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Sonntag, 04. Februar 2001

Montagmorgen auf der Insel. Meine kleine Ferienwohnung ...

Montagmorgen auf der Insel. Meine kleine Ferienwohnung liegt unter dem Dach und hat einige Schrägen - aber nicht zu viele. Erst eine schmale Treppe hoch, dann durch die Eingangstür: Rechts das Bad, ein Stück geradeaus und um die Ecke eine kleine Einbauküche in einem breiten Flur, der sich am Ende in einen Wohnbereich ausweitet. Bettsofa, Sessel, Couchtisch, Schrankregal - und ein Eßtisch mit zwei Stühlen, direkt vor einem der drei Fenster. Durch die Rückwand geht es weiter in ein Schlafzimmer mit zwei Holzbetten und einem sehr großen Bauernschrank.

Alles zusammen unter 40 m², würde ich sagen. Irgendwann krame ich die Digicam aus der Tasche, aber momentan hause ich noch inmitten geöffneter Koffer. Erst musste ich ja das Büro aufbauen :-) Back to basics. Was braucht der Mensch mehr als einen Wasserkocher, einen Kühlschrank, ein Bett und einen Laptop? Im Winter auf der Insel eine gute Heizung, das gebe ich zu. 25m Modemkabel führen von meiner Wohnung zu der von Tom. Online bin ich also nachts, meistens nachts.

Es ist 20 Minuten nach 9 und ich trinke einen Cappuccino und warte, dass es halb schlägt. Ich muss einkaufen und ein paar Termine machen (*g*) und dann dringend arbeiten. Wenn ich zu früh heruntergehe und die Läden öffnen erst um 10 ..... dann muss ich dort in der eisigen Kälte herumlaufen, denn sehr oft schaffe ich diese Treppe nicht so ohne weiteres. Klar schaffe ich sie, aber danach schmerzt mein rechtes Bein und ich möchte einfach in Ruhe arbeiten. Einkaufen muss ich aber, denn es hat keinen Zweck, wenn ich - wie gestern - nur eine Tütensuppe esse.

15 Uhr
Die Insel taut. Alle schippen eifrig Schneematsch und ich habe erst mal eine Tonne Obst gekauft. Äpfel, Mandarinen, Bananen und rote Trauben, Milch, Aufschnitt, Käse, drei Brötchen, naturkörnigen Reis, etwas Schokolade und einmal Pril und schon war ich 70 Mark los *schluck* dafür hätte ich im heimischen ALDI den Wagen für fast eine Woche voll gehabt. Inselpreise halt. Die Läden öffneten übrigens wirklich fast alle erst um 10. Sogar der, an dem ich extra vorbeimarschiert war, um sicher zu gehen, dass er um 9 aufmacht, hatte plötzlich ein neues Schildchen, ts.

Heute ist der fünfte Tag, und das finde ich unfassbar. Aber da ich keine Schmerzen mehr habe, kein Fieber, keine Ahnung ob ich erschöpft WÄRE, denn ich schlafe sehr viel *g* und meine Finger immer weiter abheilen ... muss es wohl stimmen. Eine kleine Stelle im Brustkorb schmerzt und ziept ein wenig, das ist die Sehnsucht nach Oliver. Da ich aber auch keine Lust habe, als bewegungsunfähiger missgelaunter Klumpen zuhause herumzuliegen, kuriere ich mich weiter aus. Seufz .... bisher hat es sich ja schon gelohnt. Der Laptop hält, was er verspricht. Vorhin habe ich einen Autorenvertrag per Unified Messaging Fax in der Mail gehabt, meine Unterschrift eingefügt und ihn zurückgeschickt. Wie sagte schon mein alter Freund Meatloaf immer so nett?

Gimme the future, gimme the future, gimme the future - with a modern girl :-)

# 04. Februar 2001 um 11:00 PM
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Samstag, 03. Februar 2001

Kalte Inselnächte. Wenn ich gewußt hätte, wie ...

Kalte Inselnächte. Wenn ich gewußt hätte, wie herrlich eine elektrische Heizdecke ist - ich hätte mir schon vor Jahren eine zugelegt :-) Wie eine Oma kuschele ich mich in die künstliche Wärme. Konsequent durchlüften ist eine frostige Angelegenheit, aber ich merke, dass die Luft mir gut tut und halte sie also frisch. Meistens.
Jedes Mal beim Aufwachen bin ich erleichtert, dass die Gliederschmerzen nicht zurückgekehrt sind. Ich fühle mich lebendig. Meine Hände heilen ab. Auf der Fähre war es noch so, dass mir die Haut an den Fingern längs aufplatzte, als ich unachtsam nach der Tasche griff. “Wasndas?” pöbelte einer dieser unsäglichen pubertierenden bemützten 12jährigen mit riesigen Nasen, überlangen Armen und Beinen und Hormonakne, der sich an mir vorbei drängen wollte und nun interessiert die Blutstropfen anglotzte, die über meine Hand liefen. “Ebola” sagte ich nur und sah ihn zucken. Nicht meine Schuld. Ich fand schon immer, dass Kids in dem Alter keine Filme über Killerviren gucken sollten. Wenigstens war er dann ruhig. In Therapie hätte er sowieso irgendwann gemusst. Bei den Turnschuhen.

Neurodermitis gehört zu dieser Autoimmun-Krankheit der Schilddrüse fast schon dazu. Das weiß ich nicht vom Arzt, der das als Blödsinn abtat. Sondern von etwa 30 Leuten, die exakt dieselben Symptome bei derselben Ausgangskrankheit haben :-) ach ja, Kommunikation mit den Weißkitteln ist immer wieder schön, gelle? Lauter betroffene Leute haben: Neurodermitis, Durchfall (Darmpilz), Erschöpfungszustände, Fieberschübe. Und alle Ärzte sagen: Mit der Einnahme des künstlichen Hormons sind Sie/sie komplett repariert. Wäre das nicht schön, wenn die mal Recht hätten? Seufz.

Es gibt eine kleine Stelle vorne an meinem Hals, die ich manchmal spüre. Nicht schmerzhaft. Ich spür sie nur. Das ist der Rest meiner Schilddrüse, der von meinem eigenen Immunsystem bekämpft wird, als sei es fremdes Gewebe. Medizinische Laien wie ich mit einem ausgeprägten und sorgfältig erworbenen Misstrauen gegen Ärzte haben es nicht so richtig leicht. Meiner eigenen Logik nach, die ja nur eine laienhafte sein kann, überlege ich schon die ganze Zeit: Warum entfernt man die Schilddrüse denn nicht “einfach”, wenn der Körper eine unheilbare Autoimmunreaktion gegen das SD-Gewebe hat? Sie funktioniert nicht. Ständig toben irgendwelche schweren Entzündungen in mir, weil mein Körper gegen sein eigenes Gewebe kämpft. Mehr als die Hormone künstlich zuführen geht sowieso nicht. Warum also dann nicht raus damit?

Ich bin wirklich nicht sehr freudig erregt über den Gedanken, mir ein wichtiges Organ aus der Kehle schnippeln zu lassen. Gehört nicht zu meinen Lebensträumen, sozusagen. Aber wenn sie doch sowieso kaputt ist? Nur Ärger macht?

Ich hätte so viele Fragen. Es dauert Monate, einen Termin beim Fachmann zu bekommen. Mo-na-te. Als Bittsteller läuft man dann ein, um etwa 8 Minuten uninteressierte Beratung zu ergattern. Als erstes muss man erklären, warum man überhaupt so lästig ist und Fragen hat. Dann darf man sich dafür rechtfertigen, sich im Internet mit anderen Betroffenen ausgetauscht zu haben und deswegen lästige Fragen zu haben. Anschließend wird man belehrt, dass die lästigen Fragen allesamt Blödsinn sind, weil sie nicht in Gesprächen mit Fachleuten entstanden sind. In den 8 Minuten alle 4 Monate wahrscheinlich????

Oh, Entschuldigung. Was interessiert mich auch mein eigenes besch…enes kleines Leben? Es muss doch völlig reichen, wenn ich den Krankenkassenbeitrag zahle :-)

# 03. Februar 2001 um 11:00 PM
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Freitag, 02. Februar 2001

Mein aktuelles Lieblingswort: Entreprenerd

Mein aktuelles Lieblingswort: Entreprenerd :-)

Norderney im Schnee ist ein Ort zwischen den Welten. Wie Brigadoon wird es versinken und erst in 100 Jahren wieder auftauchen. Bis dahin grüßen die vermummten Gestalten auf der Strasse mich, als würden wir seit Generationen zusammen Ziegen hüten. Krabben jagen. Den Strand fegen. Whatever.

Eisig erobert der Wind meine Lungenspitzen und ich freue mich darüber. Wie ein Zombie bin ich hier vor drei Tagen hier gelandet, müde, emotionslos nach Stunden der Bahnfahrt und dem Transfer mit der Fähre - nicht einmal habe ich auch nur aus dem Fenster gesehen, so bleiern war mir um Herz und Magen. Nun sitze ich hier in einer niedlichen Zweizimmerwohnung in der Innenstadt und sehne mich danach, mitten in der Nacht durch den Schneesturm bis hin zum Meer zu laufen. Leider würde ich es wohl kaum hin und zurück schaffen, daher muss ich das verschieben.

Den ersten Tag habe ich geschlafen wie ein Stein. Am zweiten habe ich mein mobiles Büro aus der Frachtkiste entbunden. Heute abend wurde mir dann endlich klar, dass mir vermutlich so flau um die Kniekehlen war, weil ich seit meiner Ankunft nichts gegessen hatte ausser ein paar Keksen am ersten Abend.

Also stiefelte ich los, aus dem warmen Nest, runter in die eisige Kälte und auf das erste hell erleuchtete Restaurant zu. Beim Lesen der Speisekarte spürte ich Unlust, mir war nicht nach Nahrung. Also bestellte ich einen Salat mit Brot, würgte ihn runter und marschierte durch den Schnee zurück. Zehn Minuten später: Röhrender Hunger! Sehr unpraktisch. Abwarten. Liess nicht nach. Also wieder ab in die Kälte, andere Richtung diesmal, wieder in das erste helle Licht hinein. Köstliche Pizza - klar, dass ich nach einem Drittel pappesatt war. Werde mich zukünftig um etwas mehr Normalität bemühen (müssen).

15 m links ist ein Optiker - endlich werde ich die Zeit UND die Gelegenheit haben, neue Kontaktlinsen anpassen zu lassen. 20 m rechts ist eine Kosmetikerin, mit Möglichkeit zur Fußpflege. Darüber bin ich verdammt froh, ich hatte schon befürchtet, mich bis ans andere Inselende kämpfen zu müssen für die anstehenden allgemeinen Renovierungsarbeiten ;-) Ringsherum im Radius von so 200 Metern sind Geschäfte, Reinigung, Post, Souvenirläden ... weiter komme ich noch nicht so ohne weiteres, aber das ändert sich schon noch, denke ich mal.

Vor meiner Abfahrt ging es mir fast stündlich schlechter. Jeden Tag ein bisschen mehr Müdigkeit, steigendes Fieber, völlige Erschöpfung ohne einen Handschlag zu schaffen. Die Verzweiflung fing an, mir durch die Knochen zu kriechen wie ein eiskalter Hauch: So kann man nicht leben. Ich kann so nicht leben. Ständig stiess ich an Grenzen. Ununterbrochen kamen Leute an und zwangen mich dazu, Forderungen und Erwartungen abzulehnen - samt und sonders völlig ohne Verständnis dafür, dass ich kein bereitwilliger kostenloser unaufhörlich bereitwilliger Dienstleister (mehr) bin.

Es macht mich fassungslos, wie wenig es andere Leute interessiert, wenn man sagt “das kann ich nicht, es geht mir zu schlecht”. Das Arschloch-Syndrom. Und nein, es ist nicht geil, ein Arschloch zu sein, es ist minderwertig. Minderwertigkeit ist noch weniger empfehlenswert als Unterdurchschnittlichkeit oder Mittelmass. Sagen wir es mal so: Noch mehr Druck war nicht gerade das, was ich brauchte. Ich konnte noch nie gut “Nein” sagen. Jetzt kann ich es. Gezwungenermassen, denn irgendwer will ja immer irgendwas. NEIN sagen übt. Nach einigen Malen konnte ich es mir sogar wieder leisten, JA zu sagen, wenn ich es wollte. Ich will aber nicht oft.

Eine Frau hat zu mir gesagt “Wieso, du kannst doch auch Diary schreiben, dann kannst du das doch auch wohl.” Ist das nicht putzig? Beinahe wäre ich wieder darauf reingefallen. Beinahe hätte ich damit begonnen, zu erklären und zu rechtfertigen, dass ich mit meiner Kraft und Zeit beginnen kann, was immer ich will und erst ganz, ganz, ganz lange danach kommen andere Dinge. Wenn überhaupt. Dieses eine Mal allerdings habe ich etwas anderes getan. Ich habe dafür gesorgt, dass die Mails dieser Frau von jetzt an und für immer schon auf dem Server gelöscht werden und mich nicht mehr erreichen. Nennt es Mülltrennung, wenn Ihr wollt :-)

Die letzten Tage zuhause waren also ziemlich schlimm. So im Nachhinein denke ich, dass ich wahrscheinlich ins Krankenhaus gehört hätte. Andererseits, wozu. Um in einer lieblosen und schlecht durchdachten Maschinerie von Leuten betreut zu werden, die in ihrem Job komplett abgestumpft sind? Es ist nicht nachvollziehbar, ob es die langwierigen Unfallfolgen, die Überarbeitung, das Übergewicht oder die Schilddrüsenprobleme sind, weswegen es mir so oft so schlecht geht. Vorhersagbar ist allerdings, dass man sich auf das Übergewicht konzentriert hätte - in dieser Beziehung besteht unsere Gesellschaft ja fast nur noch aus Idioten. Gewicht schön und gut oder eben nicht gut, aber ich habe nicht das Gefühl, dass meine Gesundheitsprobleme am Gewicht liegen.

Ich weiß auch nicht, was ich habe. Aber ich muss kein Arzt sein, um zu wissen, dass mir ein Tapetenwechsel, Zeit für mich und das Klima am Meer gut tun werden. Wie ich es gehofft hatte, geht es mir hier im Reizklima schon nach sehr kurzer Zeit etwas besser. Die irrsinnigen Gliederschmerzen und die lähmende Erschöpfung haben aufgehört. Ebenso das Fieber. Ich bin immer noch nicht erkältet. Meine Nase ist endlich aufgetaut. My Cloud has a silver lining.

# 02. Februar 2001 um 11:00 PM
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Donnerstag, 01. Februar 2001

Nase aufgetaut. Meistens jedenfalls.  ...


Nase aufgetaut. Meistens jedenfalls.

# 01. Februar 2001 um 11:00 PM
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