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Montag, 06. September 1999

Da sassen wir, demütig wartend im Wartezimmer ...


Da sassen wir, demütig wartend im Wartezimmer des Hautarztes, das Goldene Blatt fest umklammert und widerwillig eintauchend in die Welt der Europäischen Fürstenhäuser - und diese eine Oma, pardon, ältere Dame kommt rein, wirft einen misstrauischen Blick in die Runde, blockiert sich drei Stühle über Eck mit einem Mantel, einem Stock und einer Tasche und nimmt alle, aber auch wirklich alle Zeitschriften vom Mitteltisch auf einen Stapel und schleppt sie auf den mittleren Stuhl.

Wow. Was, wenn ich “Haus und Garten” zu Ende gelesen hätte und Focus oder Spiegel würde ergattern wollen? Keine Chance. Unruhe verbreitete sich im Wartezimmer und diverse Leute rutschten unangenehm berührt auf ihren Stühlen hin und her. Nicht etwa, dass es sie so dringlich nach Lektüre verlangte, aber alleine der Gedanke ... Als ich meinen begeisterten Gesichtsausdruck in der Glasscheibe der Tür entdeckte, habe ich schleunigst wieder in die Abbildungen traumatisch schöner und ordentlicher Museumswohnräume geschaut und versucht, mich nicht allzu gut zu amüsieren. Aber es war klasse. Fast so gut wie Stau.

Leider konnte ich mir dann meine Creme abholen und gehen, ich hätte zu gerne gewusst, ob jemand sich getraut hat, der mürrisch vor sich hinknurrenden älteren Dame Teile ihrer Lektüre zu entreissen. Als ich ging, sah ich noch, wie sie zufrieden mehrere Stapel machte - ein System war nicht zu erkennen, fand ich. Ich jedenfalls hätte die VOGUE nicht zu dem Blättchen für Hundeliebhaber gelegt, aber ich bin da auch keine Expertin. Vielleicht hat es ihr auch einfach Spass gemacht, zwischen diesen ganzen gesträubten Nackenhaaren zu sitzen ;-) und dann passt die Kombination natürlich wieder. Fast.

# 06. September 1999 um 10:00 PM
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Donnerstag, 02. September 1999

“Gleichgesinnte”, das ist doch mal ein Wort. ...


“Gleichgesinnte”, das ist doch mal ein Wort. Man weiss genau, was gemeint ist und kann es doch nicht so recht sagen. Gleichgesinnt, das hat so einen schmuddeligen Unterton in den Weiten des Webs, wo man ungefragt und ungewollt mit sexuellen Ambitionen sämtlicher Schichten konfrontiert wird. Trifft man zB online auf nen netten “Opa” jenseits von Gut und Böse (über 35, würde Melle wohl sagen *g*) und macht den Fehler, sich auf ein dreiminütiges Gespräch einzulassen, sei es nun im Chat oder Mail, so darf man direkt erfahren, dass er sich als “Bondage Top” definiert und ich jedenfalls ziehe dann angenervt von dannen.

Was interessiert mich denn schon, ob irgendeiner sich eine Sklavin wünscht? Das tun wohl viele, deren sexuelle Träume sich nie erfüllen, aber es gehört nicht in ein ganz normales zwischenmenschliches Gespräch. Niemand würde in so einem Gespräch von sich geben “mein Mann schläft nicht mehr mit mir”, “meine Cellulitis verhindert, dass ich einen Orgasmus habe” oder “in Wirklichkeit komme ich nur, wenn ich’s alleine mache”.

Dummerweise denken aber wohl alle, die gerne verhauen oder angepinkelt werden, Sex am liebsten mit kompletten Fussballmannschaften samt Ehefrauen der Spieler treiben und sich ihre Unterwäsche aus Einmachgummis selber häkeln, dass das den Rest der Welt wohl brennend interessieren muss. Dann schreibt man noch “suche Gleichgesinnte” dazu und schon fühlt man sich legitimiert, denn gleichgesinnte Menschen suchen, das wird man ja wohl noch dürfen? Ja doch. Macht doch alle, was Ihr wollt. Aber dann verschleiert es nicht mit Worten wie ‘gleichgesinnt’ und ‘tolerant’ und verunglimpft ganz nebenbei noch harmlose Sauna-, Kegel- und Schützenvereine, in denen man sich auch gleich gesinnt.

Was ist schon dabei, im Fall des Phalles offen und ehrlich zu schreiben “meine Sexualität braucht den ganz speziellen und perversen Kick, damit sie noch funktioniert” oder “aufgrund frühkindlicher Prägungen ist meine Orgasmusfähigkeit vom Gewaltpotential meiner Sexpartner abhängig” oder “mir ist die Vanilla-Nummer langweilig und tief innendrin bin ich so BÖSE, wer spielt mit mir”? Aber bitte doch nicht “gleichgesinnt”. Das ist ja völlig phantasielos. Fast so schlimm wie “ähnlich veranlagt” oder “gefriergetrocknet”.

So ist es, das Leben. Man bekommt immer die Dinge erzählt, die man sowieso lieber nicht wissen würde, und rennt den Informationen hinterher, die praktisch wären, wenn man sie nur hätte. Das muss der Grund für all diese Talkshows und Ärtzeserien sein. Wenn ich mich beruflich umorientieren wollte, ich würde mich um die Stelle von so einem Menschen bemühen, der sich darum kümmert, dass das Geschnetzele auf so einem TV OP-Tisch lebensecht (haha!) aussieht. In grosse Schlachtereien fahren und Innereien auswählen, die man blutrünstig passend zurechtschnippeln kann, damit sie aussehen wie das, was man in geöffneten Menschen sieht, angeblich.

Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich in allen so aussieht: Manche Leute müssten doch eigentlich ein Uhrwerk zwischen den Organen tragen, andere ganz sicher unangenehmere Dinge und vielleicht auch einige so eine Mischung aus Gummibärchen und diesen kleinen Luftballons, die man zu Figuren kneten kann. Das kann man im Fernsehen dann natürlich nicht so ohne weiteres zeigen, was würde das für eine anatomische Verwirrung auslösen?

Vielleicht ist es doch kein so netter Job, sich um die richtige Optik von Fernsehkörpern auf OP-Tischen zu kümmern, das könnte stressiger werden, als ich es mir spontan gedacht habe und wahrscheinlich müsste man aktiv dabei helfen, es zu vertuschen, was alles so zum Vorschein kommen kann, wenn man manche Leute aufschneidet. Hm.

Wie komme ich darauf? Nur so. Mit leerem Blick starre ich nämlich auf ein Stellengesuch. Nicht meins, sondern eins, das mir zufällig begegnete. Der einzige Satz davon, der klar und deutlich hervorsticht, lautet: “Ich möchte mein berufliches Leben komplett neu gestalten und neue Wege gehen. Bitte unterbreiten Sie mir adäquate, interessante und herausfordernde Möglichkeiten.”

Sowas. Ich bin doch eine komplette Idiotin. Da strampele ich mich jetzt schon fast ein Jahrzehnt ab, immer neue Dinge zu lernen, auf dem laufenden zu bleiben und nicht für allzu lange Zeit in den Sackgassen zu landen, die das Leben so für mich bereithält, weil jemand mir gelegentlich Unfälle, Krankheiten, NeidhammelInnen oder Deckeneinstürze in den Weg wirft. Neue Möglichkeiten erschliesse ich mühselig durch lästige Eigeninitiative. Und dabei könnte es so einfach sein. Ich müsste nur fordern, dass sich jemand drum kümmert.

Hey, weckt mich mal bitte einer?!

P.S. Pfoten weg vom letzten Stück Sommer, das ist meins! 

# 02. September 1999 um 10:00 PM
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