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Sonntag, 18. März 2001

Blogger dir einen ;-) Langsam verkommt ...

Blogger dir einen ;-)
Langsam verkommt dieses Diary noch zu einem Weblog. Andererseits habe ich keine Lust, die Systemzeit dazu zu schreiben und ich stehe auch nicht auf monströse Ladezeiten, außerdem haben fast alle Weblogs, die ich kenne, immerzu Serverausfälle und sie ähneln sich auch alle so (optisch). Das hat natürlich den Vorteil, dass Leser nicht umdenken müssen. Es scheint auch den Effekt zu haben, dass Themen kritiklos von Log zu Log rüberschwappen.

Vor ein paar Wochen habe ich nur den technischen Vergleich gezogen, inzwischen bin ich der Meinung, dass es auch einen entscheidenden cyberkulturellen Unterschied macht. Für den Schreibenden, versteht sich. Onlinetagebücher sind mir näher. Sie erheben nicht diesen pseudocoolen kolumnistischen Anspruch und sind viel persönlicher. Klar, das ist eine Pauschalaussage. Aber spannend genug für eine Detailanalyse ist es mir nun auch wieder nicht. Am Ende liest man doch nur, was gefällt ;-)

Was die Einträge der letzten Tage angeht: Natürlich habe ich gewusst, auf was ich mich einlassen würde, als ich mein gut gehütetes Geheimnis der Gedächtnisrisse preisgab. Einige Freunde sind sehr besorgt, andere verstehen jetzt, warum ich mich so selten treffen wollte. Andere sind gnadenlos verblüfft und natürlich gibt es auch warnende Stimmen: Ich lebe vom Schreiben, wie kann ich öffentlich zugeben, dass mein Hirn kaputte Zellen hat? Ganz einfach. Weil ich sehen konnte, wie ein Abgrund aus fanatischem Hass sich öffnete - und ich kann einfach kein Schuldgefühl für Ausfallerscheinungen meines Speichers entwickeln, ohne jede Chance einer Erklärung. Sich mit den Dingen beschäftigen, die man wirklich verbockt hat, reicht völlig.

Die Vor- und Unfälle, die ohne eigene Verantwortlichkeiten passieren, sind ja nun auch tag- und abendfüllend genug. Heute zum Beispiel ist ein Tag, an dem Schreiben geht, aber Telefonieren ein Alptraum ist - jeder Satz endet im Nichts. Mir ist nichts übrig geblieben, als einer anrufenden potentiellen Auftraggeberin zu sagen, der Akku sei leer. War er auch. Aber ich hätte eigentlich zwei Telefone :-)

Es ist übrigens nicht so, dass ich komplett oder fast komplett schreibunfähig bin und nichts mehr in den Kontext setzen kann, in den es gehört. Das habe ich nie behauptet bzw. das war jemand anderes. Ich habe nur plötzlich wieder und wieder Steine auf dem Weg, an denen ich mir das Kinn blutig schlage und wegen denen ich mir auf die Zunge beisse. Umso tückischer, als dass es nicht immer so ist. Manchmal weiß ich selbst nicht, fehlt ein Speicherstein oder kannte ich das Wort noch nie. Wenn ich jemanden kenne und mich entspannt unterhalte, dann ist es weniger stark. Wenn ich müde bin, mehr. Ich trainiere das Schreiben. Hier, dort, everywhere. Wenn es wirklich an den Tabletten liegt, werde ich das bald wissen. Ansonsten werde ich mal den wunderbaren Stapel von Vitamin- und Aufbaupräparaten knipsen, die ich hier angeschleppt habe. Ist ‘ne volle Einkaufstüte.

Es wird schon wieder. Und wenn nicht, dann werde ich mich damit arrangieren. Aber es wird wieder.

Und das, wie manche Leute immer so gerne und überflüssig nachdrücklich keifen, wenn ihnen die Argumente ausgehen, ist “the end of that subject”. Genug davon. Euch kann es egal sein, ob ich 10 oder 110 Minuten für einen Satz brauche, gell? ;-) und auch das Üben kann man üben.

# 18. März 2001 um 11:00 PM
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Heute insgesamt vier Tagebucheinträge, das ist ...

Heute insgesamt vier Tagebucheinträge, das ist wohl Rekord :-) vorläufig ungebrochener, denn wie ich schon sagte, zum Log soll das hier nicht werden.

Als ich vor einigen Monaten die Entscheidung traf, hier auch aufzuschreiben, wenn es mir schlecht geht, da war mir schon klar, dass ein paar hässliche Gemüter das als Gejammere abwerten würden. Da man sich aber lieber mit netten Menschen als mit albernem Gesocks abgeben sollte, hat mich das nie abgehalten. Ich wusste damals schon, was einige erst jetzt für sich entdecken - und natürlich sind wieder welche dabei, die vorher abgelästert haben und es nun genauso machen: Nämlich die eine Urwahrheit, dass es gut tut, sein Herz auszuschütten. Einfach mal drüber zu sprechen und nicht immer (wie so viele) eine Sonnenscheinchen-Show mit scheinheilig-fröhlichem Geblubber abzuziehen, die sowieso keiner abkauft.

Nun surfst du von rechts nach links und die Verletzlichkeit menschlicher Körper wird dir beim Besuch der privaten Seiten mit ihren persönlichen Berichten grell bewusst. Immunstörungen, Hirntumore, eingeklemmte Nerven, Augenentzündungen, Schlaganfälle, Panikattacken mit Atemnot. Menschen, die Probleme haben, schwach sein dürfen und auch ihre Angst zugeben können. Denn natürlich macht es Angst, vom eigenen Körper im Stich gelassen zu werden, Schmerzen und unerklärliche Beschwerden und irreparable Ausfallerscheinungen zu haben. Im Hinterkopf immer “was, wenn es so bleibt?!”

Dann bleibt es so und man lebt weiter und man wird stärker und lernt, damit umzugehen. Was die Tagebücher und ihre öffentlichen Einträge angeht: Wenn nur eine einzige Mail von jemandem kommt, dem es Mut gegeben hat, mit einem Problem nicht alleine zu stehen, dann ist es eigentlich schon ganz OK.

# 18. März 2001 um 11:00 PM
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Es war kein gutes Wochenende. Ich verbringe ...

Es war kein gutes Wochenende. Ich verbringe sehr viel Zeit damit, Seite um Seite mit Text zu füllen und wieder zu löschen. Durch einen Zwischenfall ist es mir wieder sehr deutlich klargeworden, wie viele Lücken mein Gedächtnis hat. Vorher hatte ich mich schon fast daran gewöhnt, dass ich ständig etwas anderes sagte, als ich dachte. Man wirkt eben ziemlich behämmert am Telefon und wenn man sich mit Leuten trifft, lässt man am besten die anderen reden. Leider ist der Mensch ein Gewohnheitstier und ich war auch irgendwie so beschäftigt damit, mein erstes Jahr als Ex-Angestellte bzw. freie Autorin zu überleben, dass ich es immer mehr verdrängt habe.

Das schaffe ich jetzt nicht mehr. Ich werde wohl nie mehr wieder spontan und frei und einfach so eine Mail an einen Fremden schreiben. Es ist momentan jedenfalls zu riskant. Und ich will jetzt auch wissen, was genau los ist. Trifft sich also gut, dass der Spezialistentermin, auf den ich vier Monate warten musste, diese Woche ist. Ich bin irgendwie so verdammt wütend auf mein Sprachzentrum, auf mich, darauf, dass überhaupt jemand irgendwelche körperlichen Probleme haben muss. In dem ehrenamtlichen Projekt, an dem wir arbeiten, schiebe ich seit Wochen die Besprechung von Texten vor mir her, weil ich befürchte, dass ich nur Chaos anrichten würde. Aber die anderen sind auch noch da. Ich kann das alles nicht mehr aufschieben, weder den Arzttermin noch das Projekt noch irgendwas, ich tue es jetzt einfach. Pfeif auf den antrainierten Perfektionsanspruch, es reicht ja wohl, jeden verdammten Satz achtzigmal zu tippen und fünfmal laut Korrektur zu lesen. Bald werden die Katzen sich in perfektem Deutsch beschweren, nicht nur die Spracherkennung.

Ehrlich, ich hätte so richtig Lust darauf, nicht nur vertrotzt und mit über das Gesicht laufenden Tränen bockig immer weiter zu schreiben, sondern mich einem Gelage von Selbstmitleid hinzugeben. Das ist aber nicht so richtig drin, obwohl ich finde, das dürfte ich auch mal. Abgesehen von ein bisschen Gemaule geht das aber nicht. Erstens habe ich das große Glück, dass es mich bei Sachtexten nicht so überkommt und ich mir die Zeit so einteilen kann, dass ich meine Arbeit sorgfältig Korrektur lesen kann. Die Wörter, die heute fehlen, sind morgen da (dafür fehlen dann andere). Keine Ahnung warum. Meine Arbeit ist also nicht gefährdet! Das ist sehr, sehr wichtig. Warum also klagen, grmpf. Es war schon viel, viel schlimmer. Warum soll es also nicht immer besser werden?

Zweitens hab ich mein ganzes Selbstmitleid verbraucht, als ich nicht laufen konnte. Jetzt ist nur noch Wut da und ab und zu Verzweiflung, wenn etwas schiefgeht. Ich muss an Ilona und ihren Schlaganfall vor einigen Tagen denken. An Silvia, die unerklärliche Entzündungen in den Augen hat. An Silvi mit der transplantierten Niere, die jetzt wieder krank ist (ich hab jetzt fünfmal transsexuell geschrieben, ernsthaft - wenn das nicht bald aufhört, brülle ich noch die Nachbarschaft zusammen vor Genervtheit). An Kirstin, die einen Hirntumor hatte und an das kleine Mädchen aus der Klapse, die mir ihren Erfahrungsbericht über die Vergewaltigung durch ihren Onkel diktierte. Es gibt verdammt ernstere Probleme als einen Schluckauf im Sprachzentrum und wenn Ihr nicht lieb zu mir seid, werde ich Modedesignerin und Ihr müsst das anziehen, was ich entwerfe.

Eigentlich meinte ich ja was anderes, aber diesmal gefällt mir der Fehler richtig gut. Wenn jemand keine tomatenrote Wolle mag, so spreche er jetzt oder schweige für immer.

P.S. Oliver liest hier Korrektur. Nur falls sich jemand wundert.

# 18. März 2001 um 11:00 PM
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Samstag, 17. März 2001

Gestern habe ich einmal alles installiert, was ...

Gestern habe ich einmal alles installiert, was ich gekauft hatte und das hier noch ungenutzt herumflog. Grafiktablett und ViaVoice, um präzise zu sein. Schon mal eine Spracherkennung installiert? Erst kommt die Software, dann lernt sie sprechen. Zwar habe ich es geschafft, den Probetext flüssig vorzulesen, aber dann musste ich das Handtuch werfen. Im Diary merkt man es nicht, denke ich, aber irgendwas in meinem internen Vokabelspeicher ist nicht in Ordnung. Meiner, nicht der vom PC.

Ilona beschreibt es in ihrem Diary als Folge des Schlaganfalles, den sie vor ein paar Wochen hatte: Die Sprache schleppt, zieht sich dahin und holpert auch schon mal. Wer bei dem Wellen-
brecher-Treffen im Dezember dabei war, weiß, was ich meine. Ständig gab mein Hirn ganz andere Worte heraus, als jene, die ich eigentlich sagen wollte - von einigen wusste ich die Bedeutung nicht mehr - andere kamen einfach und hörten sich tückisch beim flüchtigen Hinhören wie im richtigen Zusammenhang an, aber das waren sie nicht. Für die anderen war es wahrscheinlich höchstens belustigend, wie ich fast daran verzweifelte. Aber das tat ich. Ich habe keine Lust, auf Obst zu zeigen und “das Rote da” zu sagen, weil ich nicht weiß, wie Äpfel heißen und wenn ich dann versuche, wirklich anhand der Farbe einzukaufen, sagt mein Hirn das zwar ... aber mein Mund gibt ein “bitte drei Pfund Birnen” von sich, auch wenn ich vielleicht 500g Äpfel meine.

Wer jetzt noch nicht weiß, warum ich die Sprachausgabe nicht benutzen kann, dem kann ich auch nicht helfen ;-) Versuchen werde ich es sicher noch mal. Ich bin auch nicht lahmgelegt, ich habe nur viele Lücken und auch schon mal einen Moment des Schrecks, weil viele Worte zu fehlen scheinen, aber die kommen dann nach ein paar Minuten und meistens sind es die richtigen. Technische Abläufe kann ich immer noch ganz gut beschreiben, da ich sie anschliessend sauber schrittweise nachvollziehe - sobald es um Emotionen geht, muss ich darauf achten, alles zehnmal Korrektur zu lesen. Tue ich eigentlich auch. Jedes Mal, dass ich es nicht tue, rächt sich leider. Da es aber schon sehr viel besser als im Dezember ist, hoffe ich, dass es komplett wieder vergeht. Am Alter liegt es jedenfalls nicht, und die Computertomographie war noch nicht.
;-)

Anna hat in ihrem vorletzten Tagebucheintrag über die Sache mit dem Alter geschrieben und ich habe den Tag lang geschmunzelt. Sie schreibt “Mir ist da sofort eine Chatkollegin vom #servus eingefallen, die sich mit ihren 35 Jahren so herrlich jung vorkommt weil die meisten dort schon ein paar Jährchen länger leben.” Weil ich nun mal fast 35 bin und von den jugendbetonten Sprüchen der knapp über 20jährigen so gar nicht angetan, war das natürlich für mich persönlich ziemlich lustig. Da denken die 15jährigen insgeheim, sie hätten ja noch die kostbare Gabe unendlich langer Jugend. Die 20jährigen bilden sich ein, dass dem Rest der (älteren) Welt bei weitem nicht so tolle Möglichkeiten offenstehen und offensichtlich gibt es auch die Gruppe über 30, die sich ganz dolle darüber freuen muss, dass andere noch “reifer” sind. So freuen sich auf diesem Planeten voller Deppen die Dicken über noch Dickere, die Alternden über schon ältere, die Assistentinnen über die Sekretärinnen und die Kleinen über die noch Kürzeren. Man sollte doch meinen, dass so viel Freude zu ein wenig Harmonie und Ausgeglichenheit führt?

Ich jedenfalls glaube, dass nur eine ganz hohle Nuss so freudig erregt daran knacken kann, so “herrlich jung” zu sein. Es ist schließlich eine Eigenschaft, die sich ganz schnell von selbst erledigt. Du denkst, du bist jünger als ich? Ach was, ich bin bloss schneller.

# 17. März 2001 um 11:00 PM
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Freitag, 16. März 2001

Gibt es eigentlich inzwischen Handtuchclips? Also eine ...

Gibt es eigentlich inzwischen Handtuchclips? Also eine anständig zupackende Spange, die man zwischen Brustbein und Frottee rammen kann, damit das Badetuch, in das man sich gewurstet hat, nicht alle 48 Sekunden neu drapiert werden muss? Wenn nicht, so erfinde man sie bitte jetzt. Es nervt. Das ist mir früher nie bewusst geworden, aber das lag daran, dass die meisten Handtücher sich aufgrund von Stoffmangel nicht mehrfach um mich drapieren liessen. Dass das jetzt mühelos geht, liegt nicht an verschwindendem Umfang meinerseits, sondern daran, dass die Deutschen täglich fetter werden und das jetzt sogar der “Markt” gemerkt hat und viele Produkte anpasst. Nach Jahren der Idiotie, wohlgemerkt, in denen erwachsene Frauen ab Kleidergröße 42 zu verzweifelten Klopsen degradiert wurden, die Kleinkindermode anprobieren mussten.

Die einen können besser hungern. Das sind die, welche ab einem bestimmten Alter mit Osteoporose und herausfallendem Beisswerk stolz auf einen Stoffwechsel zurückblicken, den sie tapfer so trainiert haben, dass eine normale Mahlzeit wie ein Festgelage entgegengenommen wird. Nicht dass irgendwen dann noch das Ergebnis interessiert, aber immerhin: Zähne und Hirn sind weg, aber die Figur - ja, die “Figur”, die ist noch da. Herzlichen Glückwunsch, übrigens.

Die anderen, die können es nicht, das Hungern - und machen Plöpp wie ein feister, fetter Hefeteig, wenn das erste Kind kommt, die erste Krankheit, das erste Jahr ab 35 und so weiter. Die sind einerseits entsetzt, dass sie nicht gut genug hungern können für die erste Liga, andererseits ganz froh darüber, dass es jetzt ja doch irgendwie egal ist, wenn sie alles in sich reinfuttern. Außerdem haben sie jetzt endlich ein Thema zum Besprechen, Bejammern und Bedauern, für manche ist das echt sehr schön. Kann auch ein gutes Ziel sein, denn wenn alles andere im Leben gut läuft, so kann man sich immer noch selbst damit beschweren, dass es zuviel von einem selbst gibt. Sonst, ja was wäre eigentlich sonst? Wir werden es nie erfahren. Glückwunsch auch hier.

Dann gibt es noch die von “Natur aus Dünnen”, aber hier konkret jene, die stolz die Gabe (?) der Natur mit einer ihnen eigenen Qualifikation verwechseln. Sie leben in ständiger Gefahr, ohne es zu wissen. Dabei kann es ihnen jederzeit passieren, dass ein frustrierter Moppel ihnen die klapperigen Knochen mit einem Doppelwhopper zertrümmert. Nichts kotzt mehr an als zum fünfundzwanzigsten Mal “ach ich bin so froh, dass ich essen kann, so viel ich will ....” und ständiges “bei mir setzt halt nichts an, seufz”. Männer mögen Titten, kapiert? Schweres, pralles Fleisch, keine Hängeläppchen. Möchte ich sagen, tue es aber nie. Denn rein technisch betrachtet weiß ich, dass es auch Männer gibt, die nicht mal hingucken, wenn sich ordentlich was wölbt. Hahaha. Müsste ich mich für das Wort “Titten” entschuldigen? Nö. Nicht wirklich. Es bevölkert sonst nicht mein Vokabular, aber es ging in diesem Zusammenhang schließlich um Männer.

Es gibt auch andere von Natur aus zierliche Menschen, die nicht den ganzen Tag rumrennen und mit ihren Stockbeinchen und Kindertaillen protzen, nur weil die gerade in Mode sind. Die benehmen sich normal. So wie es sein sollte, bei dick oder dünn. Lass mich mal überlegen, was wohl der Unterschied zu den Knochenklapperern sein könnte. Ah ja. Die haben es nicht nötig, weil sie mehr können als nur dünn sein. Dazu aber nun ernst gemeinten herzlichen Glückwunsch.

Und die dicke Variante, die Jammerklopse. Hach, das Leben ist so ungerecht, die Welt ist gemein, die Klamotten teuer und all das ist eigentlich ein Grund, lieber gar nichts zu unternehmen und einen kleinen Snack zu nehmen. Manche sind eßgestört, oft aber nicht therapiewillig, doch ich kenne auch einige, die einfach nur fressen. Andere sind eben dick. Einfach von Natur aus. Wäre es nicht schön, wenn die das einfach sein dürften? Ganz normal, ohne sich für etwas rechtfertigen zu müssen, das sie sind - und ohne dagegen anzugehen?

Es ist schwer mit einem mediengefütterten Verstand zu erfassen, ich weiß das. Aber auch wenn die Optik das erste ist, was andere von dir wahrnehmen ... so ist das doch kein Grund, sich wie ein willenloser Klumpen Hirnmasse verzweifelt an dem Bild zu orientieren, das Werbung, Mode-Industrie und Fernsehen einem vorgaukeln. Klar wäre der Einheitsmensch praktischer für viele ... Firmen. Eine Frau mit wenig Form ist leichter einzukleiden, die Klamotten müssen ja praktisch nix können, außer runterzuhängen. In der Masse verschwinden, aussehen wie alle, unauffällig, wenig sein, das gilt als erstrebenswert. Man könnte auch sagen: Kinder, Küche, Kirche sind nicht mehr lebensfüllend, seit es Kindergärten, Elektroherde und Privatfernsehen gibt, die dummer Weise viel Freizeit übriglassen am Ende eines kurzen, nicht anstrengenden Tages. Also gebt doch diesen dummen Weibern etwas anderes, womit sie sich rund um die Uhr beschäftigen können: Komplexe. Auch mit K.

Letztes Jahr irgendwann im Herbst habe ich eine Computerschulung für vier sehr hübsche, nette Mädels gegeben. Alle so zwischen 25 und 35, würde ich sagen. Wir arbeiteten tapfer an HTML und mittags gingen wir essen. Ich fühlte mich müde und wollte was Aufputschendes mit Zucker, und so bestellte ich mir eine Cola. (Sonst trinke ich keine, aber ich gehe mal davon aus, dass ich alt genug bin, um das selbst zu entscheiden und wenn ich täglich fünf Liter davon trinken würde, so wäre das zwar schwer blöde, aber meine Sache.)

Nun ja, die anderen tranken natürlich Wasser und Cola Light und als mein Zuckerwasser kam, sahen sie mich alle an und dann versicherten sie sich alle gegenseitig, dass es durchaus in Ordnung wäre, wenn auch molligere Leute einfach mal so eine Cola trinken. Nun muss ich dazu sagen, dass das Thema gerade irgendwie auf Diätenwahn gekommen war (logisch, in einem Restaurant ....*augenverdreh*) und ich mit Nachdruck versichert hatte, dass ich durchaus nicht vorhabe, mich durch einen pervertierten Schönheitskult in irgendeine Richtung quetschen zu lassen, die mein Körper offensichtlich nicht einschlagen kann.

Diese bereitwillige allgemeine Beteuerung, dass ich eine Cola trinken durfte, war natürlich total nett gemeint. Das ist ja das perverse. Man müsste sich an den Kopf fassen, wenn der nicht so schmerzen würde. Diese Situation hat sich mir ganz deutlich eingeprägt. Hätten wir nicht zufällig über Gewicht, Übergewicht und Diäten gesprochen, mit denen diese vier (schlanken) Frauen sich offensichtlich ihr ganzes Leben lang beschäftigt hatten, hätten sie keinen Pieps gesagt und sich ihren Teil gedacht. Die Dicke trinkt ne Cola. Kein Wunder also, dass sie viel wiegt. Nicht diszipliniert genug.

Disziplin, dass ich nicht lache. Einfach normal zu sein ist sehr viel disziplinierter als sich dem anerkannten Irrsinn zu beugen. Es kostet viel Kraft, in Gesellschaft normal zu essen, wenn man zu viel wiegt. Ich tue es grundsätzlich. Wenn ich keinen Hunger habe, esse ich nichts oder wenig, wenn ich viel Hunger habe, gehe ich auch dreimal zum Büffet. Wenn mir nach einem Salat ist, esse ich den. Wenn ich Sahnetorte will, auch die. Wenn ich zweimal Torte will, auch zweimal. Ich gehe alleine in Restaurants, wenn ich auf Geschäftsreise bin, hole mir was zum Essen an einem Imbiss und gehe auf Parties. Und niemand, der das nicht am eigenen schweren Leibe kennt, hat auch nur die geringste Ahnung, was es bedeutet, ständig unter öffentlicher Beobachtung zu essen. Andererseits, sollen sie doch gucken. Wer sind die schon, die da glotzen ;-) wichtig können sie nie sein.

Es wäre wunderbar, wenn jeder einfach sein könnte, was er oder sie ist. Ohne zu hungern, ohne sich selbst zu hassen wie viele, ohne sich randvoll zu stopfen - ohne aufzugeben aber auch, ohne um jeden Preis zu versuchen, zu gefallen. Einfach sein. Ja, ich weiß. Das würde wohl nur funktionieren, wenn Handtücher von 1,20x2m sich als Einheitskleidungsstück durchsetzen (meinetwegen auch die Strandlakenvariante, für die Kleinen *g*) und wenn die Mädchen zwischen 13 und 33 die Meinungen von Männern nicht mehr so übertrieben bewerten würden. (Diese Jahre halte ich für die kritischste Phase, in der auch schon mal das Hirn aufgrund von Hormonschüben ausfällt. Vielleicht ist es auch 13 bis 43, das finde ich gerade heraus, ob das so ist ...) Das wiederum setzt intelligentere Männer voraus, ein Thema, das ich heute besser ruhen lasse, bevor ich in diesem Handtuch noch erfriere.

Einen schönen Samstag wünsche ich Euch. Und wenn du das nächste Mal einen dicken Menschen eine Treppe hochschnaufen siehst, dann sei nicht verächtlich, sondern denkt daran, dass er vielleicht ganz nett ist. Oder dich hässlich findet. Oder dein neuer Chef ist, oder keine Schilddrüse hat, oder einen Tumor an der Hirnanhangdrüse, der sein Körpergleichgewicht stört, oder einfach jemand, dessen Aussehen dich einen feuchten Kehricht angeht. Oder eine Frau aus dem Wellen-
brecher und schwanger, denn die werfen momentan wie die Karnickel - sorry *gggg* Nein, nicht ich! Und ich mag Kaninchen sowieso gerne. Mit Rosmarinsosse?

# 16. März 2001 um 11:00 PM
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