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Montag, 15. April 2002

Gesundheit.

Welches Gift auch immer nun in Zeiten offener europäischer Märkte nun legal geworden ist, die neuen Werbespots für Medikamente, die das eigenmächtige Niederprügeln allergischer Reaktionen auf Gräser, Pollen, Irgendwas ermöglichen, versetzen mich mit ihrer Vielfalt und Häufigkeit in nicht mal widerwilliges Entzücken. Beliebige bunte Pille einwerfen und drauf mit Gebrüll. Egal was juckt und wo und ohne Rücksicht auf interne Verluste.

Da man mir von der Hautärzte-Front aus in den letzten 10 Jahren selbst bei ganz gelegentlichen Besuchen schon eine unvermeidliche Ganzkörper-Neurodermitis, eine atemwegsbedrohliche Katzenallergie und eine lebenslange Bronchitis fest in die schuppige Kralle versprochen hatte und nie was draus geworden ist, finde ich diese Entwicklung natürlich prima. Mir ist aufgefallen, dass kleine Pickelchen und leicht angegriffene Hautstellen gleich mit abheilen, wenn ich so ein Antiallergikum einwerfe (dreimal in 35 Jahren, kommt wieder vom Hocker) und sollte es parallel in der Nase gejuckt haben, dann hat das bestimmt auch aufgehört. Eine von fünf dubiosen auf dem rezeptfreien Markt erhältlichen Anti-Allergie-Pillen nehmen oder die über 60%ige Chance einer hautärztlichen Fehldiagnose eingehen? Ha, ich weiß schon jetzt, was preisgünstiger sein wird. Nicht dass es bereits irgendwo brizzelt oder fast schon niest. Das nun glücklicherweise nicht.

Nur eine Stelle juckt. Aber die ist im Kopf. Sind diese Pseudo-Medikamente nun wieder ein Stück Amerikanisierung? Werden auch wir nächste Woche ein Do-it-Yourself Zahnplombenkit beim Schlecker kaufen können und das normal finden? War “Kraft zum Kleben” nur ein Vorläufer aus einer endlosen Reihe orwellsch anmutender Werbeclips? Ist es nun lustig oder ein wenig befremdlich, dass Webseiten zur Aufklärung über Erektionsstörungen [[url=http://www.der-gesunde-mann.de]http://www.der-gesunde-mann.de[/url]] im TV beworben werden wie Dental-Prophylaxe und selbst der Promi, der zur Information über Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten auffordert, dazu sagt “WÄRE ich betroffen ...”? Frauen kämen damit nicht durch. “Wenn ich in die Wechseljahre kommen würde, was mir persönlich natürlich niemals passieren wird, würde ich mich über die Auswirkungen auf meinen Hormonhaushalt informieren, BEVOR ich sie kriege. Aber mir passiert das ja nicht. Ich habe auch nie menstruiert, und wenn, dann trat nur blaues Gel aus.”

Nein, ich spotte nicht wirklich. Medizinische Informationen und Aufklärungsarbeit sind gerade bei Tabu-Themen sehr wichtig. Wenn Männer abgehalfterte Fussballstars, gigantische Sprüche und noch gigantischere Locations wie ein ganzes Stadion brauchen, um über Körperfunktionen auch nur stellvertretend zu reden, bitte sehr. Bloss scheinen diese bombastischen TV-Spots mit dem “Independence Day” Feeling und dem unvermeidlichen Rhetorikgeschwall von einem kritikunfähigen und leicht zu beeinflussenden Zuschauerbrei auf der Empfängerseite auszugehen. Und ich habe langsam Angst, dieses Konzept könnte ziemlich stimmig sein.

# 15. April 2002 um 07:35 AM
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Samstag, 13. April 2002

Alt und weise

Heute Nachmittag: Die erste Grillfete des Jahres in einem Garten (fast) am Rhein. Gefroren hat keiner, das Feuer war groß und die Musik laut, was aber keinen gestört hat - alle Nachbarn waren mit dabei. Auf der Bank neben mir ein aus offensichtlich natürlich bedingten Gründen recht kurzhaariger junger Mann, der mir im Laufe eines nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gesprächsverlaufs anvertraut, er würde ja grundsätzlich nur wesentlich jüngere Frauen in Betracht ziehen für eine Beziehung.

“Hmm?” fragte ich ein bisschen unkonzentriert und lehnte mich enger in die Arme meines knackigen Ehemanns. Doch es gab kein Entkommen, ich wurde dann aufgeklärt “Mal ganz ehrlich, wenn man auch mit älteren Frauen ab 35 gut quatschen und so kann, also es ist doch was ganz anderes, wenn man jüngeres Fleisch anfasst. Viel sinnlicher.”

“Hm.” sagte ich und vertraute dann auf meinen Instinkt, dass ironische Antworten in so einem simplen Fall schlicht und einfach vergeudet wären. “Als alleinige Basis für eine Beziehung scheint mir das aber wirklich nicht genug. Wie alt bist du denn überhaupt?” Er vertraute mir dann an, dass er 36 sei. Sein Argument für das Bevorzugen jüngerer Frauen erwies sich auch in einem längeren Gespräch als unerschütterlich: Sie sehen besser aus, sie fassen sich besser an. Seiner Meinung nach lohnt es sich, notfalls auch sehr lange nach einer zu suchen, mit der man gut reden kann, die kompatible Interessen hat und ungefähr auf einer Wellenlänge liegt - so lange sie nicht älter als 22 ist.

Sowas. Wie putzig. Ich bin viel zu alt (und weise), um mich großartig aufzuregen. Also stimmte ich ihm zu und vertraute ihm an, dass und wie viel Jahre Oliver jünger ist als ich. Nur für den Gesichtsausdruck hätte ich glatt zehn Euro springen lassen, der war sicherlich das ehrlichste Kompliment seit Jahren. Aber ich musste gar nicht zahlen, diesen Ausdruck gab’s gratis sogar noch mal und verschärft. Als ich nämlich zu ihm meinte, er hätte wirklich verdammt recht. So einen 36jährigen Hintern würde ich mir auch nicht antun wollen, die besten Jahre eines Mannes seien dann lange vorbei und die meisten Typen würden in dem Alter ja auch leider schon recht kahl.

Vielleicht tue ich ihm ja auch unrecht und er war nicht völlig ironie-inkompatibel. Komisch ist aber eins: Er hat sich dann ein Bier geholt und danach nicht mehr auf denselben Platz (neben mir) gesetzt. Dabei hatten wir doch so nett geplaudert.

# 13. April 2002 um 07:12 PM
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Donnerstag, 11. April 2002

Southern Comfort

Hey, what a day. Einmal ganz in den Süden Germanys und wieder zurück. Nur eine einzige bescheidene Frage hätte ich. Sie ist allerdings nicht kurz.

Wenn sich in einem öffentlichen Transportmittel wie einem Flugzeug oder der Bahn eine Gruppe Männer laut unterhalten, wieso sind das nie gut angezogene und nett anzuschauende und auch noch relativ gründlich gesäuberte und bebügelte Herren mit einem Penis höchstwahrscheinlich funktionstüchtiger Größe, die ein bisschen mit ihrer Bildung oder ihren dämlichen Cabrios protzen - sondern unausweichlich eine Rotte angesoffener Schmotzfressen, die ums Gesicht und oberhalb der angeschmuddelten T-Shirts und gestreiften Pullunder wahlweise wie ein eiternder Dorsch oder ein fauliger Walrosshintern aussehen und vorzugsweise in jedem Satz mindestens einen Ausdruck wie “teilrasiert” und “Natursekt” benutzen ... während mir gegenüber eine auch vorher schon versteinerte ehemalige Religionslehrerin sitzt und mit verkniffenem Mund darauf lauert, den viel zu jungen und definitiv zu kundenfreundlichen Steward mit dem Bübchengesicht noch ein achtes Mal zu fragen, ob die Verspätung auch bestimmt nicht bedeutet, dass sie dann gleich beim Aussteigen in einer ihr fremden Stadt übernachten muss (das war um 8 Uhr 45 morgens, wohlgemerkt)?

Wenn mir das jemand beantworten könnte, soll er es bitte für sich behalten.

Der Rest vom Tag kann sich durchaus sehen lassen.
;-)

# 11. April 2002 um 09:55 PM
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Montag, 08. April 2002

Haarig II

Frisuren sind ein gutes Thema, schon kringelt sich die Mailbox, bis es über den Rand splisst. Ebenso “Alterungsprozess”, aus mir komplett unerfindlichen Gründen scheinen davon so ziemlich alle betroffen zu sein, die auch nur eine Sekunde darüber nachdenken. Hm. Zwinker. Woher das wohl kommt. Alt sind immer die Anderen, auch das wird schnell ersichtlich und immer noch finde ich die Leute superwitzig, die einen Satz mit “ich bin ja noch jung” beginnen oder mit “wenn ich erst mal so alt bin” enden lassen. Aber das ist schon OK so, auch die nicht ganz so Lernfähigen werden schon noch begreifen, dass man nicht automatisch ab einem bestimmten Alter zu zerbröckeln beginnt und dass sie keinen echten Vorteil dadurch haben, mit Verspätung geboren worden zu sein.

Wirklich einen wichtigen Schritt “erwachsen geworden” fühlt man sich in der Phase, in der man begreift: Das hier ist keine großartige neue Woge, die uns in eine nie gekannte Zukunft voller Veränderungen und gewaltiger humanitärer Entwicklungen trägt und uns, eine Generation von Siegern, auf einer ganz frischen Brandung hochschwemmt. “Das hier”, es ist in allen wirklich wichtigen Dingen nur eine Wiederholung. Aber macht auch irgendwie nix, das muss nicht jeder so empfinden lernen (und ja, ich finde Philosophie immer noch zu öde, um darauf meine Zeit zu verwenden).

Was ich HIER nicht möchte, sind Themen, die mir wieder täglich eine überquellende Mailbox und einen hyperventilierenden Zugriffszähler einbringen. Ich hatte gerade einen sehr angenehmen virtuellen Zustand hier gefunden, ohne Druck von innen oder außen, und ich gedenke den beizubehalten. Eher weniger als mehr. Es ist nicht so easy, wie es sich liest.

Ich möchte: Lieber einfach unbefangen und gerne auch mal unüberlegt schreiben, als Zeit auf Planung und Wirkung zu verwenden und mir ein angestrengtes Stirnrunzeln einzufangen, damit meine Einträge auch hehren Ansprüchen genügen, denn ich les die so entstandenen Texte ja selbst auch nicht gern. Will auch mal die ganz normale gelegentliche Wut aus dem Bauch lassen können, ohne mich zu den Frustventilen hinabzubegeben, deren kompletter Lebensweg und Umgang mit den meisten Situationen sichtlich aus abgelassener Wut besteht. Politik bleibt außen vor, Religion im Detail (!) auch und: Wirklich private Dinge sind und bleiben wirklich private Dinge.

Möchte mit diesem Webdiary hier lieber zu den Tagebüchern gehören, in denen Gedanken oder ein Alltagserlebnis aufgegriffen werden und mehr oder weniger unterhaltsam vorgetragen ... als zu denen, die vom morgendlichen Statusbericht über den Zustand des Stuhlgangs bis hin zur allabendlichen Zahnpastafarbe von Schatzi ein unbarmherziges Protokoll des alltäglichen Grauens liefern und so verantworten, dass jeder für leicht bis schwer bekloppt gehalten wird, der online überhaupt Privates schreibt.

Am wenigsten möchte ich allerdings ständig darüber nachdenken müssen, nur weil andere das meinen für mich tun zu müssen.

# 08. April 2002 um 09:30 PM
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Himmlisch.

Nun ist sie in meinem Fernseher aufgetaucht: Monica, der kalifornische Engel. Warum auch immer ich am Nachmittag die Kiste angeschaltet habe, was ich sonst nie tue, da stand sie und wurde von hinten mit einem Scheinwerfer bestrahlt und verkündete “Ich bin ein Engel und Gott hat mich zu euch geschickt.” Wie soll ich dieses Würgen beschreiben, das mich bei dieser Art christlicher Unterhaltungspräsentation überkommt? Ich hatte ja keine Ahnung, dass dieser Schrott inzwischen übersetzt wird, oder hatte ich ihn früher auch schon auf deutsch gesehen und ich habe das verdrängt?

Jedenfalls weiß ich eins: Stünde in meinem Wohnzimmer so eine debil vor sich hin grinsende Frau und würde mir erzählen, sie sei ein Engel, dann würde ich das Problem vermutlich mit einem Haushaltshammer lösen. Es hat so was Ungesundes, dieses feist auf- und vorgetragene Fernseh-Christentum und erinnert mich daran, dass sich die scheinheiligen Kirchgänger und betont bekennenden Gläubigen schon so oft als absolut widerwärtige Personen entpuppt haben, wenn man nur die Gelegenheit zu einem näheren Blick hatte. Als dürfe man dreckig sein bis in den letzten Charakterzug, so lange man nur regelmässig beichtet und sich dadurch wieder reinwäscht. Nicht alle, natürlich. Aber bei jemandem, der sich für “erwählt” und “besonders christlich” hält und das demonstrativ raushängen lässt, fällt es dann halt besonders auf, wenn der Heiligenschein nur Fassade ist.

Monica ist entschwunden und ich habe festgestellt, dass auf mehreren Sendern gleichzeitig (!) gefakete Gerichtssendungen laufen. Das wusste natürlich wieder jeder und mir ist das erst jetzt so richtig aufgefallen. Ist das nun besser als Talkshows? Oder zusätzlich? Sollten dort nicht lieber Sendungen mit Menschen zu sehen sein, die mit kleinen Bohrmaschinen Legosteine in Pellkartoffeln stanzen oder realistische Tampon-Tests durchführen? Dauert nicht mehr lange, und sogar die Werbung ist besser als der Rest. Und das in Deutschland. Das will was heißen.

# 08. April 2002 um 02:28 PM
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