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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Montag, 29. April 2002

Gebrauchsanleitung ...

... für dieses Diary.

Der aktuellste Eintrag steht jeweils auf der Eingangsseite ganz oben. Darunter finden sich (je nach Laune der Systempilotin) die Texte der letzten drei oder vier Tage oder manchmal auch nur der Vorgängerbeitrag. Unter jedem Eintrag steht ein Link namens Link. Wenn man darauf klickt, öffnet sich eine Einzelseite mit nur diesem Text und der Navigtion. Das heisst: Über dem Titel kann man sich einen Eintrag vor oder einen zurück klicken ... oder wieder auf die Startseite surfen.

Eine Übersicht der Einträge findet sich im Archiv. Wer meckert, dass ich nicht oft und regelmässig genug schreibe, darf gerne erst mal durchlesen, was ich seit 1996 alles eingetragen habe. Und dann immer noch nicht maulen, denn ich schreibe nur so oft und wann ich es selbst will ;-)

# 29. April 2002 um 10:02 AM
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Sonntag, 28. April 2002

NASA, beam me up

Vicious, despicable or thoroughly disliked persons, gentlemen, and ladies, can be project managers. Lost souls, procrastinators, and wishy-washies can not.
[NASA 100 Rules for Projekt Managers]

Projektmanagement ist ja nun eigentlich dazu gedacht, gewisse Probleme zu verhindern, man verzeihe mir diese brutale Kurzfassung eines komplexen Themas. Nur: Was hilft gegen Projektmanagement, wenn man drüber schreiben

muss

möchte? Gar nichts. Nicht mal Aspirin. Warum nur habe ich mich nie aufgemacht, das Katzenfutter durch den Verkauf schmachtiger Hausfrauengeschichten für das Goldene Blatt und verwandte Papierfetzen zu verdienen? Ich könnte das! Jede Woche ein künstlich erschaffenes Beziehungsproblem erst erfinden - im Alltag der Umgebungspatienten abschreiben sollte für die ersten acht Jahre reichen - dann verschlimmern, dann in romantischem Blütenstaub verschallen lassen und auf exakt 18.000 Zeichen in einem züchtigen harmonischen Kuss verenden lassen, oh ja. Könnte ich.

Roswitha, dezent verkümmerte Mittdreissigerin mit biederem Pagenkopf und rasanter leidenschaftlich ausgelebter Karriere in der Konzernbuchhaltung, ist nach einer traumatischen Erfahrung mit ihrem treulosen Jugendfreund weder zu Kontaktanbahnung noch zu Lippenstiftnutzung bereit. Nur der reiche Erbe Hugo, der mit seinem Ferrari zufällig ihren Corsa in einen Blechfladen verwandelte, könnte den Funken Lieben und Leben wieder in ihr erwecken, so glaubt sie zaghaft und traut sich kaum zu hoffen. Aber ist es nicht der gutaussehende Hugo, der da mit der sexy Kerstin aus dem Vorstandssekretariat im örtlichen Kegelclub aufgetaucht ist? Roswithas Herz zerbricht schon wieder, wie es scheint: Für Hugo war der zarte Speicheltausch im Aufwall kurz nach dem Aufprall (Ferrari-Corsa) wohl nichts als ein leichtfertiges Spiel! Geknickt schleicht Roswitha von dannen und ahnt nicht, dass Kerstin nur die Schwester von Hugo ist und gerade eben, in diesem schicksalsträchtigen Moment, zu ihm sagt: “Ach Hugo, wenn die Rosi nur den Damenbart entfernen, die Augen etwas schminken, die Haare flotter frisieren, die Nägel auch mal lackieren, die Wollstrumpfhosen weglassen, die Beine enthaaren, die Brust vergrößern, die Röcke kürzen, die Ohren schmücken, die Nase putzen, zehn Pfund abnehmen, flottere Blusen anziehen und auch mal lächeln würde ... dann würde sie richtig nett aussehen.” Niedertracht der inzestuös verliebten Schwester oder wohlmeinender, aber dennoch grausamer Tipp einer dummen und oberflächlichen Tippse? Der mitfühlende Leser erschauert. Roswitha selbst wird hoffentlich nie von diesem Gespräch erfahren, doch wen kümmert es, denn mit dieser mittelschweren Nachhilfe durch Kerstin als abschreckendes Beispiel hat auch Hugo endlich begriffen, dass Roswitha samt inneren Werten es ist, die ihn interessiert. Und stürmt ihr nach. Und reisst sie in seine muskulösen Arme, bettet sie an die breite schützende Schulter und hält sie ganz, ganz fest, bevor er sie auf ledernen Ferraripolstern

po..

in den Sonnenuntergang entführt. Endlich auch mental zuhause, die Rosi. Wurde auch Zeit.

Mir ist übrigens gerade wieder eingefallen, warum ich so was nicht schreiben will. Aber gegen Projektmanagement hilft auch die Rückkehr der Erkenntnis nicht. Bäh.

# 28. April 2002 um 02:47 PM
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Mittwoch, 24. April 2002

Guck mal was da kommt

Es sind Poeten, die den Newsletter der Deutschen Bahn allwöchentlich mit Schönheit und zarten Worten füllen. Und es ist der Kontrast zwischen der jahrelang erlebten Realität und der Ungezwungenheit, mit der hier hochwertiger Kundenservice angepriesen wird, der mich zur dankbaren Leserin macht (oder ich verkalke langsam und erfreue mich in überproportionalen Ausmassen an den absurden Kleinigkeiten des Lebens).

Nein wirklich, kein Scherz oder nur ein kleiner. Der Newsletter der DB ist ein sehr anrührender virtueller Werbezettel, den ich ausgesprochen gerne konsumiere. Ich durfte heute zum Beispiel lernen, welche Bahnstrecke nach sechs Jahren Bauzeit in Betrieb geht, als sei das ein Grund zum Feiern und nicht zum Schämen. Von solchen Taktiken kann man viel lernen: “Liebster, die Küchenspüle erstrahlt in frisch geputztem Glanz! Nach Wochen der Herausforderung, der Geschirrstapel und des Ungemachs freue ich mich, dir nun das glänzende Metall mal wieder zu zeigen ...”

Die Welt ist auf einmal so weit und trotzdem greifbar, darf ich lernen. Von Bremen nach Brüssel komme ich ab jetzt preiswerter, von Osnabrück nach Paris ebenso. Das ist irgendwie schade, denn ich bin selten in Bremen oder Osnabrück. Macht aber auch nichts, denn von hier aus sind Brüssel und Paris ohnehin nah genug: Mein Geld reicht eher für Diesel als für güldene Bahncarten. Klar, ich könnte stattdessen an Werktagen ab 9 Uhr morgens mit bis zu 5 Personen mit Bus und Bahn quer durch Hessen fahren und müsste dafür nur 25 Euro zahlen. Aber ich kenne gar nicht so viele Leute, die während der Woche frei haben oder einen Bus besitzen, in Hessen schon gar nicht. Lieber würde ich zu zweit im Freibad liegen, egal wo.

Der Newsletter fragt mich auch, ob ich mich schon mal gefragt hätte, wo auf welchem Bahnhof ich ein Schliessfach finde. Nein, nicht wirklich. Ich kann doch lesen und habe einen Mund zum Fragen. Sollte ich wirklich mal in die unerquickliche Lage kommen, so ein versifftes Schließfach nutzen zu müssen, werde ich es schon finden. Ich tendiere allerdings eher dazu, mit Laptop zu reisen und schwere Taschen per Kurierdienst vorauszuschicken.
Aber es ist nicht so, als ob die angebotenen Informationen gar keinen Nährwert hätten. Im Gegenteil, man kann einem Link auf die Homepage folgen und ein Bild von dem saisonalen Wochen- oder Monatsmenü sehen, das man sich kaufen könnte, wenn man denn zufällig mal in einem Zug mit Schnellküche in erreichbarer Nähe des zu diesem Zeitpunkt hoffentlich nicht überfüllten Restaurants landen würde und dieses dann auch noch parallel geöffnet und mit Personal bestückt wäre. Mit etwas Glück ist die Rostbratwurst auf Sauerkraut mit Kartoffelpüree dann weder ausverkauft noch eisgekühlt und kostet bei Verfügbarkeit exakt das Dreifache ihrer Schwestern ohne Räder.

Aber ich bin sowieso nie in so einem Zug, wenn das Restaurant offen UND erreichbar ist, fällt mir gerade ein. Die Schicksalsgötter sind mir gnädig, offensichtlich. Nur gerade eben hat einer gehüstelt, aber dieser Warnhinweis wäre eigentlich nicht nötig gewesen: Das Viertelstündchen Kaffeepause ist vorbei und vom Desktop brüllt aus voller Lunge das Buchmanuskript (“die Arbeit ruft” kann man echt schon nicht mehr dazu sagen). Gute Fahrt.

# 24. April 2002 um 08:20 AM
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Dienstag, 23. April 2002

Five Minutes on a TuesDay

Völlig charmeresistent. Kurzes Telefonat mit einem kompetenten Menschen über [zensiert wegen Technobabbel, der hier nicht hin gehört] und er hat es wirklich geschafft, über fast 15 Minuten nichts anderes von sich zu geben, als würde ich die Knöpfchen einer Druckpieps-Telefonanlage zum Abruf von Kundeninformationen betätigen. Hmpf. Ich muss mich nicht zwangsläufig mit der hingehauchten Servicestimme durch die Leitung lehnen, wenn aber jeder menschliche Hauch bereits an der Telefondose meiner Wand abtropft, fällt mir das zumindest auf. Gutes Zeichen vermutlich, wenn man selbst immer noch wert auf kommunikative Fähigkeiten legt. Oder er hatte einfach irrsinnigen Zeitdruck und zerdrückte heimlich und unter Anwendung allergrößter Selbstbeherrschung mit der anderen Hand kleine Bleistifte zu Sägemehl, weil er neben den Kunden nun auch noch die NT-netzwerkwissensbefreiten Autorinnen betreuen musste. Pech gehabt
:-)

Ich möchte nicht wissen, was da gestern im Wäschetrockner ein schepperndes Geräusch gemacht hat, deswegen öffne ich ihn auch nicht. Ich will nicht wissen, wohin die Katzen gekotzt haben, weil ich das bei den ersten drei Versuchen, es aufzufinden, nicht entdecken konnte und dann will ich es auch GAR NICHT wissen. Ich will nicht wissen, warum kotzende Katzen wie Espressomaschinen klingen. Ich hätte jetzt gerne den Tag aus 1997 zurück, den ich mit Schmollen im Hafen von Napoli verbracht habe, denn ich könnte jetzt bessere Dinge damit anfangen. Ich will nicht aufs Postamt müssen, wo mir bis ins Detail vorgeführt wird, wie absurd das Leben an sich eigentlich ist und dass wir alle nur Briefmarken auf den Dokumenten der Unendlichkeit sind. Ich will nicht, dass das Kind drei Häuser weiter immer noch Klavier lernen muss und ich will nicht wissen, warum ständig etwas scheppernd von dem Balkon eins-rechts, zwei-hoch fällt (und was).

Ah, der Tchibo-Newsletter. Wie schön, ein erfrischender Kicheranfall. Warum? Ganz einfach: KOCHLÖFFEL-Ablage. “Für Sauberkeit am Herd” und Euro 4,49 kann man eine kleine Fussbadewanne für Kochlöffelchen kaufen. Das ist doch mal was für mich. Wo ich doch immer noch drauf warte, dass der Herd sich selbst reinigt. Oder war’s der Backofen, der das konnte? Der Kater war es jedenfalls nicht.

# 23. April 2002 um 10:02 AM
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Sonntag, 21. April 2002

Let it flow, Baby

Links oben auf meinem Bildschirm - in jener Ecke, die für die Ausübung der gepflegten Feng-Shui Nahkampf-Variante von höchster Bedeutung ist - sitzt gefesselt und geknebelt die Muse Nummer Vier. Inzwischen hat sie es aufgegeben, trotz des soliden Knebels aus Paketklebeband unartikulierte Laute hervorzuwürgen und beschränkt sich darauf, ab und zu trotzig mit einem Fuß gegen das Glas zu scheppern. So kann sie ihrer Aufgabe natürlich nicht nachkommen, andererseits war sie auch vorher nicht besonders hilfreich. Als ich eben in die Küche marschierte, um die leere Mineralwasserflasche gegen eine neue umzutauschen, hat sie sich trotz der Fesseln auf die Tastatur fallen lassen und ist dann von Buchstabe zu Buchstabe gehopst. Als ich zurückkam, stand auf dem Monitor: “Ich hab es ja gleich gewsst !!!!!!” und bitte sehr, auf solche Besserwisserei könnte wohl jeder jederzeit verzichten, oder?

Selbstverständlich hat sie es vorher gewusst. Ich auch. Es ist ja auch nicht mein erster Buchvertrag, sondern der fünfte. Man vergisst drei Stunden nach Abgabe des Manuskriptes bis genau zum nächsten Mal, dass man Blut, Schweiß und bittere Tränen vergossen hat, um sich Seite für Seite vorwärts zu würgen und das zu tun, wovon die meisten anderen immer nur reden: Eine Schublade oder einen Auftrag von einem ungeborenen Buch befreien. Es ist überschaubar, und dann verliert man den Faden. Es ist machbar, und dann geschieht Unvorhergesehenes. Es ist berechenbar, und dann platzt die Infoquelle. Es ist wie mit dem Schnupfen beim ersten Date - die Welt geht nicht unter, aber man fühlt sich bescheiden und zieht es trotzdem durch und dann ist das Ende gar nicht bitter. Es geht eigentlich alles und doch möchte man ununterbrochen den Schädel gegen den Bildschirm hämmern. Alles ganz normal. Working nine to five. Nur ohne Song. Ein wochenlanger Montag. Und obwohl man weiß, wofür, fragt man klagend: Wofür? Bücher schreiben ist verdammt anstrengend. Verdammt anstrengend.

Und dann ... geht’s weiter und das war gerade noch rechtzeitig. Irgendwann kommt ein magischer Moment, ab dem es wieder geht. Wenn man in den fünften Gang schalten kann, um sich große Strecken vorwärts zu arbeiten. Ich bestelle hiermit diesen Flow für Montag, den 22. April 2002 so ca. um 7 Uhr 30 am Morgen. Meinetwegen auch um 8. Aber dann ... dann wird diese Muse entweder ihre Klappe halten, arbeiten wie gewohnt und die geforderte Energie liefern, oder ich tackere sie gegen den Umsatzvorsteuerscheck und dann kann sie mal gucken, wie sie nach einem heißen Trip per Post auf deutschen Behörden klarkommt.

# 21. April 2002 um 08:12 PM
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