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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

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Montag, 29. März 1999

Es ist so gut wie unmöglich, mal ...


Es ist so gut wie unmöglich, mal eben einfach so “Webtagebuch” zu schreiben, wenn irgendwo ein Krieg tobt, wurde mir gesagt. Es klang belehrend. Ich hätte sagen sollen “Es ist immer irgendwo Krieg, nur kannst du den viel besser verdrängen, wenn er nicht ununterbrochen auf Deinem viereckigen Freizeitgefährten gezeigt wird.” Gesagt habe ich es nicht. Es ist ja auch richtig, die Ereignisse überschatten die Bewältigung des Alltags und jede Sekunde, in der man wohlig die Nase in den Frühling gesteckt, wird direkt von einem schlechten Gewissen eingeholt, denn anderen geht es gerade nicht so gut.

Irgendwer kommt auch immer und weist darauf hin. Gesprächspartner kann man sich aussuchen auf der Skala von einem entnervenden “ist das nicht furchtbar, oh mein Gott, das ist furchtbar, sind Kriege nicht furchtbar, ist das nicht entsetzlich….” bis hin zu einem schulterzuckenden “so sind die Menschen”. Wobei letzteres sicherlich zu intelligenteren Gesprächen führen mag, wenn man denn auf Zyniker steht. Tu ich aber auch nicht. Ich bin den Ereignissen gegenüber genauso hilflos wie alle. Und neben den Bildern von brennenden Dörfern, die meine Netzhaut nicht mehr so richtig verlassen wollen, habe ich auch Angst vor den Terroranschlägen, mit denen man auf “deutschem” Boden wohl jetzt auch rechnen muss.

Was für ein Osterfest. All die lila Hasen, die hingemetzelt werden und über allem der Schleier angemessener Betroffenheit :-(

Lasst uns hoffen, dass es schnell vorbei ist. Der Krieg, nicht Ostern.
Frohe Feiertage.

# 29. März 1999 um 10:00 PM
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Dienstag, 23. März 1999

Was für ein wunderbarer Tag. Nach langer ...


Was für ein wunderbarer Tag. Nach langer Zeit hat mir sogar das Surfen im Internet wieder richtig viel Spass gemacht *schmunzel* ;-) naja, genaugenommen war das nur eine halbe Stunde, aber die war klasse.

Wieder hat sich ein Opfer gefunden, wieder gibt es einen Haken mehr auf meiner Abschussliste: Auch Melanie hat jetzt einen Computer gekauft und fragte eifrig, wieviel denn wohl ein Modem…. Alle Warnungen, dass das Internet gefährlich ist, süchtig macht und die Existenzen mancher Leute auf Jahre ruiniert, haben ihre Augen nur noch grösser leuchten lassen. Die Warnungen kamen nicht von mir - ich finde, erwachsene Menschen müssen selbst die Konsequenzen für ihr Handeln tragen. Und wenn ihnen das wie bei Melanie die Kommunikation mit mir erleichtert, ist das doch prima! :-)

Morgen kommt eine vorübergehend kugelrunde, aber bildhübsche kleine Kölnerin zu Besuch :-) ich freu mich schon sehr. Sie hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, und das heisst, Ihr werdet uns sicher nicht online begegnen, sondern wahrscheinlich eher im Café Casablanca oder so :-)))

# 23. März 1999 um 11:00 PM
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Samstag, 20. März 1999

“Well,” said Pooh, “what I like best—” ...


“Well,” said Pooh, “what I like best—” and then he had to stop and think. Because although Eating Honey was a very good thing to do, there was a moment just before you began to eat it which was better than when you were, but he didn’t know what it was called.
A.A. Milne

Doris hat also wirklich geheiratet, und zwar alleine mit J. Erst abends kamen die Gäste, die zweifellos alle gewusst hatten, was die “Überraschung” sein würde, und die sich trotzdem alle irgendwie überrumpelt freuten. Die Braut hüpfte in knallroten Springerstiefeln, schwarzen Seidenstrümpfen, einem schwarzen Mini-Overall und darüber einem schwarzen Hängerkleidchen aus Spinnweben durch die Gegend, zeigte stolz einen ihren pulsierenden roten Herzchen-Ehering und strahlte. Es ist lustig, wenn man sich soooooo sehr darum bemüht, um Himmelswillen niemals etwas Konservatives zu tun, dann ist man fast spiessiger in diesem Bemühen als alle diejenigen, die sich nicht mal darum Gedanken machen. Oder es liegt daran, dass ich die aufbegehrende Ablehnung der Spiessigkeit jetzt schon fast 10 Jahre beobachte und dementsprechend possierlich finde? :-))) Die Mutterschaft passt zu ihr, aber ich wundere mich auch nicht, dass sie nicht aufhören wird zu arbeiten.

Manchmal bin ich stolz darauf, soviele unabhängige und wirklich eigenständige Frauen zu kennen. Genauso erschrecke ich mich oft, wenn ich alte Bekannte wiedertreffe und sehe, wie sie zu Mutterkühen mutiert sind: Sieben oder acht Jahre ohne Beruf und dann zwei bis drei kleine Kinder können (müssen nicht, aber können!) ganz erschreckende Veränderungen an einer Frau durchführen. Da schaue ich dann verblüfft auf ein Blatt Papier, das sich in fünf Absätzen mit einer neuen Haartönung beschäftigt, die man sich gerade zugelegt hat und kann nicht verstehen, dass jemand das für ein berichtenswertes Thema hält. Andererseits, wenn man nichts anderes erlebt, ist man doch auch selbst schuld? Na, dann doch lieber etwas mehr Stress und Action und den Horizont im Blick behalten…

Für die erste schlaflose Nacht seit Monaten wurde ich mit einem freudestrahlenden kleinen Italiener belohnt, der aufgeregt herumhüpfte ... bravo, Roberto ;-) die Oskar-Nacht ist nicht die schlechteste Gelegenheit, nachts wach zu werden.

# 20. März 1999 um 11:00 PM
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Sonntag, 14. März 1999

Phase 3Am Anfang war das Staunen. Zuhause ...

Phase 3
Am Anfang war das Staunen. Zuhause von dem kleinen Kasten aus die Welt erobern, tausend neue Möglichkeiten entdecken und Tränen lachen über die sich entwickelnde Verstümmelung der geschriebenen Sprache. Das Unverständnis der Unwissenden bestärkte mich nur in dem Taumel, einen Vorsprung zu haben, einige Jahre in der Entwicklung und hunderte von Mark in der Telefonrechnung voraus zu sein. Es war Ekstase, eine spielerische Art zumindest, und dann gab es da diese vielen praktischen kleinen Dienstleistungen, mit denen man selbst Skeptikern ein wenig anerkennendes Staunen entlocken konnte: Bücher bestellen, die Telefonauskunft benutzen und E-Mails schreiben. Das taten ja noch nicht soviele. Und die es taten, die hatten wiederum nicht soviele, mit denen sie das tun konnten. Es hatte schon irgendwie was.

Dann kamen mehr und mehr der anderen online und es kam auch die Sucht. Ganz unmerklich, über Monate, entwickelte ich mich zu einem Wesen, das in kurzen - sehr kurzen - Abständen in nervöse Zuckungen verfiel “ich hol mal eben meine Mail ab”. Mein Trampelpfad durchs World Wide Web hatte nie eine Chance, zuzuwuchern, denn immer wieder und wieder besuchte ich die Seiten, die den Weg in meine Bookmarks gefunden hatten. Quittierte mit hastigem Lesen neue Einträge und nahm es genervt zur Kenntnis, wenn ich kein Update vorfand. Morgens. Mittags. Abends. Nachts. Und dann die Kontakte, die Freunde und Bekanten: Wir hatten Spass, oh ja!

Stundenlanges Herumhängen online ist verdammt unterhaltsam. Virtuelles Kichern, gemeinsame Projekte, Mailinglisten, Treffen, Mailfreundschaften und Gästebucheinträge. Community, nennt man das wohl. Unerklärlich im Nachhinein, wieso manches so WICHTIG schien, so krankhaft süsslich wohltuend kann Harmonie sein. Eine Freundschaft, die Lügner und Betrüger in ihre zuckerwattigen Arme nimmt um der allgemeinen Harmonie willen, die setzt den Maßstab so tief, dass sie durch die Maschen fällt. Schwäche oder Geltungssucht oder beides? Verachtung wallt auf und geht wieder, hinterlässt Gleichgültigkeit. Was soll’s. Das Leben an sich ist eigentlich wichtiger. Wenn da nur die Sucht nicht wäre, die einen wieder und wieder online treibt, zu den Mailbergen. Zu den Webseiten. Unbefriedigend, aber anhaltend. Gefangen im Netz. Im Zeitfresser.

Irgendwann erwischst Du Dich dann dabei, wie Du einen Journalisten von oben herab abkanzelst, nur weil er das Pech hatte, der dritte in dieser Woche zu sein. Und erschrickst. Nie wolltest Du werden wie die Grossmäuler und Kittelschürzen des Webs, die nichts sind und niemals wirklich etwas sein werden - dies aber längst vergessen haben, weil sie in ihren schmierigen Pfoten einen virtuellen Zipfel halten, den sie kontrollieren. Als hätte es auch nur die geringste Bedeutung, ob jemand 100 oder 1000 Besucher am Tag auf seiner Homepage hat, die keinen echten Job ersetzt, kein echtes Leben. Der Journalist nimmt die Entschuldigung verblüfft an und kann nicht verstehen, wieso er nicht in Deiner Wohnung filmen darf. Wo Du doch sooooo bekannt bist online. Du zuckst nur noch die Schultern.

Alle Mailadressen vorübergehend abschalten bringt Erleichterung. Die Freunde bitten mich, zurückzukommen und so aktiviere ich wieder eine offizielle, eine private Mail. Es ist schön, dass keine Mail-Lawinen mehr auf mich einprasseln und dass niemand mehr verbindlich eine Antwort von mir erwarten kann. Ich habe für mich beschlossen, dass ich niemals wieder jemandem eine Antwort schulden werde - es war schliesslich nicht meine Idee, dass fünfhundert Mails die Woche bei mir eintrudeln, ich hatte nie darum gebeten. Meine Seiten schweben frei im Netz, der innere Drang zum stetigen Update ist verflogen. Es gibt auch keine Homepage mehr, die ich meine besuchen zu müssen. Ich bin in Phase 3 eingetreten ;-) und ich geniesse sie in vollen Zügen. Das Leben hat mich wieder und das Web auch. Auf meine Art. Nicht auf Eure. Wie in einer Stadt, deren Infrastruktur ich nutze.

Vielleicht durchläuft jeder dieser Phasen, der sich kopfüber ins Web schmeisst. Vielleicht bleiben auch die meisten zwischen Phase 2 und Phase 3 kleben, kurz vor der Erkenntnis fehlenden Tiefgangs? Dagegen spricht ja auch nichts, das ist weit angenehmer als die muffelige Grotte überheblicher Besserwisser. Gerade jetzt ist es sehr angenehm, nicht mehr ein bekennender “Online-Junkie” zu sein, sondern es den anderen zu überlassen, sich im positiven oder im negativen Sinne am Web aufzureiben.

Die Trennung zwischen echter und virtueller Welt dürfen aber meinetwegen auch die anderen vollziehen. Diejenigen, die sich das Internet noch wegdenken können aus ihren Leben ;-)

# 14. März 1999 um 11:00 PM
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Wenn ich nicht diesen Meter feuchtes Haar ...


Wenn ich nicht diesen Meter feuchtes Haar im Nacken hängen hätte, würde ich mich sicher noch einmal im Bett umdrehen, nur um zu geniessen, wie herrlich ausgeschlafen und ausgeruht ich heute morgen bin. Ja doch, das wird sich innerhalb der nächsten 15 Stunden wieder ändern, ich weiss ... aber es gibt Licht am Horizont: Diese Woche ist kurz, denn meine Freundin Doris heiratet und ich habe einen weiteren Urlaubstag eingeplant, um ein paar der netten Routine-Untersuchungen hinter mich zu bringen, die man bei Ärzten so absolviert. Olli hat auch Urlaub, und wenn das Wetter so bleibt, wird das ein fantastisches langes Wochenende.

Doris hat natürlich nicht wirklich verraten, dass sie heiratet. Das ist typisch für sie - erst mit dem Mann zusammenziehen, dann das Baby bekommen und so nach 4 Monaten Schwangerschaft alle Bekannten und Freunde mitten in der Woche zu einer “Feier” einladen und darauf zu bestehen, nicht zu erzählen, worum es geht. Ich gehe trotzdem davon aus, dass die beiden standesamtlich geheiratet haben - es kann ja nun nicht sein, dass immer Doris gewinnt, richtig? :-)

Sie gewinnt allerdings oft. Ich erinnere mich noch gut an die durchtanzten Nächte, nach denen wir zum See gefahren sind und am Strand geschlafen haben - 1991 oder 1992 muss das gewesen sein, einer von diesen magischen Sommern. Nein, das muss 1991 gewesen sein, denn 1992 bin ich nach Portugal gefahren und habe den Sommer über an der Küste gelebt. Die Doris konnte stundenlang mit gelangweiltem Gesichtsausdruck reaktionslos in einer Horde interessierter Jünglinge stehen, um plötzlich mit dem Luftballonverkäufer davonzuhopsen. Wenn sie sich in den Kopf gesetzt hatte, von Düren nach Ratingen zu trampen, dann musste der jeweilige Gefährte des Augenblicks mittrampen ... und wen kümmerte es schon, ob der Trip dann sechs Stunden dauerte? Sicher nicht Doris.

Es fällt nicht schwer, sich Doris mit einem quicklebendigen dunkelhaarigen Kind vorzustellen. Ich muss mir doch ihren Freund bzw Mann noch einmal genauer ansehen. Wie bei den meisten meiner Freundinnen ist der dazugehörige Partner ein schwaches Bild in meinem Kopf, blasser und ohne tiefes Profil, selbst bei denen, die nicht allzu oft gewechselt haben in den letzten zehn oder 12 Jahren. Aber dieser J. wird offensichtlich nicht mehr ausgetauscht? Ich muss doch noch mal hinsehen.

# 14. März 1999 um 11:00 PM
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