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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

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Dienstag, 31. Mai 2016

Vor den Ardennen

„Flatline“ sagt das Trimmrad. „Seriously? Wir könnten auch mal die Ardennen-Tour.“ Nicht nötig für mich, ich habe die Ardennen bereits alleine durchquert, ein Bein bandagiert von einer Brandwunde (die Jungs und ihr dämliches Kiffen in dieser Strohhütte am Strand nach dem Doors Festival).

Hinter und vor mir holländische Autos mit Wohnanhänger – näher kommt man dem Tod nicht beim regulären Autofahren als auf einem Gebirgspass in der Dämmerung mit dem Löwen. Das Trimmrad träumt von Bergen und ich von dem kleinen Peugeot Diesel: Niemals vorher und nachher hat ein männliches Wesen in meinem Leben ein gemeinsames Erlebnis so lange durchgehalten, ohne auch nur kühlende Flüssigkeiten zu benötigen. Nie wieder habe ich mich so sicher gefühlt wie schlafend neben dem kleinen Löwen unter portugiesischen und spanischen Sternen, so alleine wie man es als Frau denn abgesichert – weit entfernt von buchstäblich allem - hinkriegen konnte.

Außerdem waren wir bereits 20 Minuten auf dem Kilimandscharo, das TRad und ich,  jetzt geht es mir darum, Zeit zu machen. Dreißig Minuten insgesamt wie gestern sind einfach nicht genug, wenn ich danach den ganzen Tag im Hamsterrad sitze – Moment, ich hatte da gerade eine ergänzende Idee zu Treadmill-Desks und meinem Radfahrplatz.

Eine meiner liebsten Erinnerungen rund um den kleinen Löwen ist mein ehemaliger Chef Bernd G, der beruhigt zu mir sagte „Was für ein Glück, dass Sie sich den vorher angeschaut haben – stellen Sie sich mal vor, Sie wären über die Mitfahrzentrale einfach mit dem gefahren!“ So fünfzehn Minuten, bevor der zauberhafte Blondzottel auf dem Einrad mit Gitarre und ich in Richtung Salamanca losfuhren. Ich sag’s mal vorsichtig: So ganz leicht hat er es mit mir vermutlich nicht gehabt. Damals. Vor den Ardennen. Denn das war ja die Heimfahrt.

# 31. Mai 2016 um 05:32 AM
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Montag, 30. Mai 2016

Stories for Spike

Es war einmal ein schwarzer Arm voll Kater, dessen Aufgabe es war, das Haus vor Flugsauriern zu schützen. Ein Job, den er souverän erledigte, denn seit seinem Einzug war keiner mehr gesichtet worden. Ab und zu aß er als Bonus eine Spinne auf.  Das freute die Frau, die keine Spinnen mochte und es OK fand, wenn etwas aufgegessen wurde, das ihr nicht gefiel. Diese Frau nahm dicke Tiere wie den flauschigen Kater gerne hoch, um sie umzudrehen – bekanntlich gehört ein felliges flauschiges Bäuchlein zu den feinsten Dingen, die man streicheln kann.

Der schwarze Kater hatte ambivalente Gefühle diesbezüglich. Einerseits mauzte er kläglich, um die Würdelosigkeit einer Lage zu beklagen, in der alle Pfoten nach oben zeigen. Andererseits hatte sie diese zarten Finger, mit denen sie seine Ohren durchknuschelte und sein felliges Gesicht sanft knetete und es dauerte meist nur ein kurzes Miepsen und ein einziges widerstrebendes Maunzgeräusch lang, bis quasi gegen seinen Willen ein tiefes Ganzkörpervibrieren einsetzte und er die Stirn gegen ihre Handfläche rammte. „Siehst du“, sagte sie dann. „Da ist ja mein Geräusch.“

Der Kater fiepste meist noch mal, um klarzustellen, dass die Würde eines majestätischen schwarzen Tieres trotz aller beinahe unfreiwilligen Hingabe ja auch sehr wichtig war und hob dann unauffällig die Hinterpfoten samt Popo an, damit sie besser ans Bäuchlein kam. Das tiefe Brömmen vibrierte gegen ihre Handflächen direkt bis ins Herz. Zur Belohnung erzählte sie ihm eine kurze Geschichte.

Vor gar nicht langer Zeit zog in ein kleines Haus in einer anderen Stadt ein kleiner schwarzer Hund mit ein. Er fand Leute gut. Fressen und Spielen und Spazierengehen auch, aber vor allem Leute. Die Frau war einige Male dabei, wenn der kleine schwarze Hund die Gäste begrüßte, die in sein Haus kamen. Dabei stellte sie folgendes fest:  Die Frauen freuten sich, dass der Hund sich freute und dann freute der Hund sich und die Gastfrau freute sich noch mehr.  Die Männer freuten sich auch. Aber mindestens drei verschiedene Männer sagten an unterschiedlichen Terminen ganz unabhängig voneinander während der spielerischen Hundebegrüßung lachend bis freundlich empört, dass der kleine Hund seine Begrüßungsliebe offensichtlich komplett *wahllos* an buchstäblich jeden ausgegeben würde.

Wahllos, so erklärte die Frau dem Kater, wahllos ist kein besonders nettes Wort, wenn man es mit Zuneigung kombiniert.  Oder auch sonst.  Früher oder später, so meinte sie zu dem seidigen Brocken auf ihrem Arm, würde der kleine Hund Erfahrungen machen und dann würde er ganz von selbst zurückhaltender werden. Der Kater, der schon einmal kurz einen Hund auf dem obersten Treppenabsatz gesehen und anschließend eine Therapie und drei Tage Ruhe gebraucht hatte, wusste sehr gut, worauf sie anspielte.

Sie überlegten gemeinsam, ob das Hundebaby in der Geschichte etwas anders machen sollte. Die Frau fand, dass der kleine Hund alles richtig machte, denn weniger Liebe kann ja keine Lösung sein. Der dicke schwarze Kater fand, dass Wahllosigkeit besser zu Hunden passt als zu Katzen. Dann klingelte es an der Tür und der Kater wollte eiligst vom Arm, um unbeteiligt in Sichtweite herumliegen zu können, sobald der Gast den Raum betreten hatte.

# 30. Mai 2016 um 06:47 AM
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Nahtoderfahrungen

Aufwärts, weiter trotz Schmerzen, schnaufen, schwitzen, das ganze Kaleidoskop von Selbsthass bis Stolz ... die ersten drei Minuten auf diesem Trimmrad, immer.

Nach drei Minuten nachschauen, ob ich versehentlich “Morning Raid Kilimandscharo” eingestellt habe, nach fünfzehn überlegen, ob man diese ... rosig weit geöffneten ... Poren nicht für eine Anti-Aging-Maske nutzen könnte und dann nebenbei online einkaufen, weil man ja nur Nivea nutzt bisher.

Nach zwanzig Minuten darüber nachdenken, ob das bei so viel Aua nicht eigentlich reicht. An die Hardcore-Sportlerinnen in meiner Timeline denken, die noch rennen würden, wenn sie aus den Augen bluten und ein Bein an der letzten Sehne hinter sich herziehen.

Weiterstrampeln und hoffen, dass sie alle Tetanus haben. An das Krankenhaus vor 20 Jahren erinnert werden, als ich Andrea kennen lernte und an den Trip mit dem Taxi, im Nachthemd, mit Tropf, weil ich mal was anderes anziehen wollte als den Hauch von Negligé, den der Ex vorbeigeworfen hatte.

Trimmrad verliert gegen Südamerika alleine und eine Heimreise mit einem bereits grün schillernden Bein. Kurz vor der dreißigsten Minute allerdings nur knapp.

# 30. Mai 2016 um 04:12 AM
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Freitag, 06. Mai 2016

Stories for Nox 2

„Hey – guten Morgen!“ sagte der kleine schwarze Hund, aber nur mit den Augen. Er konnte sich voll drauf verlassen, dass sein feuchtbrauner Blick ausreichte, warum also Geräusche machen?

Sobald die Frau näher kam, fiel er vorsichtshalber schon mal um und stellte sich erwartungsvoll auf ihre Handbewegungen ein: Sie streckte die Hand nach ihm aus und der kleine Rücken bebte schon in zwei Metern Entfernung, die Pfoten zuckten und er wälzte sich, um das Bäuchlein besser zu präsentieren.

Die Frau war sehr zufrieden mit dem Fernstreicheln und den synchronen Bewegungen ihrer Finger und seiner Pfötchen, wollte dann aber doch lieber einen Arm voll Hund. Der schwarze warme Rücken passte genau von Ellbogen bis mit Fell gefüllter Handfläche und die Sonne stresste nur ein ganz klein wenig herum, weil eine Treppe höher schon die Arbeit wartete. Deswegen entnahm sie sich noch schnell fünf Minuten aus ihrem Tag, um die Finger zart unter den haarigen Rippenbogen zu schieben – es war nämlich ihre Spezialität, die Stellen zu finden, die andere vergaßen.

Als er zufrieden seufzend unter ihren Fingern entspannte und die Augen kaum noch offen halten konnte, weil sie so warm und weich war und ihn so schön an den Rippchen krabbelte … schleckte er auffordernd in ihre Richtung, weil er eine Geschichte wollte.

Sie überlegte kurz, denn bei jeder Geschichte, die man einem Hundebaby erzählt, sind der Anfang und das Ende sehr wichtig. Der Rest nicht so. Man kann sogar einfach nur den ersten Satz sagen und alles andere später, Hundekinder träumen sich dann einfach die Zwischenräume.

Ein guter erster Satz muss es sein, der Versprechungen enthält und Möglichkeiten eröffnet. Die Sprache wiederum ist ganz egal, und so beugte sie sich vor und flüsterte dem kleinen schwarzen Hund ins Ohr: “I’ll protect you from the hooded claw.”

# 06. Mai 2016 um 06:40 AM
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Stories for Nox

Es war einmal ein kleiner schwarzer Hund mit dicken Zotteln, einem kompakten Rücken und rundem Po, der war mit weitem Abstand der beste Hund in dem Haus, in dem er lebte. Wenn er wollte, konnte er mit allen vier Pfoten gleichzeitig in die Luft springen, er war aber auch sehr begabt im Ganzkörperwedeln, fiel um wie kein zweiter und hatte die beste feuchte Nase von allen, die dort wohnten.

Eines regnerischen Tages, es ist noch nicht sehr lange her, da kam eine Frau und drehte ihn einfach um. Da lag er dann mit dem Bauch nach oben in ihrem Arm und dachte sich „Die will doch was. Die küsse ich jetzt einfach mal.“ Das war aber ein Missverständnis. Sie wollte seine haarige Brust kraulen, mit dem Finger unter dem Rippenbogen langschmeicheln und die spacken Schenkelchen zwacken – Zungenküsse wollte sie nicht. Der kleine Hund, entspannt und schwer in ihrem Arm, fragte nach, ob er dann wenigstens eine Geschichte bekommen konnte.

Das ging. Und sie erzählte ihm von einem kleinen schwarzen Hund mit zotteligem Haar, der sein Haus gegen Mäuse, Trolle und die Zahnfee schützte und seinen Menschen dabei half, mal wieder richtig schnell zu rennen und die komischen Quietschgeräusche wiederzufinden, die sich in ihrem Entzückungsbereich schon so lange verkeilt hatten, dass sie sie kaum noch kannten. Der kleine schwarze Hund unterstützte seine Mitbewohner auch beim Bücktraining, beim Lieben von zotteligen Zottelwesen und bei Fingerübungen im krausen Bauchfell. Auch sonst war er ein nützlicher Hund, der einen sehr guten Job machte. Die Zahnfee jedenfalls hatte schon lange keiner mehr gesehen.

Der Hund fand die Geschichte ganz gut, hatte dann aber Hunger.

# 06. Mai 2016 um 06:37 AM
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