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Samstag, 31. Oktober 1998

Der Termin in München steht - nachdem ...


Der Termin in München steht - nachdem ich zweimal freundlich angefragt habe, ob ich bitte eine einfache Terminbestätigung bekommen könne, stellte sich heraus, dass irgendeine Mail nicht angekommen war. Nun gut, ohne Rückbestätigung wäre ich nicht zu dem Studiotermin gefahren, dazu hab ich zu wenig Zeit, um auf Verdacht mal eben von D-dorf nach München zu düsen. Wir werden wohl mit dem Auto ins tiefste Bayern düsen, denn für den Flieger hätten wir bis vorgestern Mitternacht verbindlich buchen müssen und die Preise der Bahn sind horrend. Olli sitzt sowieso schon oft genug lange Strecken im Zug…

Jetzt freue ich mich schon, denn so trifft man denn auch mal wieder die Big Thunders und zum erstenmal Melle und Chiya. Angel hat leider keine Zeit :-((( *schnüff*

Wundert Euch also nicht, wenn ich dieses Tagebuch schon aus Zeitgründen noch ein paar Tage mehr bestreike. Die Lust aufs Internet kann einem aber auch aktiv genommen werden, wenn natürlich auch nicht langfristig. Obwohl ich in Walt einen klasse Diary Connection Oberbürgermeister und würdigen Erben ;-) gefunden habe.

# 31. Oktober 1998 um 11:00 PM
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Dienstag, 27. Oktober 1998

Die Grippe hat mich erwischt. Das tut ...


Die Grippe hat mich erwischt. Das tut sie jedes Jahr, wobei sie diesmal noch gnädig ist: Lieber dunkle Augenschatten und geheimnisvolle Blässe, als angeschwollen :-) Das wirklich Krankhafte ist übrigens, dass mein körperlicher und der seelische Zustand offenbar nicht miteinander gekoppelt sind. Fröhlich niesend hüpfe ich durchs Büro, weil dann alle so nett Besserung wünschen. Krächzend lache ich mit den Kunden über meine Erkältung und überhaupt sind andere Verschnupfte oft höchst angewidert von der unzerrüttbar guten Laune. Das darf man sich so vorstellen, als würde ein morgenmuffelnder Mensch (oder ein Spatz) auf eine Melody treffen. Der eine bohrt entnervt den Kopf in die Kissen, und die andere blinzelt einmal und ist auf 100%, auch bei einer Grippe - nach einem Liter heissem Pfefferminztee sowieso.

Natürlich nicht, wenn’s mich richtig erwischt. Aber das wollen wir doch nicht hoffen. Wo Tinka Mix und Ducky doch auf meine Absage für dieses Weekend (“Leute, ich kann nicht, Halloween fällt aus, ich brauch mal ‘ne Pause”) damit reagiert haben, dass sie sich in ein Hotel knapp einen Kilometer die Strasse runter einquartiert haben von Freitag bis Sonntag ... und Frank will mitkommen brunchen am Sonntag und überhaupt wundere ich mich, dass wir erst 5 sind? Wo bleibt der Rest der wilden Horde? Ich meine, ich hab doch immerhin gesagt, ich hätte keine Zeit - daraufhin gehts doch normalerweise erst recht los? :-))))

Na, ich will nichts gesagt haben. Brunch am Sonntag, das kann ich gerade noch verantworten (*stöhn*) und für München - das Weekend danach - hab ich immer noch keine Bestätigung, wenn der Sender sich nicht bald mal meldet, lasse ich das eben ausfallen, ohne schriftliche Terminbestätigung läuft bei mir gar nix.

Ausser dem Badewasser. Echtes :-)

# 27. Oktober 1998 um 11:00 PM
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Sonntag, 25. Oktober 1998

Wusel, eine meiner beiden Lieblings-Radioredakteurinnen, war gestern ...


Wusel, eine meiner beiden Lieblings-Radioredakteurinnen, war gestern nacht fest entschlossen, mir ein anderthalb MB grosses Grafikfile mit ihrem Antlitz zu schicken. Es war ein harter Kampf, sie dazu zu überreden, es zu schrumpfen - und dann war alles schwarz :-)

Es hat mich dann doch ein bisschen Überwindung gekostet, diesen ganzen laaaaaaangen Report zu Ende zu schreiben, und es gruselt mich jetzt schon davor, daraus auch noch einen anständigen normalen Text… aber nun gut. Bald werde ich mich drüber freuen, dass ich das getan habe :-)

Teil 2
So ging es weiter…
Die zweite Schule war “fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt”. Eine genauere Wegbeschreibung war nicht zu bekommen gewesen und so visierten wir dann grossräumig den Hbf an, wild entschlossen, ihn notfalls stundenlang zu umkreisen. Das war natürlich nicht nötig. Wir fanden die St Benedikt Schule sehr schnell und folgten artig dem Schild “Netdays - erster Stock, Zimmer 110”.

Persönlich war ich ziemlich gespannt auf Peter Lippert, den verantwortlichen Lehrer. Er ist mit einer unheimlichen Begeisterung an die Vorbereitungen gegangen und hat mit Dirk-Hendrik, dem dritten Projektpartner (der auch sehr kurzfristig gefunden wurde), sehr viel für die neue Homepage der Schule vorbereitet. Wenn ich dann mal per Mail fragte, wie die Vorbereitungen liefen, bekam ich gleich sehr viel über die Computer und deren Ausstattung zu hören und über das Design der neuen Homepage und die nagelneue Domain, die Dirk gestiftet hatte. Irgendwann hob ich zaghaft den schriftlichen Zeigefinger und fragte, wieviele Kinder denn eigentlich ...

Die Antwort lautete “Keine Angst, es gibt schon noch genug zu tun!” und so lief ich dann - mal wieder völlig un-informiert und trotzdem gutgelaunt - mit Rebekka in diesen grossen Klassenraum voller Computer. Beeindruckendes Equipment - keine Kids. Auf die Frage, was genau er sich denn vorgestellt hatte, antwortete Peter, dass es da eine Gruppe von Kids geben würde, die ein Tagebuch der Segelfreizeit machen wollten, ein paar Eltern mit einer Infoseite, diverse Kids mit der Aufgabe, eine Linkliste zu erstellen und zu überprüfen und drei ältere Jugendliche, die mal eine Homepage machen sollten. Wir hatten nicht mal Zeit, uns verzweifelte Blicke zuzuwerfen, da wurden wir schon in die geplante Farbkombination und das vorgegebene Formular (!) eingeweiht, in dem gearbeitet werden sollte.

Vielleicht wäre das der Zeitpunkt gewesen, unauffällig aufs Klo zu gehen und nicht wiederzukommen, aber die Tür ging auf und eine fröhliche kleine blonde Frau stürmte herein, an deren Gesicht ich mich vage von einem Webgrrls-Treffen erinnerte. Sie gab mir die Hand “Hi Melody, hast du meine Mail bekommen?” - nein, hatte ich natürlich nicht - und stellte sich als Birgit vor, die auch helfen wollte. Vor einigen Tagen hatte ich an die Webgrrls einen Aufruf gerichtet und niemand hatte sich für die ganzen Tage gemeldet, nun war Birgit da und sie war ein Geschenk des Himmels. Als wir ihr nach fünf Stunden glückseliger Schufterei dann sagten, dass sie in der falschen Schule, aber dennoch hochwillkommen war, waren wir alle schon so müde, dass wir nur noch albern kichern konnten.

Was soll ich sagen? Wir haben es wirklich geschafft. Birgit bastelte eifrigst am Segeltagebuch, Rebekka surfte mit quietschenden Teenagern im Web (au weia), die Eltern und Lehrer bastelten mit Dirk die Seiten, die unbedingt sehr professionell aussehen mussten und ich taute auf kleiner Flamme ein paar schweigende 14jährige auf, die ihre erste Homepage erstellten. Der ganze Raum vibrierte nur so, und alle waren eifrig vertieft, obwohl wir nur einen einzigen Internetzugang hatten.

Niemand, der sowas einmal miterlebt hatte, würde noch fragen “Warum macht Ihr das eigentlich.” Da sitzt so ein Junge mit einem verschlossenen Gesicht, der sich nicht einmal ein Nicken entlocken lässt. Fragen beantwortet er so kurz wie möglich, und ins Gesicht sehen will er keinem. Nur sehr zögernd rückt er einen seiner kostbaren Prospekte über amerikanische Kampfflugzeuge zum Scannen heraus und nur gegen das Versprechen, ihn auf alle Fälle zurückzubekommen. Nicht einmal vierundzwanzig Stunden später hat er rote Ohren und glänzende Augen und schraubt eifrig mit einem Kumpel an einem Grafikprogramm, tippt Texte aus Fachbüchern und vor ihm auf dem Schirm entsteht eine ‘Navy Fighter Homepage’, die eindeutig ein klares Gefühl für Farben und Layout verrät. Er sieht Dir zwar immer noch nicht ins Gesicht und seinen Prospekt hat er kommentarlos wieder eingesteckt, aber er hat jetzt was vor. Das hatte er vorher nicht. Und das ist schon ein verdammt gutes Gefühl.

Für mich kam noch der Bonus dazu, dass ich Rebekka dabei beobachten durfte, wie sie das zum erstenmal erlebte. Wir sind nach diesem ersten Tag völlig K.O. in die beste Pommesbude der Stadt :-) gewankt, um uns den Magen vollzuschlagen, haben dann am Rande der Erschöpfung nebeneinander gesessen ... und gechattet. Miteinander. Wofür hat man denn ISDN?

Wir wären ja schlafen gegangen, aber um Mitternacht traf der nächste Helfer ein. Oliver hatte einige Überstunden geschoben, um den Freitag frei zu bekommen und so konnte ich ihm dann am nächsten Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge meinen Platz im Hexenkessel “Klapse Computerraum” überlassen. Mit einem lachenden, weil es doch sehr stressig dort drinnen war, und mit einem weinenden, weil ich wusste - die zwei haben jetzt den meisten Spass, denn am Freitag erstellten die Klapse-Kids ihre ersten eigenen Homepages!

Ich wanderte ins Lehrerzimmer und sammelte auf dem Flur ein Mädchen ein, das einen Text abtippen sollte, aber keinen freien Computer dafür hatte. “Na, das tippen wir doch mal eben” meinte ich und schnappte meinen Laptop. Hätte ich geahnt, was auf mich zukommt, ich hätte einen leeren Raum dafür gesucht. Das Mädchen arbeitete an der nächsten Ausgabe der “Klapse”, die im Dezember erscheinen soll (und übrigens auch als Abo ein prima Weihnachtsgeschenk ist). Sie drehte ihre Papiere hin und her und es fiel ihr sichtlich schwer, ihren Text vorzulesen, daher bemühte ich mich um einen sachlichen Ausdruck und tat so, als sei es das normalste auf der Welt, einer fremden Frau einen Text zu diktieren, in dem es um Angst, Verzweiflung und dunkle Löcher im Leben ging und um Männer, die dreizehnjährige Mädchen vergewaltigen. Ich weiss nicht, ob sie es gesehen hat, aber ich hatte schon einige Schwierigkeiten damit, geräuschlos zu schniefen, während um mich herum die Lehrer rannten, mich auch gelegentlich mittendrin einfach irgendwas fragten und telefonierten, mit den Türen klapperten und es gar nicht zur Kenntnis nahmen, dass ... nun gut. Der Hauptgrund, warum ich trotz aller Aktivitäten nie in den sozialen Bereich wechseln wollte, ist sicherlich, dass man dort abstumpfen muss, um zu überleben. Und abstumpfen will ich nie.

Das Mädchen ging, die Diskette fest umklammert, und die nächste stand in der Tür. Ein paar Jahre älter, ganz andere Probleme, genauso ein schwarzes Loch im Leben, ein ähnlicher Text. Das war schon irgendwie der Hammer, aber keiner ausser mir fand es irgendwie anders als sonst, klar, inmitten der Klapse war das ja der Alltag. So eine ganz junge Frau, die von ihren Eltern als “mein Erzeuger” und “meine Erzeugerin” spricht, mit einem leblosen Unterton, das schneidet ins Herz. Ich habe echte Schwierigkeiten damit, in so einem Raum voller laut plappernder Lehrer und rumrennender Leute neben einem Kind zu sitzen, das man in den Arm nehmen sollte und das die Finger um ein paar handbeschriebene Blätter krampft, die anderen davon erzählen sollen, warum seine Seele nach Verständnis und Entgegenkommen schreit.

Mittendrin kam dann auch noch Pastor Scheven, dessen Projekt Robinson ich zukünftig mitbetreuen werde, wie es aussieht. Als Rebekka dann etwas vorwurfsvoll (?) fragte “Was machst Du eigentlich?”, spürte ich ein Kichern meinen Hals hochkriechen, das die Tränen verdrängte, und stand auf einmal wieder mit beiden Füssen in der Organisation. Die Kids hatten wunderbar bunte Seiten erstellt - und wir konnten dann auch die Hamsterbilder entfernen, die Eike eigenmächtig eingebaut hatte. Wo sie doch so niedlich waren, diese ganzen Hamster.

Auch am Freitag war das Mittagessen wieder absolut “superwichtig” und es wurde ständig daran erinnert. Die Lehrer hatten uns in ein schönes spanisches Restaurant eingeladen und das Essen war auch toll, trotzdem irritiert es mich immer noch, welchen Stellenwert so eine Mahlzeit im Ablauf einer Projektwoche einnehmen kann, wenn sie nachweislich nicht gerade zu den Punkten gehört, die das Projekt am Laufen halten :-) und die Zeit sowieso höllisch knapp ist. Es gab dann während des Essens auch die Gelegenheit, ein paar gegenseitige Kritikpunkte abzugeben, was das Chaos anging - aber richtig besser zu machen ist da nichts. Wir sind halt die Fremden, die interne Abläufe nicht beurteilen können, und wenn man dann so dreist ist und sich über stures Nicht-Zuhören beschwert, wird man freundlich darauf hingewiesen, dass man als Lehrer in der Klapse eben eine gewisse Penetranz braucht, um sich durchzusetzen. Und das stimmt wohl sogar noch.

Wir fuhren dann in die andere Schule, arbeiteten weiter, spät am Nachmittag traf Harlequin dann noch ein, der direkt neben ein pubertierendes Mädchen mit einem Boygroup-Fimmel gesetzt wurde und schon deswegen sicher niemals mehr riskieren wird, irgendwohin so spät zu kommen.

Die Schulleiterin der St Benedikt Schule war klasse. Sie arbeitete an allen Plätzen mit, brachte sich richtig ein. Am Vortag war sie etwas verlegen zu mir gekommen und hatte vorsichtig gesagt, sie wüsste nicht so genau, wo sie mich hinstecken sollte. Genaugenommen wüsste ich das auch meist nicht, meinte ich und musste lachen. Um sie nicht weiter zu irritieren, erklärte ich dann, dass ich runde 8 Jahre Erfahrung in der ehrenamtlichen Organisation und Koordination von chaotischen Projekten im Sozialbereich mitbringen würde und dass Pädagogen erfahrungsgemäss immer ganz gut jemanden brauchen können, der noch nicht seit Jahrzehnten in derselben Verwaltungsbrühe steckt wie sie selbst. Das hätte ich natürlich noch viel unhöflicher ausdrücken können, aber andererseits mag ich ja all diese engagierten Lehrer - ich halte sie bloss nicht gut aus, wenn es dann zur Sache geht :-))

Am Freitagabend war dann die virtuelle Hochzeit von Melle und Tzwenny. Dass die beiden diesen Spass mitgemacht haben, finde ich klasse. Und für die Hochzeitsseiten von Walt kann man sich im Prinzip gar nicht genug bedanken, wir hatten alle schon im Vorfeld soviel Spass. Barbara Bumm vom Zakk (deren Meinung über Walt ich übrigens teile *knuffel*) war ganz begeistert über dieses kleine Highlight in ihrem Chat-Kalender, auch wenn sie selbst ihre Grippe dann doch lieber ins Bett brachte, statt mitzuchatten.

Hoffentlich kann ich von dieser Hochzeit noch das Chatlog bekommen :-))) auch wenn ich selbst dann irgendwann diskret ein langes heisses Bad genommen und mich in den Kissen zusammengerollt habe, während Olli, Spatz und Harlequin feierten. Boah, was war ich fertig :-) und während die Gäste eine ganz unglaubliche Anzahl Sektflaschen aus meinem Vorrat killten, baute ich noch schnell die Klapse-Projektseiten zusammen und musste dann dringend schlafen.

Die Abschlussveranstaltung im ZAKK am nächsten Tag fand auf kleinem Raum im Internetcafé statt und ich jagte Rebekka los, den (echten) Bürgermeister anquatschen, damit wir ihn unauffällig einkesseln und erst wieder weglassen konnten, als er mir seine Visitenkarte gegeben und versprochen hatte, nicht nur von ihm selbst - sondern auch von Campino ein Grusswort für die Klapse-Homepage zu schreiben.

Ausserdem habe ich Stefan von Antenne Düsseldorf wiedergetroffen *freu* und ich glaube, da war noch mehr echte digitale Prominenz (Geschäftsführer Digital City und so), aber irgendwie war Kilian wichtiger, der kleine Dötz, der sich an Melles Mitschreibseiten für die Netdays beteiligt hatte. Melle hat nämlich den ersten Schritt in die Richtung einer Karriere als echte Schriftstellerin gemacht und wir sahen uns alle gerührt an, als mitten auf dem grossen Präsentationsbildschirm der Link auf ihre Homepage stand. Später haben wir dann noch im Internetcafé aufgeräumt, Barbara geholfen ... ein paar Kabel gelöst, ein paar neue Verpflichtungen geknüpft :-) und im Anschluss dann den Spatzen und den Harlequin zum Bahnhof gebracht.

Beide versicherten mir äusserst überzeugend, sie wären jedesmal gerne wieder dabei, wenn ich “sowas” machen würde. So ein Versprechen gibt man nur im Adrenalinrausch einer frisch überstandenen Veranstaltung, und eine kluge Organisatorin nagelt ihre Helfer dann sorgfältig darauf fest - auch wenn sie noch keine Ahnung hat, wo und was als nächstes stattfindet :-)

Gut verzichten können hätte ich während der Netdays auf einen Spruch eines Lehrers, der sich erst redselig von allem distanzierte, was wir da schuftenderweise abzogen - aber im Anschluss meinte, “wir” hätten das doch alles super hingekriegt.

Nie verzichten würde ich auf das Lachen in Ollis Augen, als er erzählte, wie Rebekka fauchend auf den kleinen Eike losgegangen war, der sie mit einem saloppen “Hey, Blondine!” herbeizitieren wollte. Auf das Gesicht von Rebekka, als sie mit Nerissa Adressen tauschte. Auf das Hamsterbild mitten in diesem todernsten Text. Auf den leicht verwirrten Bürgermeister, der aber nicht zu erschüttern war :-) auf Walt und das virtuelle Hochzeitsbad. Auf den Taumel glücklicher Müdigkeit und das Gefühl, etwas getan zu haben. Viel getan zu haben. Sinnvolles.

Und nie im Leben würde ich darauf verzichten, wie wir mit den unterschiedlichsten Kindern gearbeitet haben und auch nicht auf das Lachen.

# 25. Oktober 1998 um 11:00 PM
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Samstag, 24. Oktober 1998

Die Netd@ys waren unglaublich anstrengend, aber echt ...


Die Netd@ys waren unglaublich anstrengend, aber echt klasse. Und es gibt auch wahnsinnig viel zu berichten, aber wann ich das nun alles auch noch aufschreiben soll, ist mir momentan ein Rätsel. Nehmt Ihr das auch stückweise? :-) Als hättet Ihr die Wahl, haha :-))))))

Da ich das für einen Artikel ohnehin aufschreiben muss, geht das jetzt mit der Vorgeschichte los. Es vermischt sich dann mit dem, was ich privat ins Diary schreiben würde, den Pädagogen noch hinterher sagen will und den Daten und Fakten und Erlebnissen, die ich für den Artikel wieder rausfiltern werde…. es ist nicht meine typische Arbeitsweise, aber da hier wirklich ununterbrochen das Telefon klingelt und ich es niemals schaffen werde, den Brief an den (echten) Bürgermeister vernünftig zu formulieren, während ich mit Wusel chatte und Dateien uploade, geht’s nicht besser und auch von der Nachbearbeitung werdet Ihr nichts haben, denn ich schreib das jetzt und hier ins Blaue, tunke nebenbei Möhrenschnitzel ins Tzaziki und telefoniere.

Start:
Vorgeschichte
“Wie kommst Du eigentlich dazu, der Klapse zu helfen?” werde ich immer gefragt, denn ich kenne und unterstütze dieses Projekt ja jetzt auch schon seit einigen Jahren, obwohl es mit meinem eigentlichen Beruf gar nichts zu tun hat. Ich sage dann meistens, dass jeder überall helfen kann, wenn er oder sie nur will, und so ist es natürlich auch. Bei mir kam noch ein kleiner Umweg dazu, denn als ich zum ersten Mal von der Klapse hörte, geschah das durch einen Kollegen, der mir eine Ausgabe in die Hand drückte und meinte “Hier, Du arbeitest doch auch mit geistig behinderten Kindern.” Er hatte mitbekommen, dass ich als ehrenamtliche Helferin arbeitete und ich habe dann wirklich eine gute Stunde gebraucht, um diesem Mann zu erklären: Ein geistig behinderter Mensch, das ist absolut nicht dasselbe wie ein Mensch, der psychiatrische Hilfe benötigt.

Es endete damit, dass er schulterzuckend wegging und meinte, es sei doch eigentlich egal, Hauptsache man würde ‘was Gutes tun’ für diese armen Kreaturen. Ich blieb mit der Klapse 1 in der Hand zurück, mit der Argumentation überfordert und noch nicht richtig informiert, aber in dem Bewusstsein, dass es bei vielen Menschen nur ein einfacher Zufall ist, dass sie nicht in der “Klapse” landen.

Beim Lesen wurde mir dann klar, dass der Arbeitskollege niemals einen Blick in das Heft geworfen hatte, das er mir schenkte. Ich bin ihm trotzdem dankbar, denn ich schrieb der Klapse-Redaktion direkt einen Leserbrief, um meine Begeisterung für diese ganz besondere Schülerzeitung auszudrücken.

Seitdem hat sich schon oft die Gelegenheit ergeben, selbst dazu beizutragen, dass die “Klapse-Zeitung” ein Verständnis und eine Toleranz für Psychiatriepatienten fordert und fördert. Die grösste Herausforderung war die Aufbereitung aller bisherigen Ausgaben fürs Web, mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Webdesigner, das hat fantastisch geklappt und wir sind alle sehr stolz auf diesen gemeinschaftlichen Erfolg.

Koordiniert habe ich das Online-Projekt, und so kamen die verantwortlichen Lehrer der Alfred-Adler-Schule dann auch auf mich, als es darum ging, sich an den “Netd@ys NRW” zu beteiligen, einer Internetaktionswoche für Schulen. Partner im Internet sollten die Schulen suchen, mit denen verschiedene ‘virtuelle’ Aufgaben bewältigt werden sollten.

Die Klapse-Redaktion meldete sich verdammt kurz vor dem Anmeldeschluss bei mir und ohne mir auch nur die Bedingungen durchgelesen zu haben, erklärte ich, dass ich schon noch Helfer auftreiben würde und sagte zu. Die Idee war, mit einer Düsseldorfer Partnerschule eine Ausgabe der KLAPSE zu übersetzen, diese dann mit Hilfe einer befreundeten Sprachenschule noch einmal zu überprüfen und dann mit Hilfe von “Melody & The Diary Connection” (ich und wen immer ich auch noch finden würde) mit den Kids zusammen in HTML zu setzen und online zu bringen.

Das hört sich nicht so schwierig an, wurde aber eingeengt dadurch, dass wir nur zwei Vormittage zur Verfügung hatten (mehr Urlaub konnte ich in meinem neuen Job nicht nehmen) und dazu kommt noch, dass die Kids in der Klapse-Schule natürlich oft wechseln und deswegen Vorbereitung kaum möglich war. Ich war aber zuversichtlich.

Und dann rief Barbara Bumm vom Düsseldorfer Zakk, die mit der Digitalen Stadt Düsseldorf zusammen die Netdays in NRW betreute, an und fragte, ob ich eine weitere Schule übernehmen könnte, die noch keinen Partner gefunden hatte, aber unbedingt mitmachen sollte und überhaupt und wenn ich nicht zusagen würde, könnten die nicht und so weiter und so fort. Wie ich das zusagen konnte, ist mir immer noch ein Rätsel, denn eigentlich war es gar nicht zu schaffen. Aber darum konnte man sich ja immer noch Gedanken machen, wenn sicher war: Beide Schulen können teilnehmen! Und da sass ich dann. Hatte mir immer noch nicht mal genau durchgelesen, worum es ging, noch keinen einzigen Helfer und nicht mal einen unterschriebenen Urlaubsschein in der Tasche, eigentlich gar keine Zeit und war eigentlich trotzdem ganz vergnügt, weil ich mal wieder was Sinnvolles mit meiner Online-Zeit anfangen konnte. Das bringt doch irgendwie mehr als immer nur Fun, Fun Fun auf der Datenautobahn.

Helfer zu finden war nicht besonders einfach und man kommt sich manchmal vor, als würde man “belächelt”, wenn man so blöd ist und seinen eigenen Jahresurlaub für solche Zwecke einsetzt. Das tut nicht jeder, schon klar. Also habe ich gezielt unter den Studenten und Schülern online gesucht, die ich kenne. Harlequin und Spatz sagten zu und ich war erleichtert, zwei so nette Menschen eingesammelt zu haben. Harlequin fand dann allerdings kurz vor dem Termin einen neuen Job und ich hatte keine Zeit, dass mir mulmig wurde - es war gerade noch genug Zeit, um einen extra Urlaubstag einzureichen und sich in eine weitere intensive Vorbereitungsrunde zu stürzen.

Am Mittwoch fuhr ich dann los, um Rebekka alias Spatz vom Bahnhof abzuholen. Ich hatte sie schon einmal “im echten Leben” getroffen und mich sehr gefreut, als sie ihre Hilfe zusagte (sie behauptet zwar ständig, ich hätte sie ein wenig dazu gezwungen, aber das ist natürlich nur ein Scherz). Es war fast Mitternacht, es regnete und ich fuhr nicht besonders schnell, was ein Glück war - in der ersten Kurve geriet mein Wagen völlig ausser Kontrolle, schleuderte hin und her und ich drehte mich dreimal um die eigene Achse, um quer auf den Strassenbahnschienen zu landen, genau im toten Punkt der bergigen Kurve und brav synchron mit einem anderen Wagen direkt vor mir, der allerdings nur am Rand der Schienen landete. Ohne lange nachzudenken, krabbelte ich aus meinem schiefliegenden Wagen und schob ihn von den Schienen, mir ist immer noch nicht ganz klar, wie ich das eigentlich geschafft habe.

Vor und hinter mir raste ein Wagen nach dem anderen in die Kurve, um zur Seite weggeschleudert zu werden, die ganze Kurve war mit feuchtem angefrorenem Laub bedeckt. Der Kölner Wagen vor mir fuhr ebenfalls rumpelnd von den Schienen. Ich konnte meinen Hals nicht richtig drehen, kurbelte das Fenster herunter, um die Fahrerin zu bitten, doch eben zu schauen, ob die Strasse frei sei, ich war mir in dem Moment auch nicht so sicher, ob ich unverletzt war. Die Frau am Steuer fuhr langsam neben mich, kurbelte ihr Fenster auch herunter, erklärte mir zuvorkommend, ich brauche mir keine Sorgen um sie zu machen, ihr sei nichts passiert, und fuhr davon. Wie schön. Mir war glücklicherweise auch nichts passiert, bis auf das hysterische Kichern nach diesem Zwischenfall im Zwischenfall, das noch Stunden später wieder hochkam, es gibt so herzige Mitmenschen…..

Ich liess mich dann auch nicht vom nächsten Durchgerutschten überreden, meinen Wagen in der Kurve (!) stehenzulassen, um andere zu warnen, sondern fuhr weiter zum Bahnhof, wo ich gerade rechtzeitig eintraf, um Rebekka aus dem Zug steigen zu sehen. Der Schreck war schnell vergessen, und ein bisschen abgedreht sind Onliner sowieso immer, wenn sie sich treffen. Wir haben gegessen, gequasselt und plötzlich war es 2.00 Uhr früh - oder doch 3.00 Uhr? Jedenfalls reichlich früh für einen späten Schlaf.

Der Donnerstag begann etwas später als geplant, denn ich wollte meinen Wagen erst bei Tageslicht sehen, bevor wir uns damit wieder in den Strassenverkehr wagten. Trotz des kleinen Stunts war aber ausser dem vorderen Nummernschild alles anscheinend in Ordnung und so trafen wir mit einer knappen Dreiviertelstunde Verspätung in der Alfred-Adler-Schule, der “Klapse” ein. Dort sassen in einem viel zu kleinen Computerraum viel zu viele völlig überdrehte Kinder an frisch gesponsorten Computern und “chatteten” wie wild. Es ist nicht so, als hätte ich kein Verständnis für frisch erworbene akute Chatsucht, nur leider war da ja diese Projektwoche ... Petra, die verantwortliche Lehrerin, stürmte auf Rebekka und mich zu und sagte beschwörend “Wir haben da ein Problem.” Mir sank schon mal vorbeugend das Herz ein wenig, aber im Laufe der nächsten drei Tage sollte ich lernen, dass Petra damit nur meinte, es gäbe da etwas zu erledigen, bevor man weiterarbeiten konnte, und nun mal ehrlich und unter uns, das ist kein Problem, sondern normal für Computerbesitzer.

Das “Problem” war ein dreifaches. Petra hatte eine grosse Word-Datei mit einer riesigen Grafik und wollte diese partout an andere Schulen verschicken. Petra hatte aber ausserdem noch einen Virus. Und Petra wollte Rebekka und mir absolut nicht glauben, dass a) online niemand sehr begeistert von Mails mit riesigen Attachments ist und b) es nur fair, gerecht und angebracht ist, dass man Viren vorher entfernt, bevor man Mails mit riesigen Attachments verschickt. Und Rebekka und ich konnten zwar einen Virenscan downloaden und das passende Entpackerprogramm, aber hatten keine Administratorrechte für das neue Netzwerk, es gab nicht mal am Hauptrechner ein CD-Rom Laufwerk, ausserdem mussten wir zwischendurch immer mal wieder Petra davon abhalten, ihre Mail zu versenden :-) während die chattenden Kids uns mit Fragen bombardierten und der EDV-Mann nicht so schnell aufzutreiben war.

Das grösste administrative “Problem” des Tages war allerdings das geplante Mittagessen. Die anderen Abteilungen wollten ein Buffet für uns ausrichten, und so sehr wir uns auch darüber freuten, so wenig konnten wir verstehen, dass man dafür einen Chat mit dem Bürgermeister absagen wollte. Der konnte ja nun doch ein wenig mehr für die Alfred-Adler-Schule tun als wir und wenn die Kids eine Chance hatten, ihre neuen Chatkenntnisse bei ihm auszuprobieren ... Alle Argumentation war witzlos, aber dann hatte man vergessen, das Buffet zuzubereiten, genaugenommen hatte man sogar vergessen, dafür einzukaufen, und so konnten Rebekka und ich dann guten Gewissens auf die Schnelle eine Gulaschsuppe mampfen, der Bürgermeister würde mit den Kids schon eine Weile reden können. Nicht sehr lange, denn zwischendurch wurden die dann doch zum Essen geschickt (!), aber immerhin etwas länger, als wenn das Buffet stattgefunden hätte.

Wir haben immerhin den Kids auch in dem Chaos dort erklären können, was ein Computervirus ist, wie man eine Suchmaschine bedient (“wir suchen jetzt alle den F-Prot….”) und wie man mit dem Bürgermeister chattet. Es hat einige Mühe gekostet, den anwesenden Erwachsenden begreiflich zu machen, dass wir als “Freaks” titulierten Helfer den echten Bürgermeister meinten und wir sind sehr erschöpft gewesen, als wir das Gebäude dann verliessen. Trotzdem hatten wir einiges erreicht und bei mehr als einem Kid reges Interesse geweckt, hatten endlich eine genauere Vorstellung vom vorhandenen Equipment und wussten, was am nächsten Tag auf uns zukommen würde. Das war der Vormittag.

In den nächsten Teilen erfahrt Ihr, wie der Nachmittag aussah, warum man nebeneinander sitzen und miteinander chatten kann, was am Freitag alles passierte, wie Melle zum erstenmal redaktionelle Mitarbeit bei einem offiziellen Projekt leistete und wie so eine virtuelle Hochzeit aussieht, wie der Düsseldorfer Bürgermeister so drauf ist, wenn man ihn trifft und nicht nur mit ihm chattet und vielleicht noch einiges mehr.

# 24. Oktober 1998 um 10:00 PM
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Donnerstag, 22. Oktober 1998

Walt, die Hochzeit von Melle und Tzwenny ...


Walt, die Hochzeit von Melle und Tzwenny im Chat war KLASSE. Danke! :-) in der Hoffnung, dass Herr Bürgermeister Scheffler dies hier nicht liest (mit dem haben wir nämlich auch geschättet *hust*) bleibe ich dabei:

Du bist mir sehr sehr viel lieber als der echte Bürgermeister!
Hab ich doch gleich gesagt *grins*

Beste Glückwünsche den Frischvermählten
wünscht eine komplett erschöpfte
Melody

# 22. Oktober 1998 um 10:00 PM
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