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Samstag, 08. Juni 2002

Ach so.

“Sehr geehrte Nachbarn,
es könnte heute am 8.6.02 von 8 Uhr bis 11 Uhr lauter werden als es normalerweise ist, da ich heute heirate und wir eine traditionelle Heiratsaufgabe durchführen müssen, wobei mein Mann einige Aufgaben erfüllen muss.
Ich danke Ihnen im Voraus für Ihr Verständnis,
mit freundlichen Grüßen ...”

Neben unserem Küchenfenster (!) an unserem Häuschen, das separat hinten im Garten liegt, klebt ein selbstgemachtes Poster mit 9 Fotos von weiblichen Ärschen (bekleidet, sagt Oliver - ich habe nicht den Nerv, jetzt nachzuschauen). Das erklärt natürlich einiges - diese “Heiratsaufgabe” hat offensichtlich das gesamte Haus terrorisiert. Nicht, dass es sonst wesentlich ruhiger gewesen wäre in den letzten Tagen, aber es wäre weit intelligenter gewesen, so etwas vorher anzukündigen und die Leute, deren Eingänge, Häuser und so weiter man als Gebrauchsmittel einsetzt, wenigstens zu informieren.

Das Gute daran ist, dass es nun wirklich bald vorbei ist :-)

die Ärsche aus der Nachbarschaft hängen neben unserer Tür herum

—-
Nachtrag :-)

Einen weisen Mann habe ich geheiratet. Nachdem ich nun beschlossen hatte, dem Tipp von Kathinka folgend dieses Übersetzungstool] zu verwenden und endlich ein Türschild zu erstellen, nötigte er mich, den russischen Satz doch vorsichtshalber noch mal rückzuübersetzen. Nur so zur Kontrolle ...

Die Ruhe schnalzen, bitte - die Tür, nicht.

Na gut, ich geb’s auf. Wird schon irgendwann vorbeigehen.

# 08. Juni 2002 um 10:52 AM
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Immer wieder Samstags ...

8 Uhr 30 - Eine Mail von eben:

—-
Betreff: F: Wer spricht / schreibt Russisch ...

...und kann mir mal eben mailen, wie man auf russisch schreibt
BITTE DIE TÜR NICHT KNALLEN LASSEN, SONDERN RUHIG SCHLIESSEN

Im Nebenhaus heiratet die Tochter des Hausmeisters und da ich unsere Eingangstür (als Abkürzung zu den Parkplätzen für die Feiernden) aufgelassen habe, trampelt hier seit heute morgen 6 Uhr eine unerbittliche kreischende gackernde hochhackig klappernde, durch unsere Jalousien schielende und laut tratschende Karawane russischer Frauen von 12 bis 84 Jahre, die leider alle die schwere Hoftür mit dem teuren Schloss einfach zukrachen lassen. Erstens ist die halbe Nachbarschaft schon wach, und zweitens geht die Tür kaputt.

Seufz :-)

Die feiern seit drei Wochen und wahrscheinlich noch drei Wochen und obwohl ich es ihnen herzlich genervt meinetwegen beinahe gönne, jede verdammte Nacht besoffen und laut singend auf dem Balkon zu hängen bis 4 Uhr früh und dann ab 6 Uhr die Türen zu knallen, hätte ich einfach gerne ein “Schutzschild” für die Tür :-)

Jetzt sagt mir bitte nicht, dass man Sonderzeichen installieren muss, um diesen Satz auf russisch zu schreiben, dann bevorzuge ich nämlich eine Grafik.

Viele Gruesse
Carola

waah. da kommen sie SCHON WIEDER. Das vierte Mal, seit ich diese Mail schreibe.

—-

Und ich tippe schnell. Wollte ich nur mal anmerken. Beinahe habe ich auch vollstes Verständnis dafür, dass sich an die zwanzig Leute jeden Abend in eine 3-Zimmer-Wohnung quetschen, um kollektives Kampfsaufen und Gesinge zu veranstalten - wer weiß, wo die anderen 19 wohnen, sicher nicht in einer so teuren, schönen und ruhigen Gegend, in der die Nachbarn derartig höflich sind. Aber ... dann kam der Besuch aus Russland erst dazu und dann ging diese angebliche Hochzeitsvorbereiterei erst los.

Gerade jetzt schreien sich zwei angetrunkene Frauen an, die sich wegen irgendwas nicht einigen konnten, während fünf kreischbunte Kleider mal wieder an unserem Gartenhäuschen vorbeiklackern und ins Fenster schielen. Die Nachbarn, die direkt drunter wohnen, haben mir anvertraut, dass sie übers Wochenende verreisen, weil sie es nicht mehr ertragen. Genau wie ich möchten sie nicht unbedingt bei einer Hochzeitsfeier die Miesepeter sein, deswegen haben sich die direkten Nebenmieter bisher darauf beschränkt, um 3 Uhr früh darum zu bitten, dass das laute Mitsingen auf dem Balkon entfällt und so (woraufhin es dann meistens für 5 Minuten ruhig wird).

Krawooooschhhhhht.

Das war mal wieder die Tür.

Bisher habe ich mich noch nicht und nirgendwo beschwert, ist ja keine Reihenhaussiedlung hier, wo die Nachbarn gleich die Polizei rufen, wenn jemand mehr als zweimal im Monat eine Grillparty macht oder so. Besuch aus Russland will natürlich feiern, schon klar (muss man immer so saufen?). Wir machen zwar selbst keinen Lärm :-) aber OK, feiern sie halt. Aber die letzten drei Wochen waren schon recht anstrengend. Vielleicht ist ja heute endlich DER GROSSE TAG und danach hört es endlich mal auf.

Wir wussten auch gar nicht, dass man in Russland Muezzine hat, aber anders kann ich es mir nicht erklären, wenn sich jemand vom Balkon hängt und aus voller Kehle monoton brüllt und brüllt und brüllt. Oj, es ist schon lustig hier. Es MUSS einfach heute endlich diese verdammte Hochzeit sein.

P.S. Das glaubt mir wieder keiner ... jetzt stehen 15 laut sprechende und pöbelnde Russen im Garten vor unserem Fenster und brüllen sich gegenseitig mit dem Muezzin was zu. Ich war schon fast bereit, mir die Ohren zuzuhalten, weil es so verdammt laut wurde - da wurde es schlagartig ruhig. Für drei Minuten, dann kamen die Männer der Reihe nach alle vorbei (die arme Tür). Ich glaube, ich hab’s kapiert: Irgendwer zeigt auf dem Parkplatz sein Auto? Transportieren tun sie jedenfalls alle nix.

Ach. Wenn dieses junge Mädchen wüsste, wie wir uns alle freuen, wenn sie endlich unter der Haube ist.

Nachschlag aus den Tiefen des Webs:

  1. ja sicher ist dort ein Türstopper. Der hilft aber auch nix, wenn jemand die schwere Tür mit voller Wucht dagegen knallt. Ich suche eigentlich nur eine Übersetzung für das Türschild.
  2. ja sicher gibt es irgendwelche Methoden, eine schwere Tür zu “verlangsamen”, damit sie nicht im Wind schlagen kann. Die interessieren mich aber eine feuchte Grillasche, ich suche eine Übersetzung für ein Türschild.
  3. ja sicher könnte ich mit denen vernünftig reden ... wenn sie nicht alle dauerbetrunken wären und ich ein paar Worte Russisch könnten oder sie ein paar Worte Deutsch. Ich suche jedoch kein Gespräch (und will auch nicht “einfach mitfeiern”, ganz im Gegenteil), sondern eine Übersetzung für ein Türschild.
  4. nein, ich bin nicht daran interessiert, mit irgendwelchen sozial- bis sonderpädagogisch belasteten Leuten um diese Tageszeit und in dieser Stimmung darüber zu diskutieren, ob ein “konstruktiver Lösungsansatz” mehr Sinn macht als “der Versuch, andere zu disziplinieren”. Ich suche eine Übersetzung für ein Türschild, sonst nichts.

Mal abgesehen davon, dass es zum Kreischen komisch ist, wenn solche selbsternannten Erziehungsberechtigten mich zu disziplinieren versuchen, indem sie mir vorwerfen, ich müsse meine Disziplinierungsversuche (so ein Schwachfuck) konstruktiver angehen ... hilft mir das alles nicht wirklich weiter. Wobei durchaus auch intelligente Mails kamen, so hat [Kathinka] mir einen Übersetzungsdienst rausgefischt und [Anne] ein Pictogramm vorgeschlagen *LOL :-) damit könnte ich dann schon eher was anfangen, mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass die mir vorschwebenden obszönen Pictos in dieser gesetzten Nachbarschaft angemessen wären *hüstel* Nachdem ich ordentlich Dampf abgelassen habe, geht’s mir sowieso wieder bestens. Und eins steht fest: Mailinglisten taugen nicht für solche Anfragen, nächstes Mal setze ich’s gleich ins Diary. Ich frage ohnehin so gut wie nie irgendwas auf Mailinglisten, weil genau DAS mich so abnervt. Wo aber ist die Grenze? Querdenker und kreative Anregungen sind schliesslich auch wertvoll und auf viele Ideen kommt man von selbst nicht. Ich schätze mal, die Grenze liegt genau da, wo man dann höflich zurückerklärt, dass man diese Lösung zwar kennt, aber konkret nach der anderen gefragt hat: Und der Mensch auf der anderen Seite sich übergangslos in einen belehrenden Oberlehrer Sabbel verwandelt, der partout nicht einsehen will, dass man nicht doch ... Ich muss mal wieder feststellen, dass jemand für den Wissensaustausch wertvoller ist, der eine Frage konkret beantwortet und es sich aber bei Halb- oder Nichtwissen auch verkneifen kann ... als jemand, der sich trotz mangelnder Kompetenz überall dazwischengurken muss, nur um zu zeigen, dass er oder sie IRGENDWAS weiß, kann oder meint. Es hält einfach so dermassen auf, sich mit so was befassen zu müssen, wenn man eine präzise Frage gestellt hat. Übrigens und überhaupt: Kompetenz kann man auch durch sinnvolles Schweigen beweisen. Nicht bei einer einzelnen Frage, aber an den richtigen Stellen in einem Netzwerk fällt es durchaus auf, wer überall mittratschen muss oder wer sich darauf beschränkt, Fachwissen weiterzugeben. (Ich spreche nicht von Chat, sondern von Kompetenznetzen ...). Nun gut. Genug geblubbert. Sieht so aus, als käme das Mädel wirklich heute unters Häubchen, die Besucherparade ist hupend davongefahren und wir stellen uns innerlich schon mal auf drei Tage Oktoberfest-Atmosphäre in 15 m Luftlinie ein. Seufz :-) (Meine Nachbarin hat vorgeschlagen, dass wir mal nach Moskau fahren und dort fünf Wochen lang ordentlich Lärm machen. Ehrlich, ich weiß nicht, ob das den Leutchen hier nebenan die Augen öffnen würde *gggg* )

# 08. Juni 2002 um 07:29 AM
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Mittwoch, 05. Juni 2002

High Energy

Nein, mal ernsthaft. Wenn irgendein Sachbearbeiter im Olymp sich vorgenommen hätte, mich mal so richtig durchzuschütteln, womit würde er dann eine anspruchsvolle Kundensituation aufpeppen? Richtig: Mit liebevoll gesetzten kleinen Details im restlichen Arbeitsalltag. Wenigstens EINMAL die Woche.

Nur mal angenommen, ich würde einen Webdesign-Kurs geben, der für Frauen mit PC-Kenntnissen ausgeschrieben ist, und zwar an einer äh höheren Bildungsstätte. Dann würde es doch niemals geschehen, dass ich einer Mischung von Profi-Fotografin über Psychologin bis Flamenco-Tänzerin gegenüber stehe ... deren Kenntnisse variieren von «ich weiß nicht, wie ich meine abgespeicherte Datei finde» bis zu «ich habe schon einen HTML-Lehrgang belegt und will jetzt noch mehr lernen».

Die eine würde in so einem Beispiel der Geschehnisse, die mich niemals treffen würden, vielleicht eine interne FAQ erstellen wollen, die nächste eine professionelle Fotogalerie und ein paar wollen nur mal gucken, Webprojekte hätte noch keine erstellt, deswegen wären sie da. Meistens. Wer nicht da wäre, legte großen Wert auf Nachpflege.

Jede Stunde würde garantiert komplett abweichend von der wunderbaren umfangreichen riesigen Powerpointpräsentation verlaufen, die ich erstellt hätte - von den ausgeteilten Blättern ganz zu Schweigen. Gibt’s nicht, das passiert mir nicht.

Und deswegen muss ich auch nicht früher kommen, länger bleiben und später gehen und zu Hause noch weitere Arbeitsunterlagen zusammenstellen, denn das ist ja alles völlig surreal und das Werkzeug wäre niemals obendrein der NETSCAPE COMPOSER von Netscape 4.78 (kein Scherz). Man hätte mir ja auch einen 6er Netscape zugesagt und das ursprüngliche Konzept drehte sich rund ums Konzept einer Homepage und nicht ums Seiten schrubbeln.

Unter dem Aspekt, dass es dann aufgrund der Abweichungen in den Vorkenntnissen doch eher ums HTML-Pages zusammenklatschen geht, bin ich natürlich heilfroh über das «Tool». Ist ja quasi konkurrenzlos.

Aber das macht alles nichts, denn eigentlich liebe ich Herausforderungen und diese Frauen sind sehr nett und glücklicherweise nur leicht in der Überzahl, ich hab es JETZT wieder völlig im Griff und eine hat mir auch schon eine komplette Reiki-Therapie angeboten. Mal abgesehen davon träume ich das alles sowieso nur, stimmt’s?
:-)

# 05. Juni 2002 um 06:39 PM
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Samstag, 01. Juni 2002

Mein Mann, das unbekannte Wesen

Wer um 10 Uhr morgens (wieder) schlafen geht, ist natürlich in der Versuchung, dann auch bis Nachmittags liegen zu bleiben. Warum auch nicht, bei dem schönen Wetter sind alle Orte, die ich bequem zu Fuß erreichen kann, familienüberflutet und selbst die Leute mit Schnuller laufen - bei Hitze - schneller als ich. Also genüsslich liegenbleiben und sich strecken und gemütlich überlegen, ob ich mich umdrehe und lese oder ob ich lese und mich vorher noch mal umdrehe und ... Toooor! Toooor!

So wach kann man innerhalb von drei Sekunden werden: DAS WAR IN UNSEREM WOHNZIMMER! Einziger Trost, dass es nicht der gutaussehende Gatte selbst war, der so in Ekstase geriet, sondern das Fernsehgerät. In dieser (eigentlich sonst ganz guten) Gegend muss man auch nicht selbst brüllen, offensichtlich erledigen das so viele Nachbarn gleich mit, dass es überflüssig ist. Und so schwanke ich zwischen dem Kissen über dem Kopf und der Flucht auf die Tasten und eine bittere Erkenntnis sickert durch, vermischt mit beziehungsinternen statistischen, historischen und demographischen Berechnungen:

Es ist Fußball-WM. Das hätte ich wissen können, denn sie ist alle vier Jahre. Wir sind aber erst drei Jahre und 9,5 Monate zusammen und es gab keinerlei warnende Anzeichen dafür, dass sie diesmal auch in unserem Wohnzimmer stattfinden würde! Wäääh. Da hat man sich gerade daran gewöhnt, dass sie sich unbeaufsichtigt jederzeit einen Urwald am Kinn wachsen lassen würden, am liebsten Chili und andere Sachen mit viel Zwiebeln essen OBWOHL sie die Konsequenzen kennen und dass ihre Oma knapp nach dem Sonnenaufgang anruft. Und dann das.

# 01. Juni 2002 um 11:52 AM
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Morgenstund, oh glory Day

An einem Samstag um 7 Uhr 45 von Olivers Oma angerufen zu werden, um einen Detailbericht des familieninternen Gesundheitswesen zu erhalten ... ist beinahe so toll wie ein Kater in der Umschulungsphase zur Operndiva oder die ungelogen fast 100 Jahre alte Dame mit dem Rasenmäher, die sich zielsicher meine verschlafenen Tage für den weitflächigen Landschaftsgartenbau vor meinem Schlafzimmerfenster aussucht.

Ich hätte ja gerne den Hörer weitergereicht, aber was hätte seine Oma davon gehabt, sich ein Schnaufen und Grunzen anzuhören? Mehr ist um die Tageszeit nicht drin. Aber ich habe keine Klagen, bin sowieso davon wachgeworden, dass jemand rhythmisch und voller Hingabe in den Flur kotzte - ich glaube, ich habe schon mal erwähnt, dass würgende Katzen sich als Espressomaschinen-Imitatoren verstehen - und wenn ich nicht mein Fahrrad über den Haufen gerannt hätte (und mir einen blauen Fleck am Zeh geholt), als ich es wegwischte, wäre das auch sofort wieder vergessen gewesen.

Lautlos auf einem Bein vor mich hin fluchend erfuhr ich dann weiter mit dem Hörer am Ohr, wo in der Nähe von Bremen bei Abwesenheit der Oma die Wolldecken aufzufinden sind: Falls es sich so ergeben sollte, dass wir in den Norden zu Besuch fahren (was wir nicht vorhaben momentan) und dass manche Kater es offensichtlich toll finden, sich in feuchte Waschbecken voller Zeugs und Geschirr usw. zu legen. OK, letzteres erfuhr ich nicht telefonisch. Mein Fahrrad steht übrigens nur deshalb im Flur, weil ich es nach fünf Jahren mal wieder sehen wollte, nein, weil Oliver die Räder in Ordnung bringt - und nicht, weil man uns die Garage gekündigt hätte und wir näher zusammenrücken müssen.

Jedenfalls ist der Sattel jetzt wieder so eingestellt, dass man auch als kleiner Mensch von 1,82 m wieder mit den Füssen auf den Boden kommt, wenn man auf dem Rad sitzt - boah, bin ich das Ding früher in High Heels gefahren?! - und überhaupt ist das ein so schönes Fahrrad, dass es meinetwegen auch im Flur stehen bleiben kann. Bis ich weiß, ob und wie ich fahren kann (Notiz: NACH dem Kurs an der Uni, die haben mich für ein halbwegs gesundes Erscheinen bezahlt). Mein Zeh schwillt langsam wieder ab.

Aus dem Garten dringt das Gequieke von frisch zu schlachtenden Spanferkeln. Seit im Nebenhaus eine Familie mit zwei Kindern wohnt, fragt mein Mann mich allabendlich und während seines Urlaubs auch tagsüber wieder und wieder aufgeschreckt: «Was war das???» und ich erkläre engelsgleich (oder heißt das abgestumpft?) geduldig: Eine 3jährige mit einem halbaufgeblasenen Luftballon, der prima quietscht und das etwa 16 Stunden am Tag. Ein kreischendes Baby, das sich mit dem anderen Baby im anderen Haus synchron einschreit. Ein kleines Mädchen, das mit einem Spielzeughammer oder Stuhlbein auf die Terrassenmöbel einschlägt und das etwa 16 Stunden am Tag. Eine 3jährige eben, die auch einfach mal so vor sich hin quiekt, und das etwa 16 Stunden am Tag. Kreisch quieks rumms hämmer huch quäk brüll sing fiep zack bumm.

Man gewöhnt sich irgendwann dran (hoffe ich - es sind erst vier Wochen). Oliver schaut bei jeder aufklärenden Antwort von mir ungläubig bis verwirrt und fragt beim nächsten durchdringenden Geräusch wieder neu. Das liegt natürlich daran, dass die 16 Stunden fast um sind, wenn er keinen Urlaub hat, sondern erst abends nach Hause kommt. Schlimm ist das auch alles nicht, denn dieses kühle coole kleine Haus ist fantastisch isoliert. Man muss es halt nur wissen: Dass niemand einen Clown gefangen hält und foltert, sondern dass Fräulein B. ihre Schicht angetreten hat. Dann hört man bald gar nicht mehr hin.

Jetzt ist es - anderthalb - Stunden nach dem Weckruf aus dem Norden und ich habe mich immer noch nicht wieder erholt. Ich könnte zurück ins Knäuel kriechen, in den Flur kotzen oder im Garten rumkreischen. Einen beliebigen Clown mit quietschiger Ballonnase gefangen nehmen und 16 Stunden lang foltern. Den Flur auf und ab Rad fahren. Diesen Eintrag hochladen. Erst diesen Eintrag hochladen und dann zurück ins Bett, wo zwischenzeitlich der Wecker gefangengenommen wurde und eins auf die Nase bekam. Warum bin ich eigentlich schon wach? Ach ja. Der Anruf.

# 01. Juni 2002 um 07:48 AM
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