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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

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Freitag, 28. September 2001

An diesem Wochenende enden unsere Flitterwochen offiziell. ...


An diesem Wochenende enden unsere Flitterwochen offiziell. Wir haben uns von lästigen Details wie Olivers Job nicht abhalten lassen, den Honeymoon als eine mindestens so wichtige Angelegenheit wie Sommerferien zu betrachten: Minimum 6 Wochen halt. Verheiratet sein fühlt sich sehr gut an. Und es geschehen seltsame Dinge. Nein, ich meine nicht die Hochzeitsnacht.

Zunächst einmal bin ich in den letzten Tagen und Wochen von vielen Männern aus meinem sachlichen Business-Umfeld mit einem gewissen verhaltenen Stolz gefragt worden, ob sich “verheiratet sein” nicht wunderbar anfühlen würde. Richtig harte und gar nicht sehr nah bekannte Kerls gestehen im letzten Satz einer technischen Mail “ist eine gute Sache, oder? Also mir hat es verdammt gut getan und tut es immer noch” und ich sitze dann hier verblüfft und angerührt und grinse so vor mich hin.

Meine Mutter hat sich übergangslos von der Beschützerin meines armen schutzbedürftigen, über 30 Jahre alten, zweieinhalb Meter großen und 120 kg schweren Fitnessmutanten-Bruders in eine Kämpferin für meinen Mann und Recht und Ordnung verwandelt. Das sieht dann so aus, dass ich Oliver darum bitte, seine Endlosbeine unter dem reichlichen Tisch nicht ständig auf meinem kranken Fuss herumzuschieben - und prompt von Mama angemotzt werde “Nun lass doch den armen Oliver einfach mal seine Beine ausstrecken!” Ah ja. Interessant. Dazu könnte ich jetzt eine Menge sagen. (Werde ich aber nicht.)
:-)

Und dann sind da die Frauen. Beinahe hätte ich “die Bräute” geschrieben. Fast jede Frau in meinem Bekanntenkreis hat mir in den letzten Wochen von ihrer Hochzeit erzählt. Die verheiratet waren und sind ebenso wie die unverheirateten. Ja genau. Auch die haben von ihrer Vermählung erzählt. Davon nämlich, wie sie sich alles vorstellen. Sogar dann, wenn der erste Satz lautete “Also ich habe ja nicht geheiratet und werde es auch nicht mehr, aber wenn, dann ...” Würde sie in weiß heiraten, oder in Rom. In dem alten Kleid ihrer Mutter oder in einer kleinen Kapelle im Wald. Bodenlang oder im kleinen Kreis. Mit Schleier oder ohne. In lang, in Mini, mit offenem Haar oder mit dem alten Perlenband der Oma.

Ein Mann hat viel lernen können beim schweigenden Zuhören dieser Berichte, ich hoffe, meiner hat nicht zu viel über die Frauen erfahren :-) Jede hatte das Drehbuch im Kopf, wie sie sich diesen wichtigen Tag vorstellt, jede. Die erfolgreiche Karriere-Lady von 46 ebenso wie das Mädchen von 19, das noch nie richtig geküsst hatte. Oliver verzieht ja keine Miene. Auch nicht, wenn die Sachbearbeiterin in der Bank zwischen dem Annehmen eines Schecks und der Ausgabe einer neuen EC-Karte plötzlich ausführlich hervorsprudelt “Also wenn ich mal heiraten würde, dann ....”. Er hat auch keinen Pieps gesagt, als mein Brautschleier vom Besuch ausgiebig anprobiert wurde. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ihm kein Detail entgeht.

Mädchen jeden Alters wünschen sich Liebe, mögen Träume und das Gefühl von Sicherheit. Es ist kein großes Geheimnis. Aber welcher Trubel durch reinweiße Accessoires, etwas Seide und ein paar Symbole entstehen kann, das hätte ich nicht gedacht. Den Brautstrauss in New York konnte ich nicht werfen - erst mal waren wir alleine und dann hätte man mich auch verhaftet, wenn ich das zwei Pfund schwere Rosengeflecht nach jemandem geschmissen hätte. Aber ich habe noch einen bekommen, in Deutschland, und den habe ich heute per Paketpost nach jemandem geworfen. Ich glaube, ich hab sie getroffen. Und bin sicher, dass das gilt.

Einen klitzekleinen Disclaimer muss ich noch loswerden. An alle Damen, die nach dem Verlinken unseres Flitterbloggers geschrieben haben, man müsse sich doch glatt überlegen, ob man nicht auch .... Ihr wisst, wer Ihr seid. Aber um euch zuhause taktische Vorteile zu lassen, nenne ich hier keine Namen, hehe. Jedenfalls wollte ich nur eben schnell darauf hinweisen, dass wir keinerlei Haftung, Kosten oder Alimente übernehmen können. Auch wenn wir selbst finden, dass unsere Hochzeit ansteckend romantisch und wunderschön war.

Ein schönes Wochenende wünsche ich euch!

# 28. September 2001 um 10:00 PM
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Montag, 10. September 2001

...

“A great city is nothing more than a portrait of itself, and yet when all is said and done, its arsenals of scenes and images are part of a deeply moving plan.”
(Winter’s Tale, Mark Helprin)
Ja, ein Wintermärchen. Ein Buch über New York, aber auch eine machtvolle, inspirierende und mitreissende Fantasy-Legende. Ein Buch, das ich auf englisch gelesen habe, dann auf deutsch. Habe ich es verliehen, kaufte ich es mir am selben Tag noch einmal neu, was gut so war, denn es kam nie zurück zu mir. Seite 68f:

Manhattan, hochaufragend, eng und zukunftsträchtig wie die Hauptstädte vergangener Königreiche, brach mit voller Wucht über Peter hinein. Er fühlte sich wie in einem riesigen, halbfertigen Palast mit hundert Millionen Gemächern, verzweigten Gärten, künstlichen Seen, Passagen und Promenaden an Flussufern. Dieses gewaltige Bauwerk war auf einer Insel errichtet worden, von der Brücken zu anderen Inseln und zum Festland führten. Einem Angriff wären die tausend Türme schutzlos ausgeliefert gewesen, zumal alle Welt ungehindert Zutritt hatte. Manhattan war jedoch so groß, daß es nicht erobert, sondern höchstens, auch gegen seinen Willen, besucht werden konnte. Reisende, Einwanderer und sogar die Bewohner selbst waren so verwirrt von der Vielschichtigkeit, Launenhaftigkeit, Eitelkeit, Unmässigkeit, Größe und Anmut der Stadt, dass sie längst nicht mehr zu sagen wussten, was sie eigentlich darstellte. Gewiss, sie war im Grunde von einfacher Beschaffenheit und bei aller Geschäftigkeit säuberlich gegliedert, reizvoll und gefällig, ein wimmelnder Bienenkorb der Phantasie und das größte Bauwerk aller Zeiten. Das begriff Peter Lake schon, als er in seinem derben grobgewebten Kittel um fünf Uhr abends an einem Freitag im Mai auf der Bowery stand, die Muschelkrone auf dem Kopf und um den Hals das gefiederte Band. In der einen Hand hielt er den Krug mit purpurnem Muschelbier, in der anderen den öligen Beutel aus Waschbärhaut, der mit Dörrfischwaffeln gefüllt war. Peter war überwältigt, aber er nahm alles begierig in sich auf.
Die Ereignisse liessen nicht auf sich warten. Zuerst wurde ihm das Kanu gestohlen, kaum dass er in der South Street ein paar Schritte auf dem Pier gemacht hatte. Als er dem Boot nur für einen Augenblick den Rücken zuwandte, kamen ein paar Gestalten aus der Dämmerung zwischen den bemoosten Holzpfählen hervorgehuscht und verschwanden gleich darauf mit dem Kanu, als hätte sie der Erdboden verschluckt. Wenige Minuten später sah Peter ein Grüppchen junger Burschen mit Holzbündeln unter dem Arm davontraben. Sie hatten sein Kanu kurz und klein geschlagen, um es als Feuerholz zu verkaufen. Zu dem Zeitpunkt, als Peter die Bowery erreichte, brannte es schon in einer Imbissbude unter Kesseln mit Geflügel-, Schweine- und Rindfleisch. Manchmal kam es Peter Lake so vor, als ähnelte diese Stadt oder das, was er bisher von ihr gesehen hatte, dem Wolkenwall.

(Ebay (Sucheingabe “Helprin”) und auch bei Justbooks.de kann man dieses Buch noch auf deutsch bekommen. Aber Achtung, das ist ein extrem dickes Taschenbuch, eventuell mit höheren Versandkosten.)

# 10. September 2001 um 10:00 PM
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Es ist so lieb von euch, dass ...


Es ist so lieb von euch, dass Ihr alle schreibt, wie gut es sei, dass wir nicht mehr in New York waren, als die Terrorwelle rollte. Aber uns wäre ohnehin nichts passiert, betroffen sind vor allem diejenigen, die in dem World Trade Center gearbeitet haben, vierhundert deutsche Allianzmitarbeiter zum Beispiel. Ich bin froh, dass alle in Ordnung zu sein scheinen, die ich dort vor Ort kenne. Alles andere ist unfassbar.

Mein Herz ist schwer vor Angst. Gibt es denn einen Weg vorbei am Krieg nach dem, was heute in New York passiert ist, und an vielen anderen Orten.

(Die Ereignisse der Woche der Attentate in den USA habe ich in meinem Weblog festgehalten, hier der Link. Von unten nach oben lesen.)

# 10. September 2001 um 10:00 PM
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Freitag, 07. September 2001

Moment mal. Es ist nicht wahr, dass ...


Moment mal. Es ist nicht wahr, dass ich vor gestern wochenlang nichts geschrieben hatte. Schaut doch mal in den Cyberspucknapf! Kann ich doch nix dafür, wenn Ihr nicht ununterbrochen alle meine Seiten nach Aktualisierungen abklappert!

Die Nerverei auf die Spitze treiben: Monatelang penetrant immer und immer wieder fragen “Was ist mit Oliver und dir? Wollt Ihr nicht auch bald mal heiraten??????????”, bis mir der Würgreiz in die Kehle steigt und alles in mir brüllen will “WAS INTERESSIERT DICH DAS SO BRENNEND, DAS IST JA WOHL PRIVATSACHE.” Und dann offensichtlich als Einzige die verdammte Vermählungsanzeige nicht erhalten - und folgerichtig immer noch weiterquäken. Menno!

Und ich weiß, was nun passieren wird. Ich habe geantwortet, dass wir geheiratet haben und ich dieses konstante Interesse an unserem Familienstand nicht nachvollziehen kann. Ab jetzt bis an das Ende meiner Tage (ähem *g*) werde ich bis an die Grenze der Verblödung befragt werden, wann denn nun die kleinen Kinderchen kommen.

Ein klitzekleiner Gebrauchsanleitungstipp. Solltet Ihr eine Frage stellen und keine Antwort bekommen und diese Frage wiederholen und wieder keine Antwort bekommen, und nochmal und so weiter und so weiter und so weiter und so weiter und so weiter .... so habt Ihr wahrscheinlich was gefragt, das euch nichts angeht. Eigentlich hätte ich angenommen, dass es auffällt, wenn man eine Frage fünfmal oder mehr ignoriert, aber das gilt halt nicht pauschal.

Nun stapfe ich durch meine virtuellen Dampfschwaden davon und wünsche euch ein schönes Wochenende. Und wenn euch was nervt, lasst es raus. Gibt ja doch nur Blähungen sonst.

# 07. September 2001 um 10:00 PM
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Donnerstag, 06. September 2001

Es hört nicht auf. Jedes Mal, wenn ...


Es hört nicht auf. Jedes Mal, wenn ich denke: Jetzt haben wir uns für alle Glückwünsche, Aufmerksamkeiten und Grüße anlässlich unserer Hochzeit bedankt, dann kommt wieder ein Paket oder eine Karte. Heiraten habe ich mir weit weniger anstrengend vorgestellt, ähm, organisatorisch jedenfalls. Normalität ist aber in Reichweite, schon in Sicht. Es muss doch irgendwann aufhören?! Obwohl ständig noch irgendwas nachkommt, mit dem wir nicht gerechnet haben. Zweimal umfangreiche Geschenke von einer kompletten früheren Nachbarschaft zum Beispiel, die “nun mal so üblich sind und das haben wir schon immer so gemacht”. Örghs? Gut, dass wir in Düsseldorf nur die Neighbours rechts und links informiert haben ...

So sammeln unsere Mütter eifrig nachbarschaftliche Zuwendungen ein und ich verzweifele an Namenslisten und der haltlosen Panik, jemand sehr wichtigen und mir unbekannten zu vernachlässigen. Na ja. Fast. Die Verwandtschaft selbst ist nicht das Problem, sondern eher, dass ab einem gewissen Alter offensichtlich die Fähigkeit verloren geht zu akzeptieren, dass man die eigenen Vorstellungen nicht immer im Leben durchsetzen kann (Notiz: So nicht werden).

Ich hab’s ja oft genug von anderen gehört: Da ändern Mütter ohne Rücksprache mit den Brautleuten den Trauzeugen, bestellen vorsorglich schon mal hässliche fünfstöckige Torten, buchen Gaststätten und DreiMannKapellen, bestehen auf einem kotzreizerzeugend traditionellem Menü und erbasteln eine voluminöse Gästeliste mit lauter Fremden und verschwenden nicht einen verlorenen Gedanken daran, ob das den Leuten gefällt, die dies alles als einzige entscheiden müssten. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, manche Leute heiraten einzig und alleine für die dazugehörigen Mütter und ob sie selbst kreuzunglücklich und pleite bei dem ganzen traditionellen Ablauf sind ist nicht mal zweitrangig. Der schöne Moment des Ja-Sagens soll alles wieder wett machen und deswegen ergeben sich viele halt in ihr Schicksal. Nehme ich an. Ich hätt’s nicht gekonnt und gewollt, Oliver auch nicht.

Aber ha! Genau deswegen eben sind wir ja ausgewichen und die paar Nachwehen überstehen wir jetzt auch noch. Die beiden Schwiegermütter haben uns zunächst mit Wehmut überschüttet und es fast geschafft, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme: Hach ja, soooo gerne wären sie dabei gewesen ... und dann dieser Kuhblick ... Für sowas bin ich ja leider sehr anfällig.

Aber das Mitgefühl wurde mir schnell ausgetrieben. Selbstverständlich verstehe ich, dass meine Mutter noch eine weitere Vermählungsanzeige in IHRER Zeitung wünschte und bin diesem Wunsch gefolgt, wobei ich geflissentlich den Nachsatz “ganz schlicht finde ich aber schöner” überhörte. Natürlich akzeptiere ich völlig, dass unsere Post mich aufgeschnitten (also geöffnet) erreicht, weil manche Mütter einfach SOFORT wissen MUSSTEN “ob die denn auch ein Geldgeschenk beigelegt hatten”. Ja, ich habe mit authentischem Lächeln mehrere umfangreiche Fotobestellungen nachgeliefert. Ja, auch in hochkant 10x15 und so, dass es zu den anderen Rahmen passt. Es versteht sich von selbst, dass wir überall nachgefeiert haben und uns dabei pflegeleicht in die jeweiligen Anforderungen einpassten. Meinen Brautschleier habe ich artig quer durch die Republik geschleift zum Vorzeigen. Noch in 5 Jahren werden Oliver und ich folgsam nachzügelnde Hochzeitstorten essen.

Es ist wunderbar und wir haben uns gefreut und freuen uns immer noch. Aber es wird auch schön sein, wenn es denn endlich mal vorbei ist.

P.S. ach ja, und uns geht es einfach wunderbar ;-)

# 06. September 2001 um 10:00 PM
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