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Dienstag, 31. Oktober 2000

Dritter Tag auf der Insel. Immer noch ...


Dritter Tag auf der Insel. Immer noch nicht erkältet, obwohl in den ersten beiden Nächten die Heizung ausgefallen war. Mir hat das eigentlich gar nichts weiter ausgemacht, ich habe geschlafen wie ein Stein. Meine Wangen glühen, meine Nase ist feucht und kalt ;-) und die Bronchien arbeiten auf Hochtouren, ich bin aktiv und gut drauf: Das “Reizklima” tut mir verdammt gut. Gesundheitlich betrachtet müsste ich wohl hierhin umziehen, zumal ich auch ständig aufgefordert werde, noch länger zu bleiben. Es ist schön, nicht immer so schnell müde zu sein und sich einen ausgewachsenen Muskelkater von Strandwanderungen bei Sonnenaufgang zu holen. Aber den Rest meines Lebens mit zusammengebundener Haarmähne rumlaufen wegen dem Inselwind? Die Inselpreise mit Zuschlag zahlen? An den Wochenenden mit Schulklassen, Kegelclubs und Ballermann-Ausflugsfahrten konfrontiert werden?
Zugegeben, die Inselmänner sind Kavaliere. Sie machen sich vorsorgliche Gedanken darum, ob und was eine Frau alles allein kann und darf. Alleine mit einem Kegelclub konfrontiert werden, ohne Gesellschaft schlafen ... oder ohne männliche Begleitung Taxi fahren, essen gehen - alles wird aufs Fürsorglichste kommentiert. Taxifahrer, ich glaube, das lege ich jetzt lieber nicht schriftlich nieder, die Eindrücke sind zu frisch. Es könnte daran liegen, dass die Menschen hier im Durchschnitt gute zehn bis 12 cm größer sind als in Liliput-Land und ich mit meinen einhundertzweiundachtzig Zentimetern die Männlichkeit nicht so überrage wie sonst. Da traut sich schon mal eher einer, frisch zu werden. Ich bin etwas aus der Übung, habe am ersten Tag echt eine halbe Minute gebraucht, bis ich begriff: “Bettdecke mit Ohren usw.”, das hiess, der hatte mich doch tatsächlich gefragt, ob ich armes Ding alleine übernachten muss oder ob ich kurzfristig einen Insulaner ausleihen will ... au backe.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich so wohl und locker fühle auf der Insel. Es stimmt schon, ich passe in vielen Dingen am besten in den Norden. Wenn man Düsseldorf mit seinem Charisma und seinen Möglichkeiten an die Küste bringen könnte, es wäre perfekt. So aber bleibt mir nichts übrig, als mir in Erinnerung zu rufen, wie gut mir ein Urlaub auf der Insel tun würde.Hier läuft alles herausragend (“wir” hatten heute keinen Feiertag), ich bin sehr zufrieden und fahre morgen zurück. An die nächste Handy-Rechnung darf ich gar nicht denken ... online mit dem Modemhandy bzw. Handymodem klappt jedenfalls ziemlich gut *g*

# 31. Oktober 2000 um 11:00 PM
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Sonntag, 29. Oktober 2000

7.15 UhrMiss Peppermint liegt heimlich, still und ...


7.15 Uhr
Miss Peppermint liegt heimlich, still und leise auf dem flachen grünen Kissen und schiebt ihren winterlichen Hüftspeck so nach und nach immer weiter über den Rand in Richtung Mitte. Wenn keiner guckt - oder wenn sie denkt, dass keiner guckt - schiebt sie die Flauschbauchkugel noch ein bisschen hin und her. Letzte Woche hat sie nämlich schon mal darauf gelegen, und da wurde das Kissen warm! Das muss sich doch wiederholen lassen.
Ich war an dem Tag davon aufgewacht, dass Fräulein Pfefferminz, die wahrhaftig keine kleine Katze ist, einfach quer über mich drübermarschierte und sich dann neben mir auf dem ausgeschalteten Heizkissen niederliess. Tückisch habe ich den Schalter betätigt und sie auf Stufe 3 ein bisschen gargekocht. Erst stutzte sie. Dann streckte sie sich wohlig. Dann kam ihr der Verdacht, dass ich nur wartete, bis sie durchgeköchelt war und sie verzog sich lieber. Heute morgen muss ihr eingefallen sein, dass dieses Kissen warm werden kann. Und nun wartet sie.

Ich habe schon am Samstag gepackt und gestern alles doppelt und dreifach gecheckt. Bloss eins habe ich falsch geplant: Die Orkanwarnung. Wenn ich schon mal auf die Insel muss ...

9.35 Uhr
Der Zug hatte bloss 15 Minuten Verspätung, dafür habe ich einen dieser Dreisitz-Tischplätze erwischt, obwohl der Schaltermensch hartnäckig behauptet hatte, der ganze Zug sei ausgebucht und nur noch ein Kettenraucher Abteilplatz frei. Stimmt natürlich nicht. Der Zug ist halb leer. Aber was soll man schon von jemandem erwarten, der nicht an die Existenz des Internet glaubt und in einem fensterlosen Büroloch im Ratinger Ostbahnhof haust. “Wo haben Sie das denn her” fragte er misstrauisch, als ich ihm meinen fürsorglich ausgedruckten Fahrplan vorlegte. “Telepathie” hätte ich beinahe geantwortet. Ich möchte an mein Salami-Brötchen, aber die Tasche liegt hoch über mir auf der Ablage. Seufz.
13.51 Uhr
Vor dem Fenster kreischen die Möwen, der Wind bläst Schaumkronen über das Meer. Im Nichtrauchersalon der Fähre ist es wohlig warm, draussen wird man fast davongeweht. Kleiner Schönheitsfehler dieser externen Idylle: Wir können nicht auslaufen, Sturmwarnung auf Norderney. Ich habe die Kindersicherung einer Steckdose geknackt und lade meinen Akku auf. Den vom Notebook auch. Kleiner Schönheitsfehler der fähreninneren Idylle: Neben mir findet ein angeregtes Gespräch statt: “Sach ma Mööööwe. Gucke da wie die Möööwe ihren Popo putzt! Fein, nicht wahr?” Vivian-Marie oder wie auch immer Schnullerbäckchen heißen mag strahlt über beide angesabberten Backen. Torge-Leon (oder wie auch immer) ist alt genug zum Sabbern, aber nicht für Möwen. Die Mutter hat mir gerade erzählt, dass sie sich “nächstes Jahr” als “Webdesignerin” versuchen will, auf die beiden freien Plätze steuern zwei Damen im klassischen Deutschlehrerinnen-Look zu.

Live von der Insel - noch nicht ganz - Melody.

(to be continued)

# 29. Oktober 2000 um 11:00 PM
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15:09 UhrWas hab ich für ein Glück: ...


15:09 Uhr
Was hab ich für ein Glück: Zwei Steckdosen und ein Fischerklavier in unmittelbarer Reichweite. “An der Nooooooordseeeeküste” und “Sah ein Knab ein Röslein stehen” mischen sich ganz allerliebst mit den Stimmen von ca. zweihundert? etwa 12jährigen Mädchen. Sollte diese Fähre jemals auslaufen dürfen und dann sinken, wird das einen Kreischfaktor hervorrufen, der es mit jedem Konzert der Hinterhofstrassen-Bengel aufnehmen kann. “Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir” und der fliessende Übergang in ein endloses “Wir lagen vor Madagaskar” zeigt jedenfalls deutlich an, dass die Dame mit dem Akkordeon auch lieber langsam ablegen würde. Die Kinder heißen übrigens Mark-Andre und Sophie-Charlotte. War ich ja dicht dran.Na gut, ist ja auch nicht schwierig.
Auf der Mauer auf der Lauer ... ähm, wo war ich?

15:39 Uhr
Nach den drei Chonosen mot dom Kontroboss und Kumbaja?-my-lord konnte auch der Käptn die Singerei nicht mehr ertragen und warf den Motor an. Nicht, um abzulegen, wie es scheint, sondern um mal eine andere Sorte freudiger Erregung hervorzurufen ;-) Na, es wird nun bald losgehen. Ich habe per Handy-Internetverbindung ein Fax geschickt, weil ich ja abgeholt werden soll ...Das ist alles soooo praktisch.

22.58 Uhr
300 Meter vom Meer entfernt, anderthalb Meter vom Sturm. Abendbrot: Apfel, Snickers, Wasser - keine Lust gehabt, das Zimmer bzw. die Aussicht zu verlassen, glühende Wangen (ist hoffentlich nur Inselfieber). Heute mittag war es spannend, über das Handy online zu gehen, das ist nun vorbei. Wenigstens benutze ich das Handy jetzt überhaupt mal. Die Fähre hat das Gesinge irgendwann zum Verstummen gebracht, indem sie sich heftig durch den Seegang schaukelte - nur in meinem Kopf summt es immer noch “go tell it on the mountains”. Ach ja. Over the sea and everywhere.

Der Wind donnert gegen das Fenster und lockt “komm du dummes Landei, schau Dir das Meer bei Nacht an, krabbel durch die Dünen und brech Dir frierend alle Knochen, nur um mich in Aktion zu sehen”. Endlich mal ein Zeichen dafür, dass ich auf der richtigen Seite der 30 angekommen bin, nun bin ich alt und faul genug, um solchen Impulsen nicht mehr nachzugeben. Obwohl es Nächte am Golf von Neapel und am Atlantis in der Nähe von Sagres gibt, in denen ich zwar sehr gefroren, aber es nicht eine Sekunde bereut habe, mir das lebendige Meer anzuschauen ... muss die rauhe Nordsee bis morgen warten. Gute Nacht.

# 29. Oktober 2000 um 11:00 PM
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Freitag, 27. Oktober 2000

Nächste Woche werde ich unterwegs sein (nein, ...


Nächste Woche werde ich unterwegs sein (nein, leider kein Urlaub *g*) und irgendwas sagt mir, dass ich bis dahin nicht alle Mails beantwortet haben werde. Ist es nun erschreckend oder ein Trost, dass es allen aktiven Onlinern so geht: Zuviel Information, zuviel Kommunikation und zwischendurch immer wieder Rückstände beim Aufarbeiten? Es wird sich nicht ändern, also muss man eigene Wege finden, damit umzugehen. Diesmal kurzfristig vielleicht den Komplettexport aller Mails auf den Laptop und das geruhsame Beantworten während einer 6stündigen Reise? Wie stressig. Mal schauen. Arbeit und Bücher zum Mitnehmen gibt es ja hier auch noch reichlich.

Auf Norderney sind es frische 14 Grad und ein stürmischer Herbstwind weht. Das kann ja heiter werden am Montag, wenigstens wird die Fähre kaum überfüllt sein :-) Spontan denke ich ja “wow klasse, keine Touristen und ein bisschen Herbst am Meer!”, andererseits werfe ich schon den ganzen Morgen sorgenvolle Blicke in Richtung Kleiderschrank: So richtig warme Pullover hab ich eigentlich gar nicht, denn mir ist im normalen Verlauf fast nie kalt, nie warm. Einen leichten Wintermantel habe ich nur, um nicht ununterbrochen auf “oh du meine Güte, ist Ihnen nicht kalt?” antworten zu müssen. An der See allerdings wird es auch für mich kalt werden, das steht fest, und mein Gesundheitszustand ist nun mal nicht der beste. Irgendwo in den Tiefen des Schranks müssen noch dicke Rollkragenpullover aus Samt sein, halten die eigentlich warm? Ich seh mich schon diese klassischen dunkelblauen Seemannspullis im Affekt kaufen *g* bis zum realen Notfall werde ich es aber mal mit zwiebeligen Schichten versuchen (man kann ja Unterhemdchen und so Spielzeug auch drunter tragen, fällt mir gerade ein). Das Schöne am Frieren ist, dass man sich anschließend mit einem frischen Grog und einem Buch so zusammenkuscheln kann, dass man aus dem Fenster auf die Dünen sieht. Ich werde mal versuchen, diese Einstellung beizubehalten *bibber* :-)

Ob ich online gehen kann, steht noch in den Sternen. Zwar kann man natürlich mit dem Handy mal eben nachsehen, ob Mails da sind, aber da immer Mails da sind und das hundertfach ... ist das zwar praktisch, aber nicht praxisnah. Denn was will man schon machen, wenn der Laptop über 9.600 Baud mit dem Netz verbunden ist und sich stundenlang die Nachrichten runterleiert, sowas fange ich gar nicht erst an. Man kann weiterleben, auch ohne Web und Mail. Glaub ich. Naja, zumindest eine Woche lang sollte das zu schaffen sein (*kreisch* !!!)

# 27. Oktober 2000 um 10:00 PM
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Mittwoch, 25. Oktober 2000

Der Schnupfen ist weg. Dafür beunruhigen mich ...

Der Schnupfen ist weg. Dafür beunruhigen mich andere Dinge ein wenig. Die junge Heilpraktikerin, bei der ich meine Zehnerkarten für Ganzkörpermassagen kaufe, stand gestern völlig aufgeregt vor mir, als sie von der Schilddrüsen-Diagnose erfuhr. Alle Fachmenschen scheinen davon auszugehen, dass sich körperlich sehr viel verändern wird, wenn ich erst mal “repariert” bin. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Selbstverständlich (?) habe ich vor ein paar Wochen eine unglaubliche Menge Klamotten entsorgt, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich nicht wieder reinpassen werde: Obwohl ich nicht so sehr viel gegessen habe, ging das Gewicht nicht runter. Diät kommt nicht in Frage, denn man kann letzendlich doch nur wieder und viel mehr zunehmen, wenn man mit einem hohen Ausgangsgewicht stark kalorienreduziert zu essen anfängt: Während das Gewicht runtergeht und ein paar Monate danach fühlt man sich gut, dann geht es wieder hoch und zwar höher als zuvor. Chirurgische Eingriffe können das beeinflussen, aber das ist für mich indiskutabel. Und sonst? Einer von 200 Abnehmwilligen schafft es, dem Jojo wirklich auszuweichen, und das sind ausnahmslos Hochleistungssportler. So blöd bin ich nicht, dass ich mir einrede, zu sowas zu mutieren *g* also wozu Schränke voll zu kleiner Klamotten, wenn man sie mit schönen großen Sachen zuhängen kann?

Naja, das ist kein Problem, das Einkaufen habe ich nicht verlernt. Wir werden zwangsläufig sehen, ob die richtige Einstellerei der Schilddrüse wirklich einen Unterschied macht, darauf kann ich warten. Aber ich würge momentan ein wenig an den lieben Mitmenschen. Wenn ich erkläre, dass mein elend langer Elendszustand an der Schilddrüse liegt, darf ich mir eine Menge Dinge anhören. Mal abgesehen von denen, die unterschwellig spöttisch werden (das hätte jeder Dicke wohl gerne, eine so tolle Ausrede für die Fresserei ...), höre ich nun die ganze Zeit: “Das glaube ich gerne, Du bist ja auch gar keine typische DICKE!” Ach nein? Was bin ich dann? Eine Kleiderstange, auf die versehentlich Fettgewebe gehängt wurde? Als wäre ich ein Hündchen, das sich per Befehl auf die Hinterpfoten stellt, werde ich gelobt für “Du bist überhaupt nicht so träge” und “schließlich bist Du sehr gepflegt” und “soviel hast Du eigentlich auch nie gegessen”. Kein Wunder also, dass nicht unglaublicher Disziplinmangel schuld ist an meinem Gewicht, oder was soll das heißen? Eine Freundin, die ich seit 9 Jahren kenne, sagte zu mir wörtlich “Du bist die erste dicke Frau gewesen, bei der ich mir dachte, aha, so toll kann man als dicker Mensch also auch angezogen sein”. Ein Kompliment, das mir die Adern an den Handgelenken zusammenzieht.

Drehen wir das alles mal um, heißt das: Dicke Menschen - natürlich nur solche, die nicht so KRANK sind? - sind träge, ungepflegt, fressen sich voll und sind selbst schuld - und wenn eine/r mal anders und gepflegt auftritt, ist das die absolute Ausnahme. Davon geht man aus. Mal abgesehen davon, dass ich mich immer wieder frage, woher all diese Menschen so viel Zeit haben, sich über das Leben anderer Gedanken zu machen, kenne ich natürlich auch das eine oder andere Michellinmännchen/-mädchen, mit denen ich auch nicht gerade tauschen würde - aber nicht wegen dem Gewicht, sondern weil sie sich dermassen einen in die Backentaschen lügen, dass sie fast platzen. Die kenn ich aber auch in schlank, solche Leute kennt wohl jeder. Von wenigen bedauernswerten Ausnahmen abgesehen sind die molligeren Damen, mit denen ich zu tun hatte, stets gewaschen, gebügelt, gebildet und gut angezogen unterwegs. Es ist eine Frechheit, wie man in eine Schublade voll negativer Assoziationen gesteckt wird, nur weil man “mehr” drauf hat. Das ändert sich auch nicht, wenn einem alle beteuern, dass man löblicherweise in die Schublade gar nicht gesteckt werden dürfte, denn was sind schon Beteuerungen.

Sicher sind solche Ausführungen für manche hier Lesende wie ein Ausflug in eine fremde Welt.

Dabei müsste man nur mal im Alltag konsequent die Augen öffnen, um zu kapieren. Man nehme zum Beispiel den fettwanstigen Harry aus “BigBrother”. Er hat vom ersten Tag an sexuelle Anspielungen und dumme Zoten gemacht, aber all die süss-doofen Mädels in der Blechbüchse sind jetzt erst (!) so nach und nach bass erstaunt, dass er enttäuschenderweise kein väterlicher, asexueller Kuschelbär ist. Der Bauch macht ihn geschlechtsneutral? Wohl kaum. Der hat dieselben Triebe, Ansprüche, Wunschvorstellungen. Warum ist das so überraschend? Weil die Wampe dazwischen hängt und ihm ein gemütliches, gelassenes Aussehen verleiht, das man/frau nicht sexy findet, zumindest nicht in diesem Zeitalter. Wenn der schmierige Walter anhänglich und anzüglich wird, schockt das die Weibchen bei weitem nicht so, bei dem erwarten sie nichts anderes - aber bei Harry sind sie sogar noch irgendwie enttäuscht, dass er ein Mann ist und sich “auch” so benimmt. Der dicke Teddy halt, ein Kumpel nur - kein Mann. Wobei ich die Entwicklung der entsetzten Mädchengespräche nicht im Detail verfolgt habe, denn das ganze BB-Konzept wird durch die willkürliche Handhabung der Spielregeln wertlos. Eine fliegt raus, die darf dann einfach so wiederkommen - jeder haut ab, sobald der Schädel juckt ... und der Zirkus drum herum wird immer abstruser: Fast Food für die Ballermänner. Es ist nicht schön, was man sieht, wenn bei diesen eingesperrten Menschen die Fassaden bröckeln. Sie sind zu echt, die Dosenleute.

P.S.
Nur für den Fall, dass ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt habe: Ich halte Menschen, die andere komplett nach ihrem Gewicht beurteilen - und auch nicht lernfähig sind auf diesem Gebiet - für nur unterdurchschnittlich intelligenzbegabt ;-)

Noch ein P.P.S.
Dasselbe passiert alten Menschen, die nicht mehr für voll genommen werden: Schrumpelig werden wir übrigens alle irgendwann. Bis auf die Dicken, die bleiben wesentlich länger glatt im Gesicht *g*

# 25. Oktober 2000 um 10:00 PM
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