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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Samstag, 29. Dezember 2001

Gedanken, Jahresende und so weiter

Natürlich funktioniert das in beide Richtungen. Wenn ich mich abschotte, um den dringend benötigten Freiraum zu haben, muss ich immer damit rechnen, dass jemand anderes sich ebenso klar und unmissverständlich von mir abgrenzt. Das weiß ich. Und ich weiß auch, dass für manche Leute ganz normaler Arbeitsstress eine so erdrückende Dimension zugewiesen bekommt, dass er als genau so schlimm empfunden wird wie von mir der Stress in den Fieberphasen und drohende Krankheitsphasen.

Ich nehme es zur Kenntnis. Man (ich) ist nicht immer glücklich über alles, was mensch auslöst. Aber es führt kein Weg zurück und niemals schleift man (ich) ein Bedauern mit. Dazu ist das Leben zu kurz, zu bunt und zu vielfältig.

Zu schwierig natürlich auch. Beim Entrümpeln des großen Schuhschranks fand ich die vielen harten fleischfarbenen Binden und die kleinen Widerhaken. Jetzt - im Rückblick - kann ich es kaum noch nachvollziehen, wie ich das geschafft habe: Morgens aufstehen und duschen, die dunkelrot geschwollenen Beine von Oliver fest gewickelt bekommen und arbeiten, arbeiten, arbeiten. Mit Fieber, mit Schmerzen, im Liegen, mit den Füssen in einem Wasserkübel. Um zu überleben, die Existenzgründungsphase zu überstehen und lieber zu sterben, als zu den Frührentnern zu gehören. Warum war das so wichtig? Warum kann ich nicht den laschen, lahmen, einfachen und handelsüblichen Weg gehen und mich krank schreiben lassen, durchhängen, abjammern, mich wegjaulen und mir leid tun und einfach gar nichts mehr machen, weil/wenn ich schwer krank bin?

Weil das nicht ich bin. Ich habe noch niemals jemanden erlebt, der sich wie eine Zecke verhält und dabei glücklich ist. Niemand kann erfolgreich, ein guter Partner und/oder zufrieden sein, der nichts selbst und mit eigenen Kräften erreicht. Es sei denn, er/sie hat keine nennenswerten Ansprüche oder nix zu bieten. Hätte ich aufgegeben, hätte ich mich aufgegeben. Womit ich nicht sagen will, dass das schlau war - so krank so viel zu arbeiten. Ich werde diese Entscheidung dann auch gerne mit jedem diskutieren, der vergleichbare Erfahrungen gemacht hat, ebenfalls nicht den leichtesten Weg gegangen ist und weiß, wovon ich rede.

Aber ich kann nicht versprechen, dass ich es nicht noch mal tue: Krank arbeiten. Manchmal ist das Leben einfach so.
:-)

*
Es war einmal ... vor nicht allzu langer Zeit oder vielleicht vor vier oder fünf Jahren eine junge Frau, die an einem Silvesterabend feststellte, dass sie absolut angenervt war ... von dem Champagner, der zu warm war. Sie stand mit der Flasche in der Hand wie schon viele Male bei festlichen Gelegenheiten, sah ein böses Stirnrunzeln in der Spiegelung der Fensterscheibe und erschrak, als sie sich selbst erkannte. Wie Türen öffneten sich die Wege vor ihr, die sie in ihre Zukunft gehen konnte: Sie konnte beispielsweise eine missgünstige verwöhnte Ziege werden, die anderen Anwesenden und Gästen mit solchen Details wie der perfekten Temperatur eines Getränks gründlich auf den Nerv ging. Auch könnte sie zur kulturlosen Hausfrau absinken, die Champagner falscher Temperatur mit plumpen Witzen garnierte. Oder eine weinerliche früh Gealterte werden, die sich in innig erstickender Umarmung am Universum festklammerte und es mit einer Dankbarkeit für den Reichtum der westlichen Welt zu überschütten suchte - man bedenke nur die Kinder in der Dritten Welt, wie froh sie über Champagner egal welcher Temperatur wohl wären?

Oder sie konnte den Champagner zurück in den Kühlschrank stellen, damit er um Mitternacht wenigstens ein wenig kühler war als jetzt. Sich freuen, dass man sich so verwöhnen konnte, gelegentlich. Die Normalität mit beiden Händen willkommen heissen. Dankbar zur Kenntnis nehmen, dass die genervte Stirnfalte verschwunden war und nicht zum Standard-Gesichtsausdruck gehörte. Die Party bei dem Kollegen absagen, der sie sowieso nur eingeladen hatte, weil sie “Bücher schrieb” und wo jedes der langweiligen Gespräche sich um große Autos, alberne Handys und blöde Aktien drehte und die Männer flache und austauschbare karrieregeile Gesichter hatten. Eine fette Katze aus der Bügelwäsche zerren und sich selbst hineinlegen. Tief durchatmen. Wieder wissen, welcher Weg zur Liebe führt. Der Welt ein gutes Neues Jahr wünschen. Und niemals so tief sinken, dass die Temperatur von Champagner oder das Image eines Autos von Bedeutung sind.

Amen, sagte der dicke blonde Kater. Oder vielleicht hatte er auch nur gegähnt.

# 29. Dezember 2001 um 08:52 PM
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Freitag, 28. Dezember 2001

Mails, Mails, Mails ...

Mails, Mails, Mails. Ungeduldig machende, aus überfüllten Mailkörbchen stammende und pflichtbewusst runter abgearbeitete Antwortmails, denen man anmerkt, dass die Absender daran arbeiten, ihren Eingangskorb wieder in den Griff kriegen. In Kontakt bleiben wollen. Es gut meinen. Also geht das Blablabla immer hin und her, denn ich selbst stehe an der Grenze meiner Zeit, schaffe es mit Müh und Not, dann so höflich zu sein und zu antworten (und meinen Mailkorb nicht quellen zu lassen). Wozu das Ganze? Was soll der Mist?

Es wäre Hundert Mal, nein Tausend Mal mehr wert, alle ein bis zwei Wochen eine inhaltsvolle echte Nachricht von einer Person zu bekommen und diese zu beantworten, als das ständige flache Mailpingpong. Ich könnte gut verzichten - wenn ich Leute mag, vergesse ich die nicht, nur weil ich nicht alle 16 Stunden eine Mail light kriege. Aber würde ich versuchen das verständlich zu machen, müsste ich meine knappe Zeit wieder dafür wegwerfen, es zu erklären. Begründen. Durchzukämpfen. Beleidigt nach unten gedrückte Mundwinkel wieder hochzuziehen. Jeder denkt immer, er/sie sei so unheimlich wichtig und nimmt alles unglaublich persönlich. Nerverei hoch Drei.

Denn irrsinniger Weise nimmt das hohle Pingpong auch noch zu, wenn man den Ball nicht zurückschlägt. Schliesslich wollen die Leutchen eine Antwort und damit die ausdrücklich eingeforderte Bestätigung, dass man sich noch interessiert. Manchmal könnte ich mir die Daumennägel in die Augen bohren und vor Genervtheit schreien, weil es so eine unglaubliche irrsinnige Zeitverschwendung ist, dieses Gebabbel. Wo sind sie nur geblieben, die nährstoffreichen Brieffreundschaften? Tot. Denn Mail ist so praktisch. Also ping und pong und Schwatz. Und wie immer frisst die Masse an Nachrichten mir die Zeit weg, die ich freiwillig investieren würde.

Aber vermutlich liegt das an mir und ich bin völlig verkorkst. Ich sollte dankbar sein für 1 bis 3 Gigabyte oberflächlichen SmallTalk in meiner Mailbox jeden Monat, hm? Wie gesagt, liegt an mir. So wie ich die Reißzähne zeigen, die Mähne schütteln und den Mond anheulen könnte, wenn ich auf eine gewisse Sorte berufslose, breihirnige und vor sich hin plappernde Hausfrau treffe. So wie ich einfach nicht flexibel genug für gesprochenen Durchfall bin, für dieses elende Getratsche, für mädchenhaftes Geschwätz. Mea culpa, mea culpa. Blablabla.

*

Stört mich übrigens auch: Wenn ich merke, dass Leute sanft, aber unerbittlich eine Erwartungshaltung haben, die man so zusammenfassen könnte: Du kannst ins Weblog schreiben, aber ich warte auch noch auf eine Antwort auf meine Mail. Wir sprechen hier von Privatmails, wohlgemerkt. Ist es wirklich so normal und verständlich, ständig auf der Homepage eines Menschen zu gucken und den großen Kontrollblick kreisen zu lassen, ob er oder sie schon wach ist, schon da, schon ansprechbar, ob man bald mit Antwort rechnen darf? Nein, ich glaube es eigentlich nicht.

Mehr und mehr Dinge missfallen mir. So auch die kleinen Besserwisserpisser, die in letzter Zeit in Weblogland aus dem Boden schiessen und wohl meinen, sie könnten andere Leute von der Seite ankläffen, nur weil sie eine ähnlich aussehende Anwendung mit Textfeldern fahren.
:-)


It’s time for a change.
Embracing and welcoming
a new wave. Yepp.

# 28. Dezember 2001 um 12:23 AM
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Donnerstag, 27. Dezember 2001

Eine Sache muss ich dringendst mal beanstanden.

Ganz groß in Mode und es wird immer schlimmer: Ins Diary / Weblog schniefen, wenn es einem schlecht geht. Also nichts Konkretes wie “der Sowieso hat meinen Link kommentarlos entfernt, nur weil ihm mein Comment nicht passte, wääh”. Sondern immer ein sehr unkonkretes Äussern einer schlimmen Verfassung. Aber gleich auf die Vollen gehauen, also das ganze Vor- und Hauptwaschprogramm von Seelenkälte in einer feindlichen und einsamen Welt bis hin zum bodenlosen Abgrund schwärzester Verzweiflung. Immer druff und noch mal druff und existenzielles Wehklagen in allen Facetten von sich schmeissen - und das meistens wegen irgendeinem Alltagsfurz oder einer vorübergehend schlechten Stimmung.

Leute, Leute ... wisst Ihr eigentlich, was Ihr da tut? Lauter körperlich unversehrte, fett zugefressene und wohlversorgte Leute am Rande der Verzweiflung, was ist denn, wenn jemand wirklich Hilfe braucht? Ja, ich weiß. Jemand, der wirklich an einer Grenze steht, hat für diese Art der Selbstdarstellung keinen Atem und das Letzte, woran ein Mensch ohne Ausweg denkt, ist das verdammte Schreiben in eine Privatkolumne.

Genau: Das Thema beschäftigt mich. Auch offline bin ich auf eine Person getroffen, die sich so benimmt. Demonstrative Riesenverzweiflung im direkten Andrang finde ich belastend und unverständlich und da ich das Glück habe, viele Fachmenschen zu kennen, habe ich mich schon mehrfach danach erkundigt, wie so eine Sache von denen eingeschätzt wird. Eine Freundin von mir, eine clevere und - das ist noch wichtiger - lebensnahe Psychologin, hat es mir in wenigen Worten erklärt: Was Besonderes sein, das wollen diese dramatischen Darsteller. Unbedingt. Ein ganz besonderer Mensch. So wie es alle sein wollen, aber eben mit diesen unguten Mitteln. Sie haben irgendwann gelernt, dass sie die gewünschte Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie nur laut und lange genug wehklagen. Mit einer angemessenen Steigerung, versteht sich, denn sonst verpufft die Wirkung.

Auf solche Töpfe passt immer auch ein Deckelchen, sprich: Ein Mensch, der sich darauf einlässt, Verständnis signalisiert und zuhört. Im Internet sind das wahrscheinlich eine Menge Leute. Dabei gerät schnell in Vergessenheit, dass so ein Benehmen eigentlich sehr abstossend und egoistisch ist und im offline Alltag dazu führt, dass man zum isolierten Einzelgänger wird. Wer tut sich schon freiwillig ständig so eine Heulboje an? Die verständnisvollen “Deckelchen” sind auch nicht wirklich hilfreich. Denn es kommt noch eines dazu: Es geht nicht darum, die Situation zu ändern oder zu verbessern. Gar nicht. Diese Menschen werden teilweise sogar hochgradig aggressiv, wenn man ihnen mit umsetzbaren Vorschlägen kommt. Denn wenn dieser Knoten sich löst, dann ist man ja kein “ganz besonderer” und aufmerksamkeitsbedürftiger Mensch mehr, sondern ein Normalverbraucher (körperlich unversehrt, fett zugefressen, wohlversorgt ... wir hatten das ja schon).

Meine Freundin, die Expertin, sagt klipp und klar: Diesem einen besagten Mädel (wegen dem ich gefragt hatte) kann ich nicht helfen. Es sei kein Wunder, dass sämtliche Gespräche in seelendurchweichtem Rumgelaber versinken, sondern ganz klar kalkulierte Absicht. Wer in wirklich tiefer seelischer Not sei, habe genug Leidensdruck, um etwas zu ändern. Einen Therapeuten aufzusuchen, andere Wege zu gehen. Wer stehenbleibt und sich laut wehklagend und konstant um Aufmerksamkeit heischend im Kreis dreht, ist genau da, wo er oder sie insgeheim sein will. Punkt.

Dazu sag ich nur noch: Dann aber bitte ohne mich.

# 27. Dezember 2001 um 01:00 AM
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Cyberkultur: Winter

Wenn das Telefon klingelt, zucke ich inzwischen angenervt zusammen: Hoffentlich nicht schon wieder irgendein Onliner, der über sein wichtiges Weblog, sein bedeutsames Tagebuch, seine essentiellen Abrufzahlen, gegenseitige Verlinkungen oder die Machbarkeit von Inhalten reden will. Inzwischen ist es auch in Mails leider schon nötig, sich ganz gezielt gegen solchen Gesprächsdurchfall abzugrenzen. Oder es liegt an mir und ich bin einfach nicht kompatibel.

# 27. Dezember 2001 um 01:00 AM
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