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Samstag, 13. Oktober 2001

So drei- bis viermal in der Woche ...


So drei- bis viermal in der Woche kommt eine Mail mit dem Betreff “Frage an die Kollegin” oder “Frage von einem Autor” oder “Kontaktaufnahme unter Profis” hier an und darin adressiert jemand seine Wunschvorstellungen an mich. Anders kann man das langsam nicht mehr nennen, wenn die Leute nachfragen, wie man denn nun ein Buch schreibt. Seit den Möglichkeiten von Printing on Demand und meinem Experiment geht es natürlich nicht mehr um das Einsenden kostbarer Werke an Verlage. In dem Zusammenhang war die vorherrschende Angst nämlich immer die vor dem Diebstahl eines Manuskriptes.

Das ging so weit, dass Leute wirklich dachten, bereits ihr Expose würde unter fremdem Namen als internationaler Bestseller verscherbelt werden, wenn sie nicht unglaublich aufpassen würden. Für das Problem hatte ich leider auch keine Lösung. Ich hab meinen ersten Roman einfach eingetütet und mehrfach versandt und bekam dann von zwei Verlagen Anrufe und unterschrieb einen Vertrag. Irgendwas sagt mir, das wäre nicht passiert, wenn ich vor lauter Furcht vor Diebstahl nichts weggeschickt hätte. Kann natürlich auch daran gelegen haben, dass keine Gefahr eines Bestsellers bestand, ich wollte einfach wissen “geht das?” und es ging. Hm tja. Also gut.

Nein, inzwischen gibt es Books on Demand und Dienstleister wie Libri und es ist ganz einfach, ein Buch zu drucken. Und auch nicht teuer. Die mich anmailenden Leute sind überhaupt nicht informiert, aber das hindert sie nicht daran, unglaublich interessiert zu sein. Ich erkläre dann immer wieder, dass Printing on Demand eigentlich wie die Nutzung einer Druckerei ist. Weil fast alle denken, sie müssten ihre (wertvollsten) Rechte (auf der Welt und da war er wieder, der höchstwahrscheinliche Bestseller) abtreten wie an einen Verlag.

Und: Energisch wird von mir verlangt, sich mit der Qualität sämtlicher Anbieter auszukennen. Das ist dann sowieso eine Falle, denn wer das fragt, hat sich in der Regel bereits einen Dienstleister ausgeguckt und erwartet nun von mir die Bestätigung, dass dieser auch am besten ist. Jeder Einwand wie “dort zahlen Sie aber das Doppelte und die nutzen die gleichen Maschinen wie XYZ” wird mit einem souveränen “Ja aber ich habe von dem Freund einer Bekannten des Verwandten eines Nachbarn meines Cousins gehört, der habe in der Zeitung gelesen, dass ...” und gegen diese Art von Fachwissen ist nun mal nicht anzukommen.

Eigentlich ist gegen diese ganze Buch-Manie nicht anzukommen. Deswegen habe ich auch ein paar Standardantworten auf Lager, die trotzdem hilfreich sind. Tückisch wird es nur, wenn die Leute mich fragen, ob ich einen Selbstverlag empfehlen würde. Denen gefällt meine Antwort nämlich nicht.

Natürlich würde ich ein Book on Demand empfehlen: Als technisches Experiment, um mir den regelmässigen Gang zum Copyshop zu sparen (wie es bei meinen Kurzgeschichten zum Fall wurde), als Möglichkeit, ein vergriffenes Buch wieder zu verlegen oder wenn ich eine winzige, exakt abgezirkelte und mir persönlich bekannte Zielgruppe habe, für die andere Auflagen nicht lohnen. Dann ist es OK, denn es kostet nicht viel. Das Produkt kann sehr hübsch ausfallen und es ist genial, ein Druckwerk für 3 DM/Monat abrufbar zu halten, ohne die Rechte abtreten zu müssen.

Mein eigener Versuch ist gelungen: Das Buch gefällt mir, es werden ohne mein weiteres Zutun einige Hundert Exemplare im Jahr verkauft und meine technische Neugier wurde befriedigt. Ausserdem habe ich dabei einiges gelernt, das ich bei weiteren Projekten umsetzen konnte und die Kosten habe ich schon lange wieder reingeholt, obwohl die Gewinnspanne wirklich mini ist. Ich wollte halt keinen typischen Selbstverlagspreis als Verkaufspreis ansetzen. Und habe daher DM 12,90 genommen, denn mehr würde ich für eine Kurzgeschichtensammlung selbst auch nicht unbedingt zahlen.

Aber das ist das, was ich in diesem Spezialfall wollte. Die meisten Informationssuchenden wollen mehr: Ein “echtes” Buch auf ihrem Lebenslauf, das sich am besten auch noch reichlich verkauft (und viel viel Geld und Ruhm einbringt). Das mag zwar mit Book on Demand in Einzelfällen und insbesondere für Fach- und Sachbücher auch machbar sein, aber ich finde nicht, dass Selbstverlag einen Verlagsvertrag ersetzen kann. Natürlich sollte man es trotzdem versuchen, wenn man davon träumt. Man muss sich unbedingt für die Dinge einsetzen, die einem am Herzen liegen.

Aber man sollte sich dann halt auch bewusst machen, dass ein Buch nur jemand kaufen kann, der von dessen Existenz erfährt. Und Werbung kostet sehr, sehr viel mehr als die reine Herstellung. Der Markt ist mit Belletristik überflutet und die mangelnde inhaltliche Qualität vieler “BoDs” hat dafür gesorgt, dass diese von Buchhändlern und Redaktionen nicht weiter beachtet werden. Auch die guten nicht. So wie viele Verlagsredaktionen in unverlangt zugesandten Manuskripten ersticken.

Technisch sind Autoren einen Schritt weiter nach vorne gekommen durch das Internet, E-Books und Printing on Demand. Der klassische Traum vom Manuskript, das von einem echten Verlag aufgekauft und erfolgreich vertrieben wird, steht oder liegt irgendwie daneben herum. Und ich würde nun mal lügen, wenn ich Selbstverlag als Alternative empfehlen würde. Das wäre einfacher, aber nicht fair. Denn auch wenn die Herstellung so ab 600 bis 1.000 DM locker abzuwickeln ist und das im Vergleich zu anderen Druckmöglichkeiten preiswert ist, so muss dafür sicher so mancher auch sparen oder sich die Ausgabe zumindest vorher genau überlegen. Da kann ich nicht einfach hingehen und sagen, ja ja, wird schon werden, passt schon alles ganz toll.

Ich werde diesen Eintrag direkt im Erfahrungsbericht verlinken, den ich bei den Rückfragen immer als Information mit angebe. Denn ich weiß nie, was ich darauf antworten soll, wenn mir ein so begeisterter Autorenmensch schreibt, sein Manuskript sei aber eine Ausnahme und auch im Selbstverlag ganz easy zu vertreiben, da es was ganz Besonderes sei und auch richtig gut geschrieben, eine nagelneue Idee und so weiter. Man kommt sich vor, als würde man die Leute beleidigen, wenn man darauf hinweist, dass das wohl alle Autoren denken.

Je nachdem, worüber man schreibt und für wen, kann man ja auch recht erfolgreiche Bücher selbst verlegen. Nehme ich an. Mir geht’s ehrlich gesagt auch eher darum, nicht immer dieselben Diskuss… Antworten per Mail geben zu müssen.

# 13. Oktober 2001 um 10:00 PM
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Mittwoch, 10. Oktober 2001

Schöner, einfacher, romantischer Film: Angel Eyes mit ...


Schöner, einfacher, romantischer Film: Angel Eyes mit Jennifer Lopez. Liebesgeschichten, bei denen man immer schon weiss, wie es ausgeht, sind nicht schlimm ... wenn man nur ins Kino geht, um einen netten Film zu sehen. Wer schmachten möchte, darf. Wer am Ende alles gern aufgeräumt hinterlässt, wird auch bedient. (Läuft am 25. in den deutschen Kinos an, wir waren in einer Preview.)

Nicht so schön: 72 ununterbrochene Minuten Knistern, Rauschen, Knacken und Schmatzen wie in der Ferkelaufzucht, nur dass die Viecher deutlich hübscher sind als die beiden hinter uns sitzenden Frauen es waren. Da wurde gelabert, gesabbelt, gegackert und erzählt, wir wissen nun alles über die 6 Mark und achtzig Pfennig, die vom Nachbarn für irgendeine Reparatur im ganzen Haus eingesammelt wurden und dass es im Vorjahr noch 5 DM waren. Dumpfbacke rechts war sogar noch dümmer als Dumpfbacke links, denn sie brauchte eine Simultanübersetzung sämtlicher Handlungsabläufe und hat dann trotzdem nichts verstanden. “Issas nu der Bruda oda was? Hä? Oda issa das nu nich?”

Sehr nett auch ein konstantes “Da guck ma wasser nu macht” und “Hassu gesehn wasse gemacht hat?” Schlimmer noch, jeder Blick, jeder Kuss, jede Ansicht einer Verkehrsampel wurde mit einem ach so wahnsinnig “witzigen” Spruch kommentiert. Wohlgemerkt, das von Knistern begleitete Schweineschmatzen direkt in unserem Nacken stoppte trotzdem erst so in den letzten 20 Minuten, als die zweite Horrorbraut ihren Eimer leergemampft hatte (die andere hatte die Hälfte ihrer vier Kilo Popmais bereits über meinen Sitz ergossen, bevor wir ankamen und fand das natürlich auch sehr lustig, dass ich nun in einer verwüsteten Umgebung sitzen musste. “Wann machense denn hier mal sauba, wird Zeit, wa?” Hahaha.).

Ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich es zu schätzen weiss, wenn solche Frauen hinter mir konsequent furzen und sich dann gegenseitig bestätigen “das hättste aba auch zuhause machn könn.” Kurzer Blick nach hinten, obwohl ich es schon wusste: Es waren Damen dieser undefinierbaren ungepflegten Sorte, die von einer leicht schlampigen 17jährigen übergangslos zu einer strähnighaarigen fast-40erin werden, alle Jahre dazwischen wohl ein einziger vor sich hinsabbelnder Brei aus Ballermannurlauben und Jeanshemden mit Glitzer.

Als der Film endete, blieb ich sitzen. Hinter uns gingen die Geräusche dann erst richtig los. Man musste sich ja den ganzen Film noch mal erzählen, den aller-, allerletzten Rest Popcorn aus dem Eimer graben und schmatzend reinmampfen, noch ein paar schwache Witzchen machen und sich dann in die undefinierbar geformte Jackenpelle quetschen, die auch ein Bestandteil solcher Frauen zu sein scheint. Ich blieb sitzen. Es sabbelte, brabbelte und ferkelschmatzte immer noch. Oliver warf mir einen fragenden Blick zu, weil ich immer noch sitzen blieb - aber ich fand und sagte es auch: Er konnte sich das ruhig anhören. Damit ihm mal wieder schön klar wurde, was er für ein Glück hat *g*

Und um das schmatzende sabbelnde plappernde Geräusch nicht wie eine Verfolgte im Rücken zu haben, beim Runtergehen. Bäh, was für abartige Frauen, die eine furzte ständig und der anderen faulte das Beisswerkzeug weg, beide mit langen Fusselplissen auf dem Kopf. Wieso gehen die denn ins Kino und zerstören anderen das Vergnügen, wenn sie mit einer Dose Bier an der Hand an jeder Strassenecke ungestört genauso reden könnten? Ich versteh es nicht, und wie immer regt mich sowas noch mehr auf, wenn ich merke, dass jemand sich nicht wäscht. Wenn dicke Schminke drin ist und Haarspray sowieso und Strasshandtaschen besorgt werden können und Ohrringe mit sich küssenden Elefantenbabys mit roten Nasen, warum gehen dann WASSER und SEIFE nicht?! Grrrr.

Angesichts einer solchen Kulisse fällt es gleich doppelt so stark auf, dass auch Jennifer Lopez mit rumsträhnenden Haaren eher ungepflegt als schön aussieht. Sonst aber sehr niedlich rüberkommt, wie auch in “Wedding Planer”, die Rollen ähneln sich sowieso ein wenig. Sie bedient halt ein Klischee, und das sehr nett. Mehr aber eben auch nicht. Für so einen romantischen Film reicht das ja auch. Die Jungs werden es mögen, wenn sie sich in Unterwäsche durch die Gegend schwingt oder großzügige Einblicke gewährt. Aus unerfindlichen :-) Gründen habe ich selbst wohl eher eine Schwäche für große, schlaksige Hauptdarsteller mit traumhaften Augen. Blau ist nicht so schön wie grün, aber bitte, ist ja nur Kino.

P.S. Natürlich hätte ich etwas sagen können. Zu den beiden Damen, die husteten oder schnieften oder keuchten oder sich räusperten, wenn sie mit dem Schmatzen oder Dummplappern mal für eine Zehntelsekunde aufhörten. Aber ich sehe in solchen Situationen wenig Verbesserungspotenzial. Man sagt dreimal “Pssscht” und merkt dann, dass sie dann wahrscheinlich vor lauter Trotz zusätzlich noch kotzen oder Durchfall entwickeln werden.

# 10. Oktober 2001 um 10:00 PM
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