verlernt hat. Nun gönne ich mir den Spaß und lächele die beiden satt offenherzig an wie ein liebes Sonnenscheinchen -  die Blondierte bricht sofort ein und lächelt völlig erleichtert und merkwürdig beglückt mit allen Zähnen und viel Zahnfleisch zurück. Pinkbemalte Schnute verzieht reflexartig das ganze Gesicht zu süßlich wirkender Freundlichkeit - sie muss eine irre Angst vor der Welt haben tief da drin unter der nach zukünftigem Langwuchs hinabstrebenden Fönfrisur, oder denke ich das nur? Sie brauchen dann sehr lange, um ihre Täschchen, Jäckchen und Schultertücher zusammen zu suchen und zu gehen, dann sind sie weg. Ich überlege, ob man gute Aussichten auf einen Freispruch hat, wenn man unter Enya-Dauerberieselung etwas Unbedachtes tut, wüsste aber jetzt auch gar nicht, was das sein könnte.

Das Mittagsgericht sollen Steakspitzen in Sauce auf grünen Bandnudeln sein und ich bestelle vorne an der Theke. Zuerst sieht das so aus, als ob es gut klappen könnte, dann kommt ein asiatisch aussehender Mensch aus der Küche und möchte gerne meine Bestellung aufnehmen, die ich aber schon dem anderen Thekenbewohner gegeben habe. Auf meine Erklärung hin sagt er „Harampfabbasdfdf.“ Oder so ähnlich, es lässt sich mit einiger Mühe als „ich mach das schon“ interpretieren. Also wiederhole ich meine Bestellung und ernte prompt ein „gmpfgnabrmpfngnö blabrng hmpffgn“. Ich zeige auf das Schild „Steakspitzen in Sauce auf grünen Bandnudeln“ und er beginnt damit, Reis und Curry-Sauce auf einen Teller zu schaufeln. Ich schüttele den Kopf, wiederhole langsam und deutlich meine Bestellung, zeige auf die Steakspitzen und zeige auf irgendwelche Nudeln, denn grüne gibt es gar nicht. Er kontert unerbittlich auch bei der vierten vorsichtigen Nachfrage mit „hgrfdfskklmänghj sasdfkdf hmmgggghhhmmnpf!“, reicht mir den halbvollen Reisteller und ich habe keine Wahl, als seinen danebenstehenden Mitkellner anzusprechen und leise, bedacht und freundlich zu sagen „ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich verstehe kein Wort von dem, was ihr Kollege sagt und ich möchte wirklich nur das Tagesgericht bestellen, nicht den Reis mit Curry.“ Natürlich sagt der eingeborene Kellner dann vorwurfsvoll zu mir „Hmpffnngä wollte Ihnen nur helfen“ und ich fühle mich gemein, verständnislos und nicht ausländerfreundlich genug. Ich verspüre das dringende Bedürfnis, den vorbildlichen Deutschen detailliert bis hin zu den feuchtwarmen Details über meine zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen Nationen in den letzten 20 Jahren zu informieren, schleiche dann aber geknickt an meinen Tisch zurück in der Hoffnung, dass die anderen Gäste nicht mitbekommen haben, dass ich darauf bestanden habe, das Tagesgericht zu bekommen. Bin dann doch bald sehr froh, dass ich dieses leckere Essen erstritten habe, statt mir aus fehlgeleiteter Höflichkeit ein anderes (seltsam orangefarbenes) aufnötigen zu lassen. Manchmal ist das Leben unnötig schwierig. Finde ich.

Die ältere Dame lächelt mir immer wieder zu und fragt dann, ob ich arbeite. Ich schäme mich schon wieder fast, denn ich habe die USB-Festplatte absichtlich vergessen, um hier am Meer rumsitzen und ohne irgendwelche Aufgaben einfach zu machen, was ich will. Ich schreibe nur ein bisschen, was mir so alles passiert und durch den Kopf geht, erkläre ich. Ah, sagt sie. Wie Kerouac. Wie Kerouac, sagt sie und ich könnte weinen. Einfach nur weinen. Einmal aus dem offensichtlichen Grund und dann auch noch, weil ich eine Lebensversicherung habe, Bügelwäsche und WLAN und dabei könnte ich doch auch in einem zerbeulten zugesifften VW-Bus völlig pleite durch die Welt reisen, am besten in Krisengebiete oder verkommene Metropolen, um darüber zu schreiben, wie lebendig und wie scheiße und wie grandios und einzigartig die Menschheit ist und die einzelnen Menschen sowieso und mich Tag für Tag aufreiben und an tiefenphilosophischen Anwandlungen kaputtgehen, aufbrechen förmlich und ausbluten und dann aus den offenen Stellen das Leben rauslaufen lassen direkt bis auf die Tasten und dann .... dann.

Jetzt kann ich natürlich nicht weiterschreiben. Ich meine, wer könnte das schon noch. Wie Kerouac! So ähnlich, sage ich. Was soll ich auch sonst sagen.

# 02. November 2004 um 03:13 PM
fictionfragments • 7x FeedbackDrucken





Montag, 01. November 2004

Notizen bloggen.

Wunderbar: Zugfahren. Bei Überschneidungsabteilen mit Kegelclubs vergeht sogar mir diese so oft fehlgeleitete Annahme, dass alle anderen zunächst mal klug, belesen und freundlich sind, nur weil sie eine Brille tragen oder nicht bösartig schielen. Alles ist heilbar. Yeah.

Typisch: Tasche mit Badezeugs zu Hause stehen lassen, aber vorfrankierten voradressierten wattierten Umschlag fürs Weiterschicken von einem Buch an Moe artig vorbereitet und sorgfältig eingepackt. That’s me.

Trolleys: Koffer sind Relikte.

Nahrung: Größtenteils Mittelmeerküche. Weil auch hier der Fisch erst angeliefert wird, hier hält gar kein Kutter und auf die Frischfischillusion muss man nicht eingehen. Herrlich ist das gute Wasser *gluck*

Lesen: Mehrere Stunden auf Lesen und eine Rezension verschwendet, die niemals das Web erblicken wird, weil zwischenzeitlich klargestellt wurde, wie sehr man doch seine Zeit mit dem Versuch einer fairen Beurteilung verschwenden kann.

Lesen II: Oh ja. Gerne und oft und viel und offline.

Internet: Ja, hier.

Kurz überlegt: Beim dritten Anruf des Hausgastes (“brauchen die Katzen nachts Licht? Dann lasse ich es uns an!”) überlegt, ob ich ihr sage, dass die Puschels jeden Abend eine halbstündige Ganzkörpermassage mit Thunfischöl erwarten. Ist zu riskant.

Handy aufräumen/entleeren:

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(Miss Peppermint, Nandi, die rote Lola im Kreise ihrer Familie und vor dem Umzug zu Indy, eine runde Nana-Schönheit beim Modeln, ein Jahresvorrat Plüsch.)

Neue Kategorie gemacht: Norderney

Lifestyle: Independance Days. Wir schalten zurück zum Geschehen in der Strandbar.

# 01. November 2004 um 01:35 PM
Norderney • 1x FeedbackDrucken





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